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«Die UBS ist erst daran, sich aufzurappeln»

Die Krise dauert an, aber die Schweiz steht nicht in ihrem Zentrum. Privatbankier Konrad Hummler sagt nach dem Sturz von Lehman Brothers: «Man wird sich jetzt der Tiefe der Krise bewusst».

Die Krise zieht weiter Kreise: Zeitungsaushang heute in London.
Die Krise zieht weiter Kreise: Zeitungsaushang heute in London.
Keystone

Herr Hummler, mit Merrill Lynch und Lehman verschwinden zwei grosse Investmentbanken im Strudel der Finanzkrise. War das schon das grosse Aufräumen – oder rechnen Sie noch mit weiteren grossen Ausfällen? Die sind nicht auszuschliessen. Die Krise verursacht eine Schadenssumme von 1000 bis 1500 Milliarden Dollar, bisher wurden rund 500 Milliarden absorbiert und teilweise durch Kapitalerhöhungen wieder wettgemacht. Da fehlt also ein Rest, und diese Summe muss noch bereinigt werden. Ein Teil davon kann langsam zum Verschwinden gebracht werden, zum Beispiel durch die laufenden Gewinne der Banken. Aber wahrscheinlich muss ein Drittel auf eine andere Art aus dem Finanzsystem entfernt werden.

Also müssen noch rund 500 Milliarden Dollar durch radikale Einschnitte abgeschrieben werden? Mit dem Fall der Lehman Brothers verschwindet jetzt erstmals wirklich ein Teil dieser Summe. Zum ersten Mal kommen Gläubiger effektiv zu Schaden und es findet eine Kapitalvernichtung statt. Damit hat der Fall sogar einen positiven Aspekt.

Welchen genau? Wertloses Substrat verschwindet aus dem Markt.

Und es kommt letztlich zur überfälligen Konzentration in der Branche? Der Verschuldungsgrad der Finanzbranche wird sinken müssen. Die ökonomische Folge ist, dass die Risikoprämien nachhaltig höher bleiben. Dies verteuert die Finanzierung aller Schulden, und folglich werden weniger Schulden gemacht. Das ist kein unwillkommener Effekt. Aber schmerzhaft ist er bestimmt.

Was wird in nächster Zeit der wichtigste Niederschlag in der Schweiz? Bei der einen Grossbank sind wir noch nicht über den Berg. Die UBS ist erst daran, sich aufzurappeln. Das Schlimmste was passieren könnte, sind neue negative Überraschungen. Aber grundsätzlich würde ich sagen, dass die Schweiz und ihre Grossbanken nicht im Zentrum stehen; die Erschütterungen geschehen in der amerikanischen Bankenwelt. Es ist wie bei einem Hurrikan: In der Schweiz windet es stark, aber das Zentrum liegt woanders.

Die UBS wurde heute von den Börsen so stark zurückgestutzt wie keine europäische Grossbank sonst. War dies eine irrationale Übertreibung? Man sieht an solchen Tagen halt, dass die Probleme effektiv so schlimm sind wie erwartet. Man wird sich der Tiefe der Krise bewusst. Und man ahnt, dass eine Riesenbilanz wie jene der UBS in Mitleidenschaft gezogen werden kann und dass noch nicht klar ist, wie gross die Probleme dort noch sind - beziehungsweise nicht mehr sind.

Welche Schlussfolgerungen sollte ein normaler Anleger heute ziehen? Die wichtigste Lektion scheint mir: Man muss die Risiken der Gegenpartei im Griff haben. Also die Risiken bei denen, die einem die Schulden zurückzahlen müssen, die einem die Dividende bezahlen müssen, die einem Zinsen schulden. Man sollte also sehr genau darauf achten, dass man keine Konzentration bei einem Schuldner hat. Zudem scheint mir das Halten von Bargeld in einer Zeit, die ja eine Bankenkrise erlebt, nicht unbedingt das Richtige. Ein paar Sachwerte in Form von Aktien können beruhigender sein.

Das heisst: Weil die Banken teilweise bedroht sind, können Aktien von anderen Unternehmen beruhigender sein als Geld auf dem Bankkonto? Im schlimmsten Fall habe ich lieber einen Realwert wie ein Stückchen einer Glacéfabrik als ein Bankkonto, bei dem am Ende nur noch eine Konkursdividende herausschaut.

Gestern haben zehn Grossbanken auch einen gemeinsamen Nothilfefonds aufgelegt, sie werfen zusammen 70 Milliarden auf, um bei Liquiditätsproblemen einzuspringen. Welchen Beitrag leistet das zur Stabilisierung? Diesen Fonds sehe ich vor allem als Mittel, um den September-Ultimo zu überstehen.

Er wäre also nur kurzfristig nützlich? Der Termin Ende September ist sehr heikel, weil die amerikanischen Banken da ihr Geschäftsjahr abschliessen. Also sind da viel mehr Bilanztransaktionen notwendig. Man wusste seit einiger Zeit, dass es Ende September eng wird, und unter den gegebenen Umständen drohte es noch schwieriger zu werden.

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