Drei Probleme für Marissa Mayer

Die jüngsten Quartalszahlen zeigen den einstigen Internetpionier in deprimierender Verfassung. Ausgerechnet jetzt beginnt die Endrunde für den Verkauf des Yahoo-Kerngeschäfts.

Steht nach einem einmal mehr enttäuschenden Quartalsabschluss unter Erklärungszwang - Yahoo-Konzernchefin Marissa Mayer.

Steht nach einem einmal mehr enttäuschenden Quartalsabschluss unter Erklärungszwang - Yahoo-Konzernchefin Marissa Mayer. Bild: Elijah Nouvelage/Reuters

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Womöglich ist der am Montagabend nach Börsenschluss publizierte Abschluss für das zweite Quartal der letzte gewesen, den Yahoo als unabhängiges Unternehmen vorgelegt hat. Noch in dieser Woche, so erwarten verschiedene Beobachter, könnte der Käufer für das Such- und Werbegeschäft des im Silicon Valley ansässigen Konzerns bekannt werden. Yahoo selber will den schon seit Monaten laufenden Auktionsprozess bis Ende Juli über die Bühne gebracht haben, wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf Insider meldete. In der gestrigen Firmenmitteilung ist von «grossen Fortschritten» auf der Suche nach strategischen Alternativen die Rede – aus Sicht vieler Aktionäre die einzig positive Nachricht in dem ansonsten wenig hoffnungsvoll stimmenden Quartalsbericht.

Jedenfalls hat am Montag die dritte und voraussichtlich letzte Bieterrunde für das Yahoo-Kerngeschäft begonnen. In Medienberichten werden die Telecomkonzerne Verizon und AT&T, die Private-Equity-Firma TPG Capital sowie ein vom US-Investor Warren Buffett unterstütztes Bieterkonsortium als mögliche Interessenten genannt. Für Marissa Mayer, die vor vier Jahren an die Konzernspitze von Yahoo berufen wurde, könnte die Endausscheidung kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt stattfinden. Nachfolgend skizzieren wir die wichtigsten Probleme, mit denen sich die vormalige Google-Managerin konfrontiert sieht:

1. Schrumpfende Einnahmen im Kerngeschäft

Der Nettoumsatz der Internetaktivitäten – bei dem die Gebühren, die Yahoo an Partnerwebsites zahlen muss, herausgerechnet werden – ist im Berichtsquartal um 19 Prozent gesunken. Dies ist der grösste Taucher in der Ära Mayer, und mittlerweile verzeichnet Yahoo den sechsten Umsatzrückgang in den vergangenen sieben Quartalen. Der einstige Internetpionier wird von Konkurrenten wie Google oder Facebook regelrecht an die Wand gedrückt – von einem «Turnaround» scheint die Konzernchefin weiter entfernt zu sein denn je. Das wird sich entsprechend im Verkaufspreis für das Kerngeschäft niederschlagen.

2. Fallstricke beim Verkauf des Kerngeschäfts

In der Kritik von Aktionären steht Marissa Mayer auch deshalb, weil der Verkaufsprozess nur schleppend vorankommt. Das hängt zum einen damit zusammen, dass das Kerngeschäft von Yahoo schwierig zu bewerten ist. Vom derzeitigen Börsenwert des Konzerns von rund 36 Milliarden Dollar entfällt der bei weitem grösste Teil auf die Beteiligungen am chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba und an Yahoo Japan. Die Kernaktivitäten schrumpfen daneben zum Leichtgewicht: Von Beobachtern werden sie auf 3 bis 6 Milliarden veranschlagt.

Hinzu kommen noch zwei weitere Unklarheiten. Die eine betrifft die zu Yahoo gehörigen Immobilien und Patente. Der Konzern hat seine bis zu 4000 Patente in eine eigene Einheit namens Excalibur ausgelagert und will sie in einem separaten Bieterverfahren veräussern. Dies, obgleich der eine oder andere potenzielle Käufer des Kerngeschäfts auch an den Patenten interessiert wäre.

Zum andern gibt es da den Ende 2014 abgeschlossenen fünfjährigen Partnerschaftsvertrag zwischen Yahoo und Mozilla. Laut diesem zahlt Yahoo jährlich mindestens 375 Millionen Dollar dafür, dass dessen Suchmaschine beim Webbrowser Mozilla Firefox standardmässig aufgeschaltet ist. Für den Fall eines Verkaufs des Yahoo-Kerngeschäfts könnte Mozilla aus dem Vertrag aussteigen und dafür eine Ausgleichszahlung verlangen, wenn dem Browser-Unternehmen der neue Yahoo-Eigner nicht passt. Über die Höhe dieser Zahlung hat sich Marissa Mayer auch am Montag in Schweigen gehüllt. Aber sie steht im Raum und macht den Verkauf des Kerngeschäfts noch komplizierter, als er ohnedies schon ist.

3. Übernahme von Tumblr erweist sich als Fehlschlag

Für den jüngsten Quartalsverlust von 440 Millionen Dollar ist ein erneuter Abschreiber, diesmal in Höhe von 395 Millionen, auf der Blogging-Plattform Tumblr hauptverantwortlich. Mit dieser ersten Grossübernahme als Yahoo-Chefin im Jahr 2013 wollte Mayer dem Unternehmen eine neue Ausrichtung vorgeben und dessen Image auffrischen. Nun zeigt sich, dass die Plattform die erhofften Einnahmen nicht zu generieren vermag und der damals bezahlte Kaufpreis von rund 1 Milliarde Dollar weit übertrieben war. Nachdem schon im Februar 230 Millionen Dollar abgeschrieben werden mussten, beläuft sich die gesamte Wertberichtigung nun auf gewichtige 625 Millionen Dollar.

Erstellt: 19.07.2016, 18:32 Uhr

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