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«Diese Firma machts eigentlich verdammt clever»

Auf den Produkten des Küchengeräteherstellers Kuhn Rikon prangt das Schweizerkreuz. Zu Unrecht, meint der Unternehmer Thomas Minder und reicht Klage ein.

Der Schutz der Marke Schweiz liegt ihm am Herzen: Thomas Minder mit einer italienischen Kuhn-Rikon-Bratpfanne. (Video: Jan Derrer)

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Thomas Minder hat genug. Seit Jahren bekämpft der Vater der Abzockerinitiative Verstösse gegen das Marken- und Wappenschutzgesetz. «Alle irreführenden, täuschenden oder falschen Herkunftsbezeichnungen sind ein Offizialdelikt. Sie müssen von Amtes wegen untersucht werden», betont Minder. Da die Behörden seiner Meinung nach zu träge reagieren, verleiht er seinem Anliegen Nachdruck. Diese Woche reicht er im Namen seiner Firma Trybol vor dem Obergericht Schaffhausen Zivilklage gegen Kuhn Rikon ein.

Warum gerade Kuhn Rikon? «Hier handelt es sich nicht nur um eine Verletzung des Marken- und Wappenschutzes, sondern auch um unlauteren Wettbewerb», sagt Minder. Ihn störe, dass Kuhn Rikon die Verpackungen mit dem Schweizerkreuz und dem Wort «Switzerland» schmücke. «Dabei stammen die Produkte aus China und Italien.» Im Video (siehe oben) zeigt er auf, wie Konsumenten in die Irre geführt werden. Und er erklärt, warum er für die Marke Schweiz kämpft.

Wie «made in Italy» schweizerisch wird

Kosmetikunternehmer Minder nimmt eine in Italien hergestellte Kuhn-Rikon-Bratpfanne in die Hand und ereifert sich: «Diese Firma machts eigentlich verdammt clever. Die Pfanne wird vermutlich ohne den Kartoneinleger in die Schweiz eingeführt und so am Zoll vorbeigeschmuggelt.» Der Kartonzusatz mit dem Schweizerkreuz komme dann erst in der Schweiz hinzu.

Aber nicht nur Kuhn Rikon ist ihm ein Dorn im Auge. Er stört sich auch an der Lebensmittelfirma Zwicky. Diese verkauft ungarische Kürbiskerne in einer Verpackung, auf der das Schweizerkreuz prangt. Darunter steht «Swiss Quality».

Markenschutz in den Genen

Bereits Minders Grossvater Werner, der die vor allem für ihr Mundwasser und Zahnpasta bekannte Firma Trybol gegründet hatte, kämpfte für den Schutz von einheimischen Produkten. «Mein Grossvater gründete zum Schutz der Marke Schweiz die ‹Schweizer Woche›. Das ist die Organisation mit der Armbrust.» Diese Organisation habe den Spruch «Ehret einheimisches Schaffen» lanciert.

Kuhn Rikon: «Wir kommunizieren die Herkunft klar»

Christof Gassner, Geschäftsführer von Kuhn Rikon, hat grundsätzlich Verständnis für Minders Anliegen. «Wir unterstützen sein Anliegen, die Marke Schweiz zu schützen. Dass er auf uns losgeht, ehrt uns sogar. Es zeigt, dass wir eine bekannte Marke sind.» Er hat jedoch Mühe mit Minders Vorgehen: «Er hätte zuerst mit uns Kontakt aufnehmen können.» Kuhn Rikon stelle die Sachverhalte auf ihren Verpackungen korrekt dar und deklariere, wo das Produkt hergestellt wurde, meint Gassner. «Wir kommunizieren die Herkunft klar, der mündige Konsument erkennt das - er weiss auch, dass man einen Schwingbesen nicht mehr in der Schweiz herstellen kann.»

Gassner betont, dass hinter den Kuhn-Rikon-Produkten Schweizer Qualitätsansprüche stehen: «Wir entwickeln in der Schweiz, das Design stammt aus der Schweiz, unser Sitz ist in der Schweiz und wir sichern Arbeitsplätze. Zudem sind unsere Aktionäre Schweizer. Würde uns nun durch einen verschärften Markenschutz die Möglichkeit genommen, auf der Verpackung darauf hinzuweisen, dass wir eine Schweizer Firma sind, wäre das für unser Exportgeschäft ein Nachteil.»

Erstellt: 09.08.2011, 08:42 Uhr

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