Diese Baustellen erwarten den neuen Postchef

Bereits vor seinem Amtsantritt im April steht der neue Chef in regelmässigem Kontakt mit dem Verwaltungsrat. Das Ergebnis 2018 zeigt, wo Roberto Cirillo am dringendsten handeln muss.

Ausgebremst: Postauto rutschte 2018 in die roten Zahlen und erwirtschaftete einen Verlust von 58 Millionen Franken. Foto: Reto Oeschger

Ausgebremst: Postauto rutschte 2018 in die roten Zahlen und erwirtschaftete einen Verlust von 58 Millionen Franken. Foto: Reto Oeschger

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er ist noch nicht da, und kaum jemand kennt ihn – aber er nimmt schon Einfluss: der designierte Postchef Roberto Cirillo. Zuletzt traf er sich Anfang Woche mit dem Verwaltungsrat, um über die Strategie für die Jahre 2021 bis 2024 zu sprechen, wie bei der Vorstellung der Jahresergebnisse bekannt wurde.

«Für uns ist wichtig, dass Roberto Cirillo von Anfang an in die Entscheide eingebunden ist», sagt Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Über die Eckpunkte der künftigen Vorgaben hält sich Schwaller bedeckt. Die Eidgenossenschaft als Eigentümerin der Post muss die neue Strategie erst absegnen. Für diesen Beschluss ist der Bundesrat zuständig.

Cirillo tritt am 1. April offiziell die Nachfolge von Susanne Ruoff an, die im vergangenen Sommer im Nachgang zur Postauto-Affäre zurückgetreten war. Vollständig übernimmt der 48-Jährige die Leitung der Post aber erst Mitte April, wenn die Generalversammlung ansteht. Bis zu diesem Zeitpunkt steht ihm der amtierende Interims-Chef Ulrich Hurni zur Seite.

Video: Blick in die Zukunft der Post

Post-Präsident Urs Schwaller im Interview. Video: Jon Mettler, Anja Ruoss

Der Tessiner nimmt in der wohl schwierigsten Zeit der Firmengeschichte Platz im Chefsessel. Das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahrs verdeutlicht die vielen Baustellen, um die sich Cirillo kümmern muss.

Da ist zuerst der Skandal um erschlichene Subventionen bei Postauto. Zwar hat der gelbe Riese den Kantonen den Schaden in Höhe von 205 Millionen Franken zurückerstattet. Dieser ausserordentliche Aufwand belastete aber den Gewinn von Post und Postauto. Postauto rutschte deswegen sogar in die roten Zahlen und erwirtschaftete 2018 einen Verlust von 58 Millionen Franken. Mit den Rückzahlungen hat die Post den Skandal aber erst finanziell aufgearbeitet.

Cirillo wird sich auch mit den strafrechtlichen Folgen auseinandersetzen müssen. Bekannt ist, dass das Bundesamt für Polizei gegen den ehemaligen Postauto-Chef Daniel Landolf und dessen Finanzchef ermittelt. Gemäss Wortlaut des Gesetzes werfen die Strafermittler den zwei ehemaligen Managern vor, «arglistig Leistungen des Gemeinwesens erschlichen» zu haben. Für beide Männer gilt die Unschuldsvermutung.

Post prüft Klagen

Inwiefern die Post selbst Verantwortlichkeitsklagen gegen ehemalige Postauto-Kaderleute einreicht, ist im Verwaltungsrat noch hängig. Postpräsident Schwaller sagt, dass «spezialisierte Anwaltskanzleien» den Sachverhalt abklären.

Ein weiteres Problem ist Postfinance. Der starke Einbruch beim Betriebsergebnis des Finanzdienstleisters trübte die Bilanz der Mutter ebenfalls. Hauptsächlich macht die Post dafür den tieferen Ertrag aus Zinsen und Dividenden verantwortlich.

Um den Erlösrückgang zu bremsen, hatte Postfinance im vergangenen Herbst ihre Gebühren erhöht. So kostet die Kontoführung nun fünf Franken im Monat. Die Folge: Rund 33'000 Kunden kehrten Postfinance den Rücken, insgesamt 306'000 Konten wurden 2018 aufgelöst, das entspricht einem Rückgang um 6 Prozent bei den Konten.

«Ja, das Konzernergebnis ist tiefer als im Vorjahr»

Präsident Urs Schwaller informiert zum Konzernergebnis der Post. (Video: Tamedia)

Um neue Erlösquellen zu erschliessen, fordert der staatsnahe Betrieb zudem, das Verbot für Kredite und Hypotheken aufzuheben. Der Bundesrat hat einen entsprechenden Richtungsentscheid getroffen. Das letzte Wort hat aber das Parlament. Und hier droht Widerstand.

Es liegt auch am neuen Postchef, die Politik zu überzeugen. Doch Cirillo gilt als wenig vernetzt in Bern. Er werde rasch die nötigen Kontakte knüpfen, sagt Schwaller nur dazu.

Grafik vergrössern

Postfinance verspricht sich viel von einer Freigabe: Der Hypothekarmarkt in der Schweiz sei 1000 Milliarden Franken schwer und wachse jährlich um 3 bis 4 Prozent, so Postfinance-Chef Hansruedi Köng.

Eine Baustelle ist auch das Poststellennetz. Dieser Geschäftsbereich konnte seinen Verlust zwar verringern, bleibt aber weiterhin defizitär. Um das verlustreiche Filialnetz rentabler zu machen, hat die Post einschneidende Massnahmen verfügt. Bis zum Jahr 2020 will sie die Zahl der Postbüros von 1400 auf 800 bis 900 senken. Das sorgt für Unmut in der Bevölkerung. Doch auch mit dem Widerstand der Gewerkschaften muss der neue Postchef rechnen.

Das zeigt: Die To-do-Liste Cirillos ist lang, eine Schonzeit wird er nicht bekommen.

Erstellt: 07.03.2019, 21:11 Uhr

Artikel zum Thema

Post-Präsident: «Wir haben jeden Franken zurückbezahlt»

Video Der Gewinn des Konzerns ist 2018 wegen der Affäre um Subventionsgelder eingebrochen. Mehr...

Lieferroboter der Post fahren nicht mehr

Weil die Roboter nur in Begleitung eines Aufpassers durch die Stadt fahren dürfen, bricht die Post das Projekt ab. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Die Kunst des Überlebens: In der Royal Academy of Arts in London schwimmen 50 Ohrenquallen als Teil einer Kunstinstallation in ihrem Aquarium. Die Meerestiere sind einige der wenigen, die vom Klimawandel profitieren. (20. November 2019)
(Bild: Hollie Adams/Getty Images) Mehr...