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«Die Schweiz muss Ermittlungen aufnehmen»

Was bedeutet der Freispruch von Raoul Weil für die US-Justiz und ihren Kampf gegen fehlbare Schweizer Banker? Und was hat der Kronzeuge Martin Liechti nun zu befürchten? Dazu Bankenexperte Peter V. Kunz.

Franziska Kohler
Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Den Geschworenen fehlte es an direkten Beweisen für einen Schuldspruch: Raoul Weil (hier mit seiner Frau Susan Lerch) verlässt nach dem Freispruch das Gerichtsgebäude in Fort Lauderdale (Florida). (4. November 2014)
Keystone
Er ist der Hauptzeuge: Der ehemalige UBS-Banker Martin Liechti (links) im Gericht. (23. Oktober 2014)
Er ist der Hauptzeuge: Der ehemalige UBS-Banker Martin Liechti (links) im Gericht. (23. Oktober 2014)
Andrew Innerarity, Reuters
«Ich wollte dereinst nicht als Verantwortlicher dastehen»: Martin Liechti, hier während einer Senats-Anhörung in Washington 2008.
«Ich wollte dereinst nicht als Verantwortlicher dastehen»: Martin Liechti, hier während einer Senats-Anhörung in Washington 2008.
Keystone
Beginn des Prozesses: Raoul Weil (links) mit seiner Frau, Susan Lerch Weil, vor dem Gericht in Fort Lauderdale, Florida. (14. Oktober 2014)
Beginn des Prozesses: Raoul Weil (links) mit seiner Frau, Susan Lerch Weil, vor dem Gericht in Fort Lauderdale, Florida. (14. Oktober 2014)
Keystone
Raoul Weil ist in den USA der Beihilfe zur Steuerflucht angeklagt. Davor hatte er eine klassische Bankerkarriere durchlaufen (undatiertes Porträt).
Raoul Weil ist in den USA der Beihilfe zur Steuerflucht angeklagt. Davor hatte er eine klassische Bankerkarriere durchlaufen (undatiertes Porträt).
Handout UBS, Keystone
Nach einem Wirtschaftsstudium stieg er beim damaligen Schweizerischen Bankverein in Basel ein. Ab 1994 war er für das Private Banking des SBV in den USA verantwortlich, ab 1996 arbeitete er für die ganze Private-Banking-Sparte Nordamerika und die Karibik.
Nach einem Wirtschaftsstudium stieg er beim damaligen Schweizerischen Bankverein in Basel ein. Ab 1994 war er für das Private Banking des SBV in den USA verantwortlich, ab 1996 arbeitete er für die ganze Private-Banking-Sparte Nordamerika und die Karibik.
Michael Kupferschmidt, Keystone
2002 der grosse Karriereschritt: Weil wurde Chef des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS – die Funktion, die ihm nun den Prozess in Florida beschert hat. (Bild: UBS am Paradeplatz im Juli 2014)
2002 der grosse Karriereschritt: Weil wurde Chef des grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts der UBS – die Funktion, die ihm nun den Prozess in Florida beschert hat. (Bild: UBS am Paradeplatz im Juli 2014)
Ennio Leanza, Keystone
Weil arbeitete aus Sicht des damaligen UBS-Managements aber offensichtlich erfolgreich: 2005 wurde er in die Konzernleitung der Bank berufen, 2007 wurde Weil Leiter von Global Wealth Management & Business Banking, also des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Privat- und Firmenkundengeschäfts (7. Januar 2014).
Weil arbeitete aus Sicht des damaligen UBS-Managements aber offensichtlich erfolgreich: 2005 wurde er in die Konzernleitung der Bank berufen, 2007 wurde Weil Leiter von Global Wealth Management & Business Banking, also des globalen Vermögensverwaltungsgeschäfts und des Privat- und Firmenkundengeschäfts (7. Januar 2014).
J Pat Carter (AP Photo)
Der Bruch kam im November 2008: Raoul Weil wurde in den USA angeklagt und schied einige Monate später aus der Bank aus. Er soll als damaliger Chef des internationalen Wealth Managements die Verantwortung für die illegalen Geschäftspraktiken von UBS-Mitarbeitern in den USA tragen. Weil (r.) mit seinem Anwalt David Mendel in Florida (7. Januar 2014).
Der Bruch kam im November 2008: Raoul Weil wurde in den USA angeklagt und schied einige Monate später aus der Bank aus. Er soll als damaliger Chef des internationalen Wealth Managements die Verantwortung für die illegalen Geschäftspraktiken von UBS-Mitarbeitern in den USA tragen. Weil (r.) mit seinem Anwalt David Mendel in Florida (7. Januar 2014).
Joe Skipper, Reuters
Nichtsdestotrotz konnte er seine Karriere fortsetzen. Weil wurde Berater bei der Zuger Beratungsfirma Reuss Private Group. Anfang 2013 übernahm er deren Führung: Zugersee (9. August 2012).
Nichtsdestotrotz konnte er seine Karriere fortsetzen. Weil wurde Berater bei der Zuger Beratungsfirma Reuss Private Group. Anfang 2013 übernahm er deren Führung: Zugersee (9. August 2012).
Alessandro Della Bella, Keystone
Vor knapp einem Jahr wurde Raoul Weil in Italien verhaftet und in die USA ausgeliefert: Polizeifoto, aufgenommen am Tag seiner Auslieferung in Fort Lauderdale, Florida (13. Dezember 2013).
Vor knapp einem Jahr wurde Raoul Weil in Italien verhaftet und in die USA ausgeliefert: Polizeifoto, aufgenommen am Tag seiner Auslieferung in Fort Lauderdale, Florida (13. Dezember 2013).
Broward Sheriff's Office, Keystone
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Raoul Weil wurde vom Gericht in Florida vom Vorwurf des Steuerbetrugs freigesprochen. Was sagen Sie zum Urteil? Der Freispruch als solcher hat mich nicht überrascht. Die Staatsanwaltschaft hat in den letzten drei Wochen relativ wenig Beweismittel vorgelegt. Ich hätte aber nicht erwartet, dass das Urteil so eindeutig ausfällt. Alle zwölf Geschworenen haben für einen Freispruch votiert – das passiert in amerikanischen Jurys relativ selten. Die Beratungen waren ausserdem extrem kurz, sie dauerten nur eine Stunde. Und schliesslich verzichtete die Verteidigung sogar darauf, eigene Beweismittel vorzulegen. Eine heikle Taktik, die aufging.

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