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Die grösste je ausgesprochene Busse wegen Urheberrechtsverletzung

Im Industriespionageprozess muss der deutsche Softwarekonzern SAP dem US-Rivalen Oracle 1,3 Milliarden Dollar zahlen.

Unsaubere Machenschaften: SAP vs. Oracle.
Unsaubere Machenschaften: SAP vs. Oracle.
Keystone

Der deutsche Softwarehersteller SAP muss dem US-Rivalen Oracle wegen Urheberrechtsverletzung 1,3 Milliarden Dollar zahlen. Das entschied am Dienstag ein Geschworenengericht im kalifornischen Oakland.

Wie sich herausstellte, stahl die SAP-Tochter TomorrowNow Kundendaten von einer passwortgeschützten Oracle-Website und machte den Kunden dann Angebote zu günstigeren Konditionen. SAP gab Urheberrechtsverletzungen zu, bestritt aber einen Datendiebstahl.

SAP war bereit, 40 Millionen Dollar als Wiedergutmachung zu zahlen, Oracle verlangte nach einigem Hin und Her aber 1,7 Milliarden Dollar. Laut US-Medien handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe um die höchste in einem Fall um Urheberrechtsverletzung.

Damit sei «der Wert des von SAP gestohlenen geistigen Eigentums» erkennbar, sagte Oracle-Anwalt Geoffrey Howard nach der Entscheidung. Er hatte ursprünglich von Industriespionage gesprochen, später dann nur noch von Datenklau.

Entschuldigung

SAP-Anwalt Robert Mittelstaedt sagte in der Schlussanhörung des seit dem Jahr 2007 laufenden Verfahrens, SAP sei nicht stolz auf den Vorfall. SAP war auf Oracle zugegangen. «Es tut mir leid», sagte Co-Konzernchef Bill McDermott vergangene Woche als Zeuge vor Gericht. Er räumte Fehler ein. SAP habe die Zügel bei der kleinen US-Tochter TomorrowNow schleifen lassen.

Oracle-Anwalt David Boise hatte vor den Geschworenen mehrmals betont, Millionen Dokumente seien so aggressiv abgegriffen worden, dass die Oracle-Server in die Knie gegangen seien.

Mässiger Erfolg

Das Geschäftsmodell von TomorrowNow war, günstige Wartung für Unternehmenssoftware anzubieten. Oracle hatte die Software-Hersteller, deren Produkte TomorrowNow betreute, nacheinander aufgekauft.

SAP wollte die Wartungsfirma danach als Türöffner nutzen, um Oracle-Kunden abzuwerben. Nach Darstellung der Deutschen war dieser Plan jedoch nur von mässigem Erfolg gekrönt: Nur 86 von 358 TomorrowNow-Kunden hätten SAP-Software erworben.

SAP hatte bereits das Fehlverhalten der TomorrowNow-Mitarbeiter zugegeben und in dem Prozess ging es nur noch um die Schadenssumme. Der Konzern hatte die erst 2005 gekaufte TomorrowNow 2008 geschlossen.

(dapd)

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