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Die Eternit-Gruppe hat in Italien massiv Geld verloren

In Turin wurde der Prozess gegen Stephan Schmidheiny wieder aufgenommen. Er steht wegen 2800 asbestbedingten Krankheiten und Todesfällen vor Gericht.

Faser des Anstosses: Beim Umgang mit dem gefährlichen Werkstoff Asbest sollen in Italien hunderte Arbeiter zu Schaden gekommen sein.
Faser des Anstosses: Beim Umgang mit dem gefährlichen Werkstoff Asbest sollen in Italien hunderte Arbeiter zu Schaden gekommen sein.
Keystone

Die «Schweizer Teilhaber» an den italienischen Eternit-Werken haben nach Angaben eines von der Verteidigung im Turiner Asbest-Prozess bestellten Experten keinen Profit auf Kosten der Eternit S.p.A. gemacht. Im Gegenteil: Sie hätten dutzende Millionen in Italien investiert und verloren.

In Turin war am Montag der Prozess gegen den Schweizer Milliardär Stephan Schmidheiny und den belgischen Baron Jean-Louis de Cartier de Marchienne fortgesetzt worden. Ihnen wird wegen über 2800 asbestbedingter Krankheits- und Todesfälle im Zusammenhang mit der Eternit S.p.A. der Prozess gemacht.

150 Millionen Franken investiert

Schmidheiny und de Cartier sind der vorsätzlichen Tötung und der absichtlichen Verursachung einer Umweltkatastrophe angeklagt. Den Angeklagten drohen Gefängnisstrafen zwischen drei und zwölf Jahren und hunderte Millionen Euro Entschädigungszahlungen. Der Prozess hatte Mitte Dezember 2009 begonnen und soll bis mindestens Ende 2011 dauern.

Ein von der Verteidigung bestellter Buchprüfer des Revisions- und Beratungsunternehmen Deloitte, Andrea Bitti, sagte am Montag aus, dass «zwischen 1973 und 1984 die Schweizer Teilhaber 56 Milliarden Lire (damals: 150 Millionen Franken) investiert» hätten in die vier italienischen Eternit-Werke. «Davon zurückbekommen haben die Schweizer nur 4,7 Milliarden Lire.»

Entgegen der Behauptung der Anklage habe die Eternit S.p.A. «riesige Verluste» gemacht, sagte Bitti, wie die italienische Nachrichtenagentur ANSA weiter berichtete. Bitti erläuterte vor Gericht die Bilanzen der Eternit S.p.A., die 1986 Konkurs ging.

Mehrere Gesellschaften

Bitti wies auch die Anschuldigung der Staatsanwaltschaft zurück, wonach der heute knapp 63-jährige Schmidheiny der Besitzer der italienischen Werke gewesen sei. Stattdessen sprach er von «Schweizer Teilhabern» und erklärte auf Nachfrage von Anwälten der beteiligten Zivilparteien, es habe sich um mehrere Gesellschaften gehandelt.

Die Schweizer Teilhaber hätten keine Sparmassnahmen um jeden Preis durchgedrückt, sondern konstant in die italienischen Werke investiert - ohne einen Gegenwert zu erhalten, betonte Bitti. Ein Grossteil der Investitionen sei in die Produktionsanlagen geflossen, um diese dem Stand der Normen anzupassen.

wie viel floss in die Sicherheit?

Auf die Nachfrage von Richter Giuseppe Casalbore, wie viel Geld in die Verbesserung der Arbeitsplatzsicherheit geflossen sei, sagte Bitti, dazu werde zu einem späteren Zeitpunkt ein anderer Berater der Verteidigung aussagen.

Stephan Schmidheiny war 1975 Delegierter des Verwaltungsrats der Eternit AG geworden und 1978 Verwaltungsratspräsident der Schweizerischen Eternit-Gruppe. Diese hatte ab Anfang der 1970er Jahre ihren Anteil an der Eternit S.p.A. schrittweise erhöht und war schliesslich Mehrheitseignerin geworden.

Grund sei gewesen, dass die Schweizer die italienischen Werke hätten modernisieren wollen, hatte Schmidheiny-Sprecher Peter Schürmann im Februar der Nachrichtenagentur SDA erklärt. Andere Anteilseigner - die belgische Etex und die französische Eternit - seien nicht mitgezogen.

(SDA)

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