Die Industrie schrumpft weiter

Der Frankenschock wirft lange Schatten. Eine seiner Folgen ist, dass die Beschäftigung im Vergleich zu früher zu wenig wächst.

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Wieder eine Schreckensmeldung vom Schweizer Arbeitsmarkt: Der US-Konzern General Electric soll im Aargau den Abbau von bis zu 1300 Stellen planen. ­Bereits seit dem Sommer häufen sich Meldungen über Massenentlassungen bei Schweizer Firmen. Der damit entstehende Eindruck einer aufziehenden Krise ist dennoch falsch.

Konjunkturforscher gehen davon aus, dass der Frankenschock mehr oder weniger abgehakt ist. Die im internationalen Vergleich bereits niedrige Arbeitslosenquote soll sogar weiter sinken – von aktuell 3,2 Prozent im laufenden Jahr auf 3,1 im nächsten und auf 3 Prozent im Jahr 2019 gemäss der Prognose der Konjunkturforschungsstelle der ETH (KOF).

Dennoch wäre es komplett falsch, den Frankenschock und seine Folgen zu verharmlosen. Er hat die Schweizer Wirtschaft hart getroffen, und er wirft lange Schatten. Eine seiner Folgen ist, dass die Beschäftigung im Vergleich zu früher zu wenig wächst. Ökonomen erklären sich das damit, dass viele Unternehmen dem Aufschwung und der leichten Frankenabwertung noch nicht recht trauen. Entwicklungen auf der wirtschaftlichen Gesamtebene verdecken ausserdem die Sicht auf die Verschiebungen und Probleme von einzelnen Unternehmen und Branchen.

Es wäre komplett falsch, den Frankenschock und seine Folgen zu verharmlosen.

Studien, die das Staatssekretariat für Wirtschaft gestern veröffentlicht hat, verschaffen dazu wichtige Einblicke. Sie besagen, dass vor allem in der Industrie der Schrumpfungsprozess weitergeht. Schon unmittelbar nach der Aufgabe des Mindestkurses durch die Nationalbank kam es vor allem in dieser Branche zu ausgeprägten Stellenreduktionen. Und gemäss den Studien bleiben die Aussichten für die Industrie insgesamt trüb. Das liegt auch am Strukturwandel und am technologischen Fortschritt.

Doch selbst auf diese scheinbar von ihm unabhängigen Entwicklungen hat der Frankenschock einen nachwirkenden Einfluss. Er hat dazu geführt, dass die Unternehmen deutlich weniger Investitionen getätigt und weniger für Forschung und Entwicklung aus­gegeben haben. Das hat die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors nachhaltig gemindert. Und das befeuert ­seinen Schrumpfungsprozess nur noch zusätzlich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.10.2017, 21:23 Uhr

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