Diese 10 Fallen lauern beim Wechsel der Krankenkasse

Viele Versicherte zahlen zu hohe Prämien. Diese Fehler sollten Sie beim Wechsel bis Ende November vermeiden.

Eltern und Kinder können mehrere Hundert Franken pro Jahr sparen, wenn sie bei unterschiedlichen Kassen versichert sind. Foto: Getty Images

Eltern und Kinder können mehrere Hundert Franken pro Jahr sparen, wenn sie bei unterschiedlichen Kassen versichert sind. Foto: Getty Images

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1. Prämien der Grund­versicherung nicht vergleichen

Die Grundversicherung ist für alle Einwohner der Schweiz obligatorisch. Die Krankenkassen verlangen unterschiedlich hohe Prämien, und sie unterliegen einem Aufnahmezwang, sofern sie in der jeweiligen Region tätig sind. Sie müssen also von Ge­setzes wegen jeden Versicherten aufnehmen, unabhängig von Alter oder bestehenden Gesundheitsleiden.

Es ist sinnvoll, sich nicht nur von der Prämienhöhe leiten zu lassen, wenn man einen gewissen Service wünscht. Das Einsparpotenzial ist oft gross. Wer Wert auf persönliche Beratung legt, sollte somit keine Billigkasse wählen, die nur schwer telefonisch erreichbar ist, sondern eine mit Agentur in der Nähe. Wichtig ist auch die Servicequalität: Man kann sich beispielsweise unter Comparis.ch Kundenbewertungen anschauen.

2. Die falsche Franchise wählen

Wer wegen einer Operation hohe Gesundheitskosten erwartet, bei dem lohnt sich die tiefste Franchise. Rechnet jemand mit tieferen Gesundheitskosten, empfiehlt sich eine hohe Franchise. Nicht optimal sind die Franchisestufen in der Mitte, da diese oft in einem schlechteren Preis-Leistungs-Verhältnis stehen.

3. Vorsicht mit dem Hausarztmodell

Beim Hausarztmodell ist es besonders wichtig, zuvor die Ver­sicherungsbedingungen zu studieren und sich diese Fragen zu stellen: Ist mein gewünschter Hausarzt auf der Liste der neuen Kasse? Nimmt er noch Patienten auf? Was gilt im Notfall, wenn die Praxis geschlossen ist? Bei Regelverstössen beim Hausarztmodell ist die Reaktion der Krankenkassen unterschiedlich: Bei manchen wird man verwarnt, bei anderen zahlt man die Behandlung selber.

4. Mehrere Anträge für die Zusatzversicherungen stellen

Wer die Zusatzversicherung wechseln oder erneuern will, soll nacheinander mehrere Offerten einholen. Aber Achtung: Wer einen Antrag auf Aufnahme stellt, ist daran gebunden. Die Krankenkasse hat dann vier Wochen Zeit, darauf einzusteigen, da der Gesundheitsfragebogen detailliert geprüft werden muss. Wer also mehrere Anträge stellt, die alle Kassen fristgerecht annehmen, ist mehrfach versichert und überall prämienpflichtig. Von der Doppelversicherung ist man grundsätzlich nur bei der Grundversicherung geschützt.

5. Zusatzversicherung zu früh kündigen

Bevor jemand seine Zusatzver­sicherung kündigt, sollte er sicherstellen, dass die neue Kasse ihn vorbehaltlos aufnimmt. Bei Zusatzversicherungen ist eine Ablehnung beispielsweise wegen Krankheit, Alter, Gewicht, anderer Risiken oder ohne Angabe eines Grundes möglich. Der neue Anbieter darf auch Vorbehalte anbringen und gewisse Deckungen ausschliessen. Nur bei der Grundversicherung darf der Versicherer niemanden ablehnen.

6. Fragen zur Gesundheit falsch beantworten

Füllen Sie den Fragebogen zur Gesundheit für die Zusatzversicherung wahrheitsgemäss aus. Wer falsche Angaben zur eigenen Gesundheit angibt, riskiert, dass der Versicherer den Vertrag später kündigt. Leistungen, die mit unrichtigen Angaben im Zusammenhang stehen, kann die Kasse zurückfordern. Die bezahlten Prämien darf sie behalten.

7. Rechnungen nicht termingerecht bezahlen

Gemäss Gesetz müssen alle gemahnten Prämien, Verzugszinsen und Betreibungskosten bis Ende Jahr bezahlt sein. Wenn nicht, muss man bis zum nächstmöglichen Kündigungstermin bei der alten Kasse bleiben.

8. Vertragsdauer der Zusatzversicherung beachten

In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass der Kunde bei der Zusatzversicherung einen Mehrjahresvertrag abschliesst, ohne dass er es bemerkt. «Um nicht langfristig ungewollt an einen Vertrag gebunden zu sein, wählt man am besten einen Einjahresvertrag bei der Zusatzversicherung», sagt Andrea Roth vom VZ Vermögenszentrum.

9. Vorsicht bei unterschiedlichen Familienpolicen

In der Praxis schliesst der Kunde meist die Versicherung aller Familienmitglieder bei der gleichen Krankenkasse ab. Man spart mehrere Hundert Franken pro Jahr, wenn Eltern und Kinder bei unterschiedlichen Kassen versichert sind. Das gilt in den meisten Prämienregionen, wie Berechnungen des «K-Tipp» zeigen. «Es lohnt sich, mehrere Offerten einzuholen», sagt Andrea Roth.

10. Kündigung verspätet abschicken

Die Kündigung der Grundversicherung muss bis Ende November bei der Kasse eingetroffen sein. Aus Beweisgründen am besten per Einschreiben. Wenn die Kündigung zu spät ankommt, gilt sie erst auf den nächsten Kündigungstermin hin. Dieser ist Mitte oder Ende des folgenden Jahres. Bei der Zusatzversicherungen gelten andere Kündigungstermine als bei der Grundversicherung. Meist kann man bis Ende September kündigen, teilweise auch mit sechs Monaten Kündigungsfrist. Die Regelungen sind in den allgemeinen Versicherungsbedingungen festgehalten.

Erstellt: 05.11.2019, 21:42 Uhr

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