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Die wertvollste US-Bank verdient so viel wie nie zuvor

Goldene Zeiten für US-Banken: Die kalifornische Wells Fargo hat im zweiten Quartal einen Rekordgewinn eingefahren. Aber auch Branchenprimus J. P. Morgan Chase verdient wieder Milliarden.

Wells Fargo betreibt kein Investmentbanking à la Wallstreet: Eine Filiale der Bank in Del Mar, Kalifornien.
Wells Fargo betreibt kein Investmentbanking à la Wallstreet: Eine Filiale der Bank in Del Mar, Kalifornien.
Mike Blake, Reuters

Die auf Privatkunden spezialisierte US-Grossbank Wells Fargo verdient so viel wie nie zuvor. Dank der anhaltenden Erholung auf dem US-Häusermarkt konnte das Institut im zweiten Quartal einen Gewinn von unterm Strich 5,5 Milliarden Dollar einfahren. Das waren 19 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Wells Fargo knackte damit auch das bisherige Rekordergebnis aus dem ersten Quartal. Der Gewinn sei das 14. Mal in Folge gestiegen, erklärte Bankchef John Stumpf am Firmensitz in San Francisco. Dem Institut kommt zugute, dass die Kreditnehmer ihre Raten zuverlässiger zahlen. Damit sinken einerseits die Ausfälle, andererseits kann die Bank Rückstellungen auflösen und damit ihren Gewinn aufpäppeln.

Rivalen übernommen

Die Erträge – die gesamten Einnahmen der Bank – stiegen leicht auf 21,4 Milliarden Dollar. Wells Fargo hatte in der Finanzkrise den Rivalen Wachovia übernommen und war damit zum grössten Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA aufgestiegen. Zu den Hauptaktionären zählt US-Starinvestor Warren Buffett.

An der Börse ist Wells Fargo mehr wert als Marktführer J. P. Morgan Chase. Die Kalifornier betreiben vor allem klassisches Spar- und Kreditgeschäft. Was fehlt, ist ein breites Investmentbanking wie bei der Konkurrenz von der Wallstreet. Wells Fargo ist deshalb für Turbulenzen auf dem Kapitalmarkt weniger anfällig. Ein positiver Nebeneffekt: Die Bank hat kaum mit Skandalen zu kämpfen.

J. P. Morgan Chase erholt sich von Spekulationsdebakel

Konkurrentin J. P. Morgan Chase erholt sich derweil nach milliardenschweren Spekulationsverlusten im vergangenen Jahr wieder. Im zweiten Quartal konnte die grösste US-Bank einen Gewinn von unterm Strich 6,5 Milliarden Dollar einfahren. Das waren 31 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

«Unsere Zahlen spiegeln die starke Leistung quer durch alle Geschäftsfelder wider», erklärte Bankchef Jamie Dimon in New York. In der Vergangenheit hatten fehlgeschlagene Zockereien einer Londoner Abteilung ein tiefes Loch in die Bilanz gerissen und auch Dimon unter Druck gesetzt. Insgesamt lag der Schaden bei 6,2 Milliarden Dollar.

Zwei Drittel davon musste J. P. Morgan Chase im zweiten Quartal 2012 verbuchen. Kritiker von Dimon scheiterten jedoch an der Hauptversammlung mit dem Versuch, den mächtigsten Banker der Wallstreet zu entmachten. Er konnte seine Doppelrolle als Firmenchef und Vorsitzender des Verwaltungsrats behalten.

«Ich bin stolz auf dieses Unternehmen», sagte Dimon nun. Die Erträge – die gesamten Einnahmen – stiegen um 13 Prozent auf 26,0 Milliarden Dollar. Besonders das Investmentbanking legte kräftig zu.

Im Privatkundengeschäft konnte die Bank weitere Rückstellungen über 1,5 Milliarden Dollar für faule Kredite auflösen, weil die Kunden ihre Raten wieder zuverlässiger zahlen. Dimon merkte allerdings an, dass die Nachfrage nach neuen Krediten nur langsam zunehme. Verbraucher und Firmen seien vorsichtig. «Nichtsdestotrotz sehen wir auf breiter Front Signale, dass es der US-Wirtschaft bessergeht.»

Grösste und erste Bank

J. P. Morgan Chase ist nicht nur die grösste, sondern auch die erste namhafte US-Bank, die ihre Geschäftszahlen präsentiert. In der kommenden Woche folgen andere Schwergewichte wie Goldman Sachs, Bank of America oder Citigroup.

Die Banken sehen sich einer Reihe von Problemen gegenüber: Zum einen gehen schärfere gesetzliche Vorgaben ins Geld, zum anderen ist es schwierig, bei den derzeit niedrigen Zinsen etwas an Krediten zu verdienen. Die Banken reagieren darauf mit Sparprogrammen. Alleine bei J. P. Morgan Chase sank die Zahl der Mitarbeiter binnen eines Jahres um 9400. Der Wallstreet-Riese beschäftigte Ende Juni noch 157'900 Leute.

SDA/mw

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