Zum Hauptinhalt springen

«Die Giganten wachsen in unverhältnismässigem Umfang»

Beim Zeitungskongress in Essen diskutiert die Medienwelt über die Entwicklungen der Zeitungsbranche. Dabei kommen Grosskonzerne und die öffentlich-rechtlichen Unternehmen schlecht weg.

Harter Kritiker der aktuellen Medienentwicklung: Faz-Herausgeber Frank Schirrmacher.
Harter Kritiker der aktuellen Medienentwicklung: Faz-Herausgeber Frank Schirrmacher.

Rund 500 Zeitungsverleger und Journalisten beraten seit Montag in Essen über die digitale Revolution und ihre Auswirkungen auf die Zeitungsbranche. Zum Auftakt des zweitägigen Zeitungskongresses betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesjustizministerium, Max Stadler (FDP), die Bedeutung der Pressefreiheit und des Urheberschutzes für Verlage. Eine anschliessende Expertenrunde offenbarte, dass im Umgang mit den Chancen und Herausforderungen durch das Internet und mobile Medien weitgehende Ratlosigkeit herrscht.

Es gebe immer noch Lücken beim Schutz der Pressefreiheit, sagte Stadler, der Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) vertrat. Die Ministerin liess sich entschuldigen, weil sie am Treffen zum Thema Google Street View und Geodaten mit Innenminister Thomas de Maizière (CDU), Wirtschaftsvertretern und Verbraucherschützern in Berlin teilnahm. Stadler verwies auf die Proteste im Iran, die über das Internet in die Welt verbreitet worden seien. Dies sei ein Beleg dafür, dass Staaten Missstände nicht geheim halten könnten.

Freies Internet ist nicht gleich kostenlos

Das Kabinett hatte im August einen Gesetzentwurf verabschiedet, der Journalisten und ihre Informanten künftig besser schützen soll. Die Regierung wolle sich auch für bessere Leistungsschutzrechte einsetzen. «Ein freies Internet bedeutet nicht zwangsläufig ein kostenloses Internet», sagte Stadler. Es gehe darum, Fairness zu schaffen.

«Der Preis des Internets» lautete der Titel der anschliessenden Expertenrunde im Alfried Krupp Saal der Essener Philharmonie. Eingangs schürte der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, die Hoffnungen auf neue Technologien wie das iPad und Smartphones. Die Entwicklungen stünden am Anfang, die ersten Erfahrungen seien ermutigend für das Erschliessen neuer Erlösmodelle.

Schirrmacher: «Die meisten Theorien sind falsch»

Es gebe jeden Tag neue Thesen zum Internet, sagte der Herausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», Frank Schirrmacher. «99 Prozent der Theorien stimmen nicht oder sind nicht eingetreten.» Schirrmacher kritisierte das «Wachsen von Giganten in unverhältnismässigem Umfang». Es könne angesichts einer «Milliardenkonkurrenz» langfristig keine finanzierbare freie Presse geben.

Schirrmachers Einwurf richtete sich nicht nur an Google, sondern insbesondere an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der auf dem Podium durch den ARD-Vorsitzenden Peter Boudgoust vertreten war. So geriet die Diskussion schnell zum Streitgespräch.

Die Textlastigkeit des Nachrichtenangebots auf Webseiten wie Tagesschau.de hatte im Juli zu einem Streit zwischen Zeitungsverlegern und Öffentlich-Rechtlichen geführt. Entsprechend musste Boudgoust am Montag vor allem die Angebote der gebührenfinanzierten Sender verteidigen.

Die Stellung der Öffentlich-Rechtlichen

Nach rund einer Stunde bemerkt Schirrmacher: «Wir sind überhaupt noch nicht weitergekommen.» Statt mögliche Bezahlmodelle im Internet und mit mobilen Geräten in die Debatte einzubringen, sagte der «FAZ»-Herausgeber jedoch noch einmal, dass die Öffentlich-Rechtlichen mit Milliarden mitspielten, «ohne dem Markt unterworfen zu sein».

Boudgoust sah sich in einer «Debatte, die argumentenarm ist». Die Positionen sind seit langem bekannt. Die Diskussion vermittelte den Eindruck, dass die Probleme der Zeitungsbranche obsolet wären, sobald ARD und ZDF keine Textangebote mehr anböten. Tatsächlich stellen deren Marktanteile für die Verlage bislang keinerlei Gefahr dar.

Einig waren sich alle Teilnehmer darin, dass vor allem journalistische Qualität und innovative Ideen das Überleben von Zeitungen sichern werden und die Bereitschaft von Nutzern erhöhen, für Inhalte im Netz zu bezahlen.

dapd/mrs

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch