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Die Daylong-Creme kommt künftig aus dem Ausland

Nestlé schliesst die einstige Spirig-Fabrik in Egerkingen. 190 Stellen gehen verloren.

Zu wenig ausgelastet: Produktionsanlage für Sonnencreme in Egerkingen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)
Zu wenig ausgelastet: Produktionsanlage für Sonnencreme in Egerkingen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Lang anhaltende Sicherheit – das verspricht Galderma-Spirig mit dem bekanntesten Produkt. Die Sonnencreme Daylong kann die Haut bis zu 24 Stunden vor den gefährlichen UVB-/UVA- und Infrarotstrahlen schützen. Das Gefühl der Sicherheit, das sich bei Wanderern und Strandgängern mit der Lotion einstellt, haben nun ausgerechnet die Angestellten, die Daylong herstellen, verloren. Gestern gab die Nestlé-Tochter Skin Health bekannt, die Fabrik von Galderma Schweiz im solothurnischen Egerkingen zu schliessen. Die Firma, die aus dem einstigen Pharmaunternehmen Spirig hervorgegangen ist, gehört seit 2014 zum Nestlé-Konzern. Zu den Produkten, die in Egerkingen hergestellt werden, gehört neben der bekannten Sonnencreme unter anderem auch die Hautcreme Excipial.

Die Schliessung der Produktion in Egerkingen hat einen Abbau von rund 190 Stellen zur Folge. Heruntergefahren werden solle die Fabrik innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate, also spätestens Anfang 2019, teilte Nestlé gestern in einem Communiqué mit. «Nestlé Skin Health ist sich bewusst, dass für die Angestellten am Standort Egerkingen nun eine Zeit der Unsicherheit beginnt», heisst es darin weiter. Offiziell wurde erst die Absicht zur Standortschliessung bekannt gegeben. Damit startet der Konsultationsprozess, der beim Abbau von Arbeitsplätzen in dieser Grössenordnung gesetzlich vorgeschrieben ist und bei dem sich Personalvertreter und Behörden einbringen können. Dieser Prozess und die Verhandlungen mit den Personalverbänden würden auch dazu genutzt, einen Sozialplan auszuhandeln, wie ­Sébastien Cros, Sprecher von Nestlé Skin Health, auf Anfrage erklärte.

Abteilung kommt nach Zürich

Insgesamt gibt es derzeit knapp 270 Nestlé-Arbeitsplätze in Egerkingen. Während die Produktion geschlossen wird, werden die übrigen Arbeitsplätze verschoben. Jene Abteilung, die sich um die Vermarktung der Hautmedikamente und -pflegeprodukte kümmert, wird fortan in Zürich angesiedelt sein. Das Team, das weltweit die Entwicklung von rezeptfreien Produkten wie beispielsweise Sonnencremen betreut, wird in den Kanton Waadt verschoben.

Hintergrund der Schliessung des Standorts Egerkingen sind die weltweiten Produktionsüberkapazitäten von Nestlé Skin Health. Die Sparte von Nestlé hat mit viel Konkurrenz zu kämpfen, insbesondere mit solcher, die mit billigen Nachahmerprodukten auf den Markt drängt. Das schmälert wiederum den Absatz der Markenprodukte von Nestlé Skin Health respektive deren Tochter Galderma.

In ihrer Medienmitteilung schrieb Nestlé Skin Health gestern, die Produktionsvolumen in Egerkingen seien seit längerem sehr tief, zudem erwarte man in den nächsten Jahren auch kein signifikantes Volumenwachstum. Deshalb, das heisst wegen der schlechten Auslastung der Maschinen, werden die Pflegemittel, die bislang in der ehemaligen Spirig-Fabrik hergestellt wurden, fortan an anderen Skin-Health-Standorten in Frankreich und Kanada produziert.

Enttäuschende Zahlen

Für die einstigen Besitzer von Spirig Pharma ist damit die Rechnung nicht ganz aufgegangen. Sie hatten das Unternehmen 2012 an das damalige Nestlé-L’Oréal-Joint-Venture Galderma verkauft, weil sie sich durch dessen internationale Verkaufskanäle eine Steigerung des Absatzes und damit eine bessere Auslastung der Anlagen in Egerkingen erhofften.

Für Patrik Schwendimann, Nestlé-Experte bei der Zürcher Kantonalbank, kommt die Entwicklung überraschend. Immerhin sei Nestlé schon vor der vollständigen Übernahme von Galderma 2014 an der Firma beteiligt gewesen. Man könne daher nicht sagen, dass der Konzern in dem Bereich keine Erfahrung habe. Der Bereich Skin Health erzielte letztes Jahr zusammen mit dem Bereich Nestlé Health Science einen Umsatz von 4,7 Milliarden Franken. Schwendimann schätzt, dass der Anteil von Skin Health etwa 2,4 Milliarden beträgt. Die Gewinnmarge von Health Science und Skin Health zusammen habe bei 9,2 Prozent gelegen. Zwar seien diese beiden Bereiche noch im Aufbau begriffen, dennoch seien die Zahlen enttäuschend. «Eigentlich müsste die Marge für so ein hochwertiges Geschäft langfristig bei 15 bis 20 Prozent liegen», so der Analyst.

Überrascht zeigt man sich auch bei den Arbeitnehmervertretern. «Ökonomisch ist die Schliessung des Standorts nicht zu rechtfertigen», heisst es bei der Unia. Immerhin sei Galderma Marktleaderin bei dermatologischen Medikamenten. Der Schliessungsentscheid ist nach Ansicht der Gewerkschaft deshalb ein neuer harter Schlag gegen den Industriestandort Solothurn, der allein auf die Profitstrategie eines weltweit operierenden Konzerns zurückzuführen sei.

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