Die Geldwäscherei-Koryphäe, die bei BNP in Genf arbeitete

Paul Perraudin war eidgenössischer Untersuchungsrichter. Ab 2008 wurde er Schweizer Compliance-Chef der soeben verurteilten BNP Paribas. Letztes Jahr ging Perraudin von Bord.

Paul Perraudin war einst Bundesanwalt, nun gibt es Fragen zu seiner Arbeit bei der Bank BNP Paribas. (Archivbild 1994)

Paul Perraudin war einst Bundesanwalt, nun gibt es Fragen zu seiner Arbeit bei der Bank BNP Paribas. (Archivbild 1994) Bild: Keystone

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Paul Perraudin ist eine Kapazität in Sachen Geldwäscherei und internationale Korruption. Nun zeigt sich, dass ausgerechnet der bekannte und hoch angesehene Perraudin beim Schweizer Ableger der französischen Grossbank BNP Paribas eine wichtige Rolle im Bereich der Compliance gespielt hat. Compliance meint die Einhaltung aller internen und externen Vorschriften, und genau dies hat bei der Schweizer BNP mit Sitz in Genf versagt.

In der Nacht auf heute wurde die BNP von den USA mit fast 9 Milliarden Dollar gebüsst, weil sie systematisch amerikanische Sanktionen gegen den Sudan, den Iran und Kuba umgangen hatte. Ein grosser Teil der Umgehungen geschah über den Schweizer Ableger, bei dem Perraudin ab Herbst 2008 die Compliance und die Rechtsabteilung geleitet hatte. Letzten Sommer gab die BNP in Genf Perraudins Rücktritt per Ende 2013 bekannt.

Die Bank trennt sich von 40 Mitarbeitern

Ob Perraudins Abschied, der damals keine grossen Wellen geworfen hatte, mit der Rekordbusse gegen die BNP Paribas und dem Versagen in deren Schweizer Ableger zusammenhängt, bleibt offen. Eine Sprecherin der BNP in Genf sagte, die Bank trenne sich wegen des US-Falls von rund 40 Mitarbeitern. Zu einzelnen Namen würde man sich nicht äussern.

Die Finma schreibt in ihrem Untersuchungsbericht zur BNP Schweiz und deren Umgehung von US-Sanktionen, dass die Bank ihre Pflichten «fortgesetzt schwer verletzt» habe. Insbesondere «gegenüber dem Sudan» habe die Bank US-Vorschriften «in erheblichem Umfang bis 2011 verletzt», allerdings sei dies «vorwiegend in der Periode zwischen 2002 und 2007» der Fall gewesen. Das wäre noch ein Jahr vor Perraudins Eintritt bei der BNP Paribas in Genf gewesen.

Für den auch in der Deutschschweiz bekannten Perraudin ist die hohe Busse und das Schuldeingeständnis seiner Ex-Arbeitgeberin in jedem Fall unangenehm. Denn Perraudin galt bis anhin als einer der absoluten Spezialisten in Sachen Geldwäscherei und genoss in Fragen der Compliance rund um dieses Thema den Status einer Koryphäe.

Perraudins Lob für die BNP Paribas

Vor seinem Wechsel nach Bern arbeitete Perraudin als Untersuchungsrichter in Genf. Im Zuge der massiven Aufrüstung der Bundesanwaltschaft, die in Sachen Wirtschaftskriminalität und organisiertes Verbrechen immer öfters die Strafermittlungen von den Kantonen übernommen hatte, wurde Perraudin 2002 zum Stellvertreter des leitenden eidgenössischen Untersuchungsrichters gewählt. Damit war er einer der führenden Köpfe der grossen nationalen Strafermittlungsbehörde. Perraudin war in seiner Stellvertreterfunktion gleichzeitig auch zuständig für die Genfer Zweigstelle des Untersuchungsrichteramts.

Als ihn die BNP Paribas für den Job des Schweizer Compliance-Leiters gewann, wo er direkt dem CEO der Niederlassung rapportierte, hob sie Perraudins grosse Verdienste «im Kampf gegen Wirtschafts- und Finanzverbrechen und die Geldwäscherei» hervor. Im Communiqué, im dem seine Verpflichtung bekannt gegeben wurde, liess sich Perraudin mit den Worten zitieren, dass die BNP Paribas Schweiz «sehr rasch» die Bedeutung der internen Einhaltung von Rechtsvorschriften erkannt habe. Entsprechend habe die Bank die «internen Kontrollen zur Priorität» gemacht, was zu ihrer «Widerstandsfähigkeit» in der grossen Finanzkrise geführt habe.

Der Präsident der Schweizer BNP, Georges Chodron de Courcel, zeigte sich ob der «enormen persönlichen Qualitäten» des damals 57-Jährigen erfreut. Perraudin werde «seine internationale Vision und seine Erfahrung auf höchster Verantwortungsstufe» in die Bank bringen. Chodron de Courcel, die langjährige Nummer zwei von BNP Paribas, trat soeben im Zuge der sich abzeichnenden Milliardenbusse von all seinen Funktionen innerhalb der Grossbank zurück.

Erstellt: 01.07.2014, 14:41 Uhr

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