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Dougan verdient 1812 Mal mehr als seine Mitarbeiter

Zum sechsten Mal in Folge hat Travailsuisse die Löhne der Topmanager in 27 Schweizer Firmen untersucht. Die Resultate zeigen: Von Krise ist in den Portemonnaies der Manager kaum etwas zu sehen.

Der Spitzenreiter: Brady W.Dougan, Manager der Credit Suisse, verdient 1812 Mal mehr als sein billigster Mitarbeiter.
Der Spitzenreiter: Brady W.Dougan, Manager der Credit Suisse, verdient 1812 Mal mehr als sein billigster Mitarbeiter.
Keystone
Nummer zwei: Daniel Vasella (Novartis). Sein Lohn steht zum tiefsten im Unternehmen gezahlten Lohn in einem Verhältnis von 752 zu 1.
Nummer zwei: Daniel Vasella (Novartis). Sein Lohn steht zum tiefsten im Unternehmen gezahlten Lohn in einem Verhältnis von 752 zu 1.
Keystone
Nummer 18: Peter Brabeck von Nestlé. Sein Lohn steht zum tiefsten im Unternehmen gezahlten Lohn in einem Verhältnis von 150 zu 1.
Nummer 18: Peter Brabeck von Nestlé. Sein Lohn steht zum tiefsten im Unternehmen gezahlten Lohn in einem Verhältnis von 150 zu 1.
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Trotz der Rezession hat sich bei vielen Schweizer Grossunternehmen das Lohn-Gefälle verstärkt. In 13 der 27 untersuchten Firmen stiegen im 2009 die Durchschnittslöhne für die Spitzenmanager stärker als die Tiefstlöhne.

Konkret vergrösserte sich der Graben bei den Grossbanken UBS und Credit Suisse, aber auch in anderen Branchen, beispielsweise beim Chemiekonzern Clariant oder beim Reisekonzern Kuoni.

Im Schnitt stieg der Lohn eines Konzernleitungsmitglieds im vergangenen Jahr bei den Unternehmen um 20 Prozent. Die Lohnschere - also das Verhältnis zwischen dem Durchschnittslohn auf der Teppichetage und jenem auf der untersten Gehaltsstufe der Unternehmen - vergrösserte sich um 18 Prozent. Seit 2002 hat sich die Lohnschere gar um 70 Prozent geöffnet.

Stärkster Anstieg bei der UBS

Am stärksten stieg im letzten Jahr das Lohngefälle bei der UBS, wie es in der Mitteilung des Gewerkschaftsdachverbands Travail.Suisse heisst. Bei der Grossbank verschlechterte sich das Verhältnis zwischen den Löhnen der Topmanager und dem Tiefstlohn von 1 zu 51 im 2008 auf 1 zu 190.

Dies entspricht einer Ausweitung der Lohnschere um 274 Prozent. Seit 2002 hat sich die Lohnschere bei der UBS allerdings um 25 Prozent geschlossen.

Bei der Credit Suisse betrug das Verhältnis zwischen den Topmanager-Löhnen und dem Tiefstlohn im 2009 gar 1 zu 590. Dies entspricht einer Steigerung von 203 Prozent im Vergleich zum 2008. Seit 2002 öffnete sich die Lohnschere um 151 Prozent.

Der Chef der Grossbank, Brady Dougan, erhielt mit 90 Millionen Franken gemäss Travail.Suisse die höchste Vergütung im 2009. Das ist 1812 Mal mehr als der tiefste Lohn bei der Grossbank. Die Credit Suisse selbst bestreitet diesen Sachverhalt. (Siehe Stellungnahme in der Box links)

Platz zwei belegt Novartis-Präsident Daniel Vasella mit 43 Millionen Franken, was 752 Mal mehr ist als der Tiefstlohn beim Pharmakonzern, wie es weiter heisst. Vasella war 2009 sowohl CEO als auch Präsident von Novartis.

«Hörige Politiker»

Wegen der stetig steigenden Managerlöhne sei das wirtschaftliche Erfolgsmodell der Schweiz gefährdet, das auf Vertrauen, Anstand und einer funktionierenden Sozialpartnerschaft basiere, sagte Travail.Suisse-Präsident Martin Flügel vor den Medien in Bern.

Manager und Politik litten unter «fortschreitendem Realitätsverlust», sagte Flügel weiter. Zudem reagierten die meisten Politiker «heuchlerisch» auf die hohen Managerlöhne, weil sie den Managern «hörig» seien.

Weil die Selbstregulierung versagt habe, fordere Travail.Suisse «grundlegende Veränderungen». So soll eine Personalvertretung in den Verwaltungsräten Einsitz nehmen. Eine solche stärkt nach Ansicht des Verbandes die Ausrichtung des Unternehmens auf lange Frist und binde die kurzfristige Gewinnmaximierung zurück. Die Stärkung der Aktionärsdemokratie alleine reiche nicht aus.

Keine goldene Fallschirme

Darüber hinaus fordert Travail.Suisse eine Begrenzung der Boni auf einen Monatslohn und das Verbot von Abgangs- und Antrittsentschädigungen. Zudem sollen die Unternehmen Boni ab 1 Million Franken nicht mehr vom Gewinn abziehen dürfen, sondern versteuern müssen. Die Aktionäre sollen zudem künftig nicht mehr nur über die Entschädigung des Verwaltungsrates, sondern auch über die Managersaläre bestimmen können.

SDA/bru

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