Drei Karten und ihre Tücken

Visa mischt den Markt für Debitkarten auf: Auch die UBS bietet jetzt V-Pay an. Doch was taugt die Maestro-Konkurrenz? Und wie schneidet die Lösung im Vergleich zur Postfinance-Karte ab? Drei Systeme im Test.

Ein neues System will in der Schweiz Fuss fassen: Zusammenschnitt von Debitkarten.

Ein neues System will in der Schweiz Fuss fassen: Zusammenschnitt von Debitkarten. Bild: PD

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Raiffeisen hat V-Pay bereits Anfang Jahr ins Angebot aufgenommen. Jetzt zieht die UBS nach. Kunden der Grossbank haben damit neu die Wahl zwischen zwei verschiedenen Debitkarten. Alternativ zur Maestrokarte, einem Produkt aus dem Hause Mastercard, steht jetzt V-Pay von Visa zur Auswahl. Damit wird der Wettbewerb im Debitkartengeschäft neu lanciert. Und das ehemals als EC bekannte Maestro-System erhält zusätzliche Konkurrenz.

Bis anhin teilten sich Mastercard und die Postfinance den Markt zu zweit auf. Gemäss Zahlen des Verbands Elektronischer Zahlungsmittel waren 2013 in der Schweiz 6,1 Millionen Maestrokarten im Umlauf. Die Postfinance-Card zählt 3,0 Millionen Nutzer. «Sowohl Händler als auch Konsumenten haben grundsätzlich Interesse am Markteintritt eines zusätzlichen Wettbewerbers», sagt Benjamin Manz, Geschäftsführer beim Vergleichsportal Moneyland.

Alle Produkte haben Mängel

Auch V-Pay werde vom Handel begrüsst, sagt die UBS. Doch was taugt das neue System wirklich? Immerhin: Jeder dritte Haushalt zählt hierzulande zu den Kunden der UBS. Wie ein Vergleich zeigt, ändert sich für diese Kunden vorerst nicht viel. Weil Kontodaten bei V-Pay nur noch auf dem Chip und nicht mehr im Magnetstreifen gespeichert sind, bietet das neue Produkt einen besseren Schutz vor Datendiebstählen, sogenanntem Skimming. Der Nachteil dieser Technologie ist, dass die Karte ausserhalb von Europa nur beschränkt einsatzfähig ist.

Kontaktloses Zahlen sowie Online-Einkäufe – Funktionen, die man bei Maestro vermisst – sind auch mit V-Pay vorderhand nicht möglich. Dagegen erweist sich die Postfinance mit ihrer Debitkarte in beiden Bereichen als Vorreiterin. Onlineshops wie Digitec.ch lassen bereits heute die Bezahlung über Postfinance zu. Ein NFC-Chip fürs kontaktlose Bezahlen soll Mitte 2015 eingeführt werden. Nachteil der gelben Karte ist, dass sie nur in der Schweiz fürs Shopping im Laden benutzt werden kann.

Mit Kontoführungsgebühren von maximal 5 Franken pro Monat hat die Postfinance auch in diesem Bereich die Nase vorn. Dies zeigt der Vergleich der Konditionen für ein normales Privatkonto beim Postkonzern, bei UBS und Raiffeisen. Vergleichsweise teuer ist die UBS. Allerdings sind Maestro und V-Pay dort kostenlos. Dies im Gegensatz zur Raiffeisen, die 30 Franken für V-Pay und 40 Franken fürs Maestrokärtchen verlangt. Die UBS ist dafür die einzige der drei Banken, die schweizweit an allen Bancomaten den Bargeldbezug gratis anbietet.

Wer zur Kasse gebeten wird

Unterschiede zwischen den Systemen zeigen sich auch hinter den Kulissen. Sie hängen mit der Vorgeschichte im Debitkartenmarkt zusammen. Schon länger hat die Wettbewerbskommission es Maestro untersagt, eine sogenannte Interchange-Fee einzutreiben. Dabei handelt es sich um eine zwischen den verschiedenen Herausgebern vereinbarte Gebühr, die bei Händlern eingesammelt wird. Für V-Pay wurde eine befristete Ausnahme gemacht: Solange Visa nicht über 15 Prozent Marktanteil kommt, dürfen maximal 20 Rappen pro Transaktion eingezogen werden.

Der Kunde spürt davon nichts, im Hintergrund verdienen die Banken an den Interchange-Fees der Händler. Für sie ist die Ausnahmeregel bei V-Pay deshalb ein Anreiz, das neue Produkt anzubieten. Dasselbe Interesse besteht im Hinblick auf ein weiteres Produkt: die sogenannten Debit-Mastercard, die gemäss Medienberichten 2015 in der Schweiz lanciert werden soll. Die Plastikkarte, die als Neuheit mit einem digitalen Codegenerator ausgerüstet ist, dürfte aus Sicht von Mastercard mittelfristig das Nachfolgeprodukt der Wahl für Maestro sein.

Allerdings könnte auch bei den Interchange-Fees für Kreditkarten Bewegung in den Markt kommen. Die EU hat bereits ihre Absicht kundgetan, diese Gebühren bis auf 0,3 Prozent der Transaktionsbeträge zu senken. Auch die hiesigen Kartellwächter stehen in den Startlöchern. Noch diesen Herbst wollen sie darüber informieren, ob und wie diese Gebühren gesenkt werden sollen. Für hiesige Händler sind die Kosten teils happig: Üblich sind zwischen 2 und 3 Prozent der Einkaufsbeträge.

Erstellt: 14.10.2014, 15:41 Uhr

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