Die SBB-Pensionskasse sollte sich mässigen

4 Prozent Zins für ein Darlehen zu verlangen, ist viel zu viel. Die SBB-Pensionskasse wäre klug, einen neuen Vertrag anzubieten.

Europaallee: Die SBB bauen ein Maximum an Wohnungen, um Rendite herauszupressen. Bild: Sabina Bobst

Europaallee: Die SBB bauen ein Maximum an Wohnungen, um Rendite herauszupressen. Bild: Sabina Bobst

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Verträge sind einzuhalten. Diese Juristenweisheit würde jeder unterschreiben, denn sie gehört zu unserem Rechtsverständnis. Darauf kann die SBB-Pensionskasse pochen, wenn sie stolze 4 Prozent Zins für ein Restdarlehen von 1,37 Milliarden Franken kassiert. Zuletzt machte das 56 Millionen. Vereinbart wurde der Deal vor acht Jahren, um ein 2-Milliarden-Loch zu stopfen.

Das Problem? Der Schuldner sind die stark defizitären Bundesbahnen. Sie zahlen ihrer Pensionskasse diese Zinsmillionen. Geld, das den SBB dann im Bahnunterhalt fehlt. Weil dieser defizitär ist, muss die Eidgenossenschaft jährlich Milliarden einschiessen.

So werden 4 Prozent Zins zum Politikum: Ist es fair, wenn die SBB-Pensionskasse so viel verlangt, obwohl der Marktzins für ein vergleichbares Darlehen bei 0,25 Pro­zent liegt? So rentiert derzeit eine Anleihe der Eidgenossenschaft, die kürzlich aufgelegt wurde und bis 2032 läuft – genau so lange wie das SBB-Darlehen.

Mit Ersparnissen den Unterhalt finanzieren

Anders gesagt: Würden die SBB den Kredit heute verhandeln, wären bloss noch 3,5 statt 56 Millionen Zins fällig. Das ist ein Riesenunterschied. Würde dieser massive Zinsaufschlag wegfallen, könnten die SBB in ihrem Immobilienpark zum Beispiel die Mieten senken. Diese gelten heute nicht gerade als moderat.

So hat die politische Aufregung nämlich angefangen: mit der Beobachtung, dass die SBB-Immobilien ein Maximum an Wohnungen bauen und Rendite herauspressen. Der Ertrag der Immobiliensparte, Hunderte Millionen jährlich, fliesst zu einem grossen Teil in die Pensionskasse, um Zinsen zu zahlen und Schulden zu tilgen, wie sich zeigt. Was danach übrig bleibt, ist für den Unterhalt vorgesehen. Aktuell ist das nur ein kleiner Teil. Wenn schon nicht günstige Mieten, könnte man mit den Ersparnissen mindestens den Unterhalt stärker finanzieren.

So scheint nur fair, wenn die Eignervertreter des Bundes – das Finanz- und das Verkehrsdepartement – die SBB und ihre Pensionskasse auffordern, einen massvollen Zins zu verhandeln.

Erstellt: 01.11.2018, 22:56 Uhr

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