Zum Hauptinhalt springen

Die Swiss gewinnt – wir auch?

Arthur Rutishauser über die Pleite der Air Berlin.

An der Pleite der Air Berlin erstaunt eigentlich nur eines, nämlich dass sie erst jetzt kommt. Seit Jahren fährt der Billigflieger Milliardenverluste ein. Ein Geschäftsmodell für Mäzene, wie es in diesem Ausmass nur noch die Alitalia betreibt. Bei beiden schiebt der Staat massiv Geld nach, kurioserweise bei beiden Airlines in den letzten Jahren die Arabischen Emirate, die über die Fluggesellschaft Etihad ihr Ölgeld so in Europa parkierten. 250 Millionen spritzten die Araber im Frühjahr noch ein.

Jetzt ist fertig mit dem Ölgeld, und der deutsche Staat sorgt mit 150 Millionen Euro dafür, dass so kurz vor den Wahlen 100'000 Passagiere nach Hause kommen. Ein Grounding, wie bei der Swissair, das ist in Deutschland nicht einmal bei einem Ferienflieger denkbar. Aus Sicht der Passagiere hat die Regierung in Berlin das Problem besser gelöst als wir vor 16 Jahren.

Es wird viel zu viel herumgeflogen

Ansonsten ist nach dem Ende der Air Berlin bei uns natürlich die Swiss der grosse Gewinner. Sie hat die Chance, im Verkehr mit Deutschland ein Monopol einzurichten. Hinzu kommt, dass jetzt viele gut aus­gebildete Piloten und Flight-Attendants auf den Markt kommen, die die Swiss seit Jahren händeringend sucht und teuer ausbilden musste. Aus Sicht des ­Passagiers ist die Entwicklung auf den ersten Blick nicht gut. Es ist mit höheren Preisen zu rechnen.

Allerdings kann es so wie bisher langfristig nicht weitergehen: Die Passagiere tragen nur einen Teil ihrer Kosten, und es wird viel zu viel herumgeflogen. Neben dem Umweltproblem – Flugzeuge sind nun mal CO2-Schleudern und machen Krach – haben sich die Auswirkungen der subventionierten Fluggesellschaft gerade in den letzten Tagen gezeigt. Viele Orte in Europa, allen voran Spanien, die Hauptdestination von Air Berlin, freuen sich nicht mehr über den Zulauf von Reisenden, sondern ächzen bereits unter den Horden des Massentourismus. Bisher wurden dafür Kreuzfahrtschiffe und Airbnb verantwortlich gemacht. Dabei machten die Billigflüge die ungesunde Entwicklung erst möglich. Aber der Traum vom Fliegen macht oft blind. Vielleicht ändert sich das jetzt. Dann hätten wir alle etwas gewonnen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch