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Dougans selbstkritischer letzter Auftritt

Vor seinem Abgang hat sich CS-Chef Brady Dougan an der GV ein letztes Mal an die Aktionäre gewandt. Dabei sprach er auch die Bankenkrise und den US-Steuerstreit an.

kpn
«Unsere Bank ist heute bereit für die Zusammenarbeit mit ihrem nächsten CEO»: Brady Dougan an der CS-Generalversammlung in Zürich. (24. April 2015)
«Unsere Bank ist heute bereit für die Zusammenarbeit mit ihrem nächsten CEO»: Brady Dougan an der CS-Generalversammlung in Zürich. (24. April 2015)
Keystone

Der scheidende Credit-Suisse-Chef Brady Dougan hat an der Generalversammlung selbstkritische Töne angeschlagen. «Im Rückblick hätte ich beispielsweise zurückhaltender sein sollen beim Ausbau des Geschäfts in der Erholungsphase gleich nach der Krise», sagte Dougan.

Er habe sicher auch gewisse Fehler gemacht, erklärte Dougan bei seinem letzten Auftritt vor den Aktionären. «Unsere Bank ist heute stark, gut ausgerichtet und bereit für die Zusammenarbeit mit ihrem nächsten CEO.»

Rohner: Dougan hielt Bank auf Kurs

Verwaltungsratspräsident Urs Rohner dankte dem amtierenden Konzernchef, der Ende Juni den Konzern verlassen wird, für seine langjährige Tätigkeit. Dougan habe die Bank in schwierigen Zeiten auf Kurs gehalten und zusammen mit seinem Management-Team grösste Herausforderungen gemeistert.

Am 1. Juli 2015 wird Tidjane Thiam die Funktion des neuen Konzernchefs übernehmen. Der neue Chef werde nach der Amtsübernahme in die Schweiz ziehen, sagte Rohner.

Oswald Grübel und sein Zauberlehrling: Brady Dougan bei seinem Amtsantritt im Februar 2007. Fortan stand der amerikanische Banker unter Beobachtung von Medien und Öffentlichkeit.
Oswald Grübel und sein Zauberlehrling: Brady Dougan bei seinem Amtsantritt im Februar 2007. Fortan stand der amerikanische Banker unter Beobachtung von Medien und Öffentlichkeit.
Keystone
Zurückhaltend und bescheiden? In der Schweiz wurde er als Mann beschrieben, der lieber Cola light als Wein und Champagner trinkt. Es gab aber auch weniger schmeichelhafte Berichte...
Zurückhaltend und bescheiden? In der Schweiz wurde er als Mann beschrieben, der lieber Cola light als Wein und Champagner trinkt. Es gab aber auch weniger schmeichelhafte Berichte...
Keystone
...wie diesen im Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz»: Wegen seines Mega-Gehalts für 2009 geriet Dougan in der Schweizer Öffentlichkeit in Verruf.
...wie diesen im Schweizer Wirtschaftsmagazin «Bilanz»: Wegen seines Mega-Gehalts für 2009 geriet Dougan in der Schweizer Öffentlichkeit in Verruf.
Keystone
Bei Dougan wechselten sich Promi-Auftritte mit Boni-Bashing ab: Der CS-Konzernchef mit dem Aushängeschild Roger Federer im November 2009 in Zürich.
Bei Dougan wechselten sich Promi-Auftritte mit Boni-Bashing ab: Der CS-Konzernchef mit dem Aushängeschild Roger Federer im November 2009 in Zürich.
Keystone
Mit der Zeit wich die strahlende Mine: Nach einem Hoch an der Börse im Herbst 2009 fiel der CS-Kurs wieder auf Krisenniveau. Ein Kostensparprogramm wurde 2011 ins Leben gerufen, um die gebeutelte Bank wieder auf Vordermann zu bringen.
Mit der Zeit wich die strahlende Mine: Nach einem Hoch an der Börse im Herbst 2009 fiel der CS-Kurs wieder auf Krisenniveau. Ein Kostensparprogramm wurde 2011 ins Leben gerufen, um die gebeutelte Bank wieder auf Vordermann zu bringen.
Keystone
Zusätzlich zu schaffen machte der Credit Suisse der Steuerstreit mit den USA.
Zusätzlich zu schaffen machte der Credit Suisse der Steuerstreit mit den USA.
Keystone
Der CS-Chef musste deswegen im Februar 2014 für eine Anhörung vor dem US-Senat antraben.
Der CS-Chef musste deswegen im Februar 2014 für eine Anhörung vor dem US-Senat antraben.
Reuters
Die Credit Suisse und die USA konnten sich im darauffolgenden Mai einigen: Eine Busse von 2,6 Milliarden Dollar musste die Schweizer Bank zahlen.
Die Credit Suisse und die USA konnten sich im darauffolgenden Mai einigen: Eine Busse von 2,6 Milliarden Dollar musste die Schweizer Bank zahlen.
Reuters
Nun steht der 55-jährige CS-Chef Dougan vor dem Abgang.
Nun steht der 55-jährige CS-Chef Dougan vor dem Abgang.
Reuters
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Nulltoleranz

Zur Bereinigung des US-Steuerstreits im Mai 2014 sagte Rohner, dass die Bank «das Fehlverhalten im früheren grenzüberschreitenden US-Geschäft, das zum grössten und langwierigsten Rechtsfall in unserer Geschichte führte» ausserordentlich bedauere. Die Einhaltung gesetzlicher und interner Vorschriften müsse absolute Priorität haben.

Es werde diesbezüglich kein Fehlverhalten toleriert. Die Reputation sei ein zentraler Wert für den nachhaltigen Erfolg der Bank. Wer dies nicht verstehe und akzeptiere, habe bei der Credit Suisse Group nichts verloren.

«Bedeutendster Rechtsfall beigelegt»

Auch Dougan befasste sich in seinen Ausführungen mit der Bereinigung des US-Steuerstreits: «Ich denke, wir haben in einer sehr schwierigen Situation gute Arbeit geleistet. Es war nicht einfach, aber wir haben einen verantwortungsvollen und gangbaren Weg gefunden, um den wohl bedeutendsten Rechtsfall in der Geschichte unserer Bank beizulegen», so Dougan.

Bezüglich der anderen regulatorischen Probleme der Finanzbranche – er nannte explizit die Vorschriften zur Verhinderung von Geldwäscherei sowie die Libor- und Wechselkurs-Manipulationen – habe die Credit Suisse bisher keine materiellen Probleme.

Zweidrittelmehrheit für Vergütungsbericht

Mit rund einer Zweidrittelmehrheit hiessen die Aktionäre die Vergütungen von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung gut. Für eine Genehmigung hätte eine Mehrheit von 50 Prozent genügt. 2014 war der Vergütungsbericht noch mit rund 81 Prozent der Stimmen abgesegnet worden.

Er interpretiere das Ergebnis als Aufforderung, im nächsten Jahr noch «mehr an der Transparenz zu arbeiten», so dass mindestens 85 Prozent erreicht werden könnten, kommentierte Verwaltungsratspräsident Rohner die Abstimmung. Nach dem Ja zur Abzocker-Initiative ist das Votum der Aktionäre bindend.

Die Generalversammlung gewährte der Bankführung Entlastung: Die Décharge kam mit einem Ja-Anteil von 94,28 Prozent durch. Weiter stimmten die Aktionäre einer Ausschüttung für das Geschäftsjahr 2014 von 0,70 Franken je Aktie aus Kapitalreserven in Form einer Wahldividende zu.

(SDA)

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