Die Möbelbranche steckt in der Krise

Frankenstärke, Billiganbieter und Onlinekonkurrenz machen Schweizer Anbietern zu schaffen. Der Verkauf von Möbel Hubacher an die Pfister-Gruppe ist ein Anzeichen für eine stärkere Konsolidierung.

Das Geschäft mit Möbeln stagniert oder geht gar zurück – die Branche setzt nun auf den Onlinehandel. Foto: Thomas Egli

Das Geschäft mit Möbeln stagniert oder geht gar zurück – die Branche setzt nun auf den Onlinehandel. Foto: Thomas Egli

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Das Möbelhaus Hubacher im aargauischen Rothrist ist mit 30'000 Quadratmetern Verkaufsfläche, einem ebenso grossen Lager und 200 Mitarbeitenden wahrlich nicht klein. Dennoch suchte die Besitzerfamilie eine externe Nachfolgeregelung und verkaufte Hubacher an die Pfister Arco Holding in Suhr AG, zu der unter anderem Möbel Pfister gehört.

Die Erklärung für den Ausverkauf dürfte sein, dass Hubacher letztlich doch zu klein war, um längerfristig gegen viel grössere Billiganbieter wie Ikea, Conforama und Lipo bestehen zu können. 2005 machte Hubacher 70 Millionen Franken Umsatz, letztes Jahr waren es noch 52 Millionen – ein Rückgang von rund 25 Prozent innert zehn Jahren. Während die Einnahmen schrumpften, nahm der Preisdruck stetig zu.

Den Ton geben heute grosse ausländische Billiganbieter wie Ikea und die südafrikanische Steinhoff-Gruppe an, die beiden grössten Möbelhändler in ­Europa. Ikea allein beanspruchte vergangenes Jahr ein Viertel der Schweizer Gesamtausgaben für Wohnungseinrichtungen von knapp 4 Milliarden Franken für sich. Die Steinhoff-Töchter Conforama, Lipo und Fly setzten 2014 gemeinsam im Bereich Möbel knapp 580 Millionen Franken um – und waren damit der Pfister-Gruppe mit ihren 603 Millionen Franken Umsatz innert weniger Jahre nahe auf die Fersen gerückt.

Kostspielige Logistiklösungen

Verglichen mit solchen Umsätzen, konnte Hubacher nicht mehr mithalten, während der Pfister-Gruppe der zugekaufte Umsatz willkommen sein dürfte. Hinzu kommt, dass komplexe und daher kostspielige Logistiklösungen immer mehr über Gewinn und Verlust mitentscheiden. Hubacher dürfte davon profitieren, dass Möbel Pfister in Suhr AG für einen zweistelligen Millionenbetrag ein automatisches Lager mit 75'000 Stellplätzen für Kleinteile baut. Die Filialen erhalten ab nächstem Jahr von Robotern fein säuberlich vorsortierte Lieferungen. Mehrarbeit beim Einräumen in die Regale wird so vermieden – entsprechend sinken die Kosten.

«Der Einkaufstourismus setzt uns zu.»Hannes Vifian, Präsident Möbel Schweiz

Solche Investitionen können kleinere Anbieter wie Hubacher kaum noch stemmen. Der Frankenschock dürfte den Entscheid, sich an die mehr als zehnmal so grosse Pfister-Gruppe anzulehnen, beschleunigt haben. Die Auf­hebung der Eurountergrenze durch die Nationalbank zwang Schweizer Anbieter praktisch über Nacht zu währungs­bedingten Preisnachlässen. Das brachte zwar Kunden in die Läden, schmälerte jedoch die Erlöse.

«Der harte Franken und der Einkaufstourismus setzen uns zu», sagt Hannes Vifian, Präsident von Möbel Schweiz, dem Dachverband von Möbelhandel und -industrie. Die Verkäufe der Mitgliedsfirmen seien 2015 im ersten Halbjahr um 4,2 Prozent eingebrochen. Der Einkaufstourismus blüht laut der Marktforschungsfirma GFK im Möbel­bereich «stark». Gut 10 Prozent des Umsatzes wandern gemäss ihrer Einschätzung ins Ausland ab. Hinzu kommt, dass die Möbelbranche seit längerem stagniert. Selbst die mächtige Ikea, die 2012 die Milliardenmarke überschritt, kann den Umsatz kaum noch steigern. Micasa von Migros mit 268 Millionen Franken Absatz und Toptip und Lumimart von Coop mit Verkäufen von 221 Millionen liegen hinter Pfister zurück, gehören aber immer noch zu den Top fünf. Micasa tritt allerdings umsatzmässig seit Jahren praktisch an Ort, die Verkäufe von Toptip und Lumimart gehen gar stetig leicht zurück. Beide Grossverteiler verkaufen weniger Möbel als 2005.

Onlinehändler im Aufwind

«Wir durchlaufen einen Konsolidierungsprozess», sagt Möbel-Schweiz-Präsident Vifian. «Dieser wird sich eher noch verschärfen.» Die Bereinigung dürfte vorab auf die Kosten der etablierten Anbieter gehen. Ikea eröffnete letztes Jahr kein neues Möbelhaus, Micasa weihte nur eine neue Filiale ein, während Coop vier Toptip-Lumimart-Filialen schloss. Offensiv ausgebaut hat dagegen die Steinhoff-Gruppe. Sie eröffnete ­allein letztes Jahr acht Lipo-Filialen und fünf Conforama-Zentren. Lipo baut eine neue Zentrale bei Basel. Und neu dringt die französische Kette Maisons du Monde mit vorerst vier Läden in die Schweiz vor.

Des Weiteren knabbern Onlineanbieter am Geschäft der klassischen Möbelhändler. Der deutsche Onlinehändler Westwing hat in der Schweiz nach eigenen Angaben bereits 200'000 Kunden. Home24, ebenfalls aus Deutschland, lockt seit 2014 mit Gratisversand. Ikea und Möbel Pfister haben darauf die Preise beim Paketversand gesenkt. Möbel Pfister will online expandieren – ihr neuer Chef leitete zuvor die Versandapotheke Zur Rose, das passt ins Bild. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.10.2015, 23:05 Uhr

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