Zum Hauptinhalt springen

Dumpinglöhne auf Schweizer Alpen?

Tausende Helfer strömen jedes Jahr auf die Alp. Einige von ihnen verdienen wenig bis nichts – auch, weil der Alpsommer zum Event geworden ist.

Harte Arbeit: Ein Kuhhirt im Berner Oberland.
Harte Arbeit: Ein Kuhhirt im Berner Oberland.
Keystone

90 Franken pro Tag: So viel verdiente eine deutsche Landwirtin, als sie auf einer Schweizer Alp als Sennin arbeitete. «Man fühlt sich als billiger Gastarbeiter», sagt sie gegenüber der SRF-Sendung «Rundschau». Sie berichtet von harten Arbeitsbedingungen und schlechten Unterkünften. Auch eine Schweizer Hirtin beklagt sich. Mit einer zweiten Angestellten betreute sie letzten Sommer 153 Ziegen auf einer Alp. Sie verdienten 4000 Franken im Monat – zusammen.

17’000 Sennen und Hirten aus dem In- und Ausland gehen in der Schweiz jeden Sommer zur Alp. Unklar ist, ob alle von ihnen für die harte Arbeit angemessen entlöhnt werden. Dabei gäbe es Richtlöhne, an denen sich die Alpbetriebe orientieren können. Der Kanton Graubünden publiziert jedes Jahr eine Liste mit empfohlenen Tagessätzen. Für einen Senn schreibt er beispielsweise einen Richtlohn von 170 Franken pro Tag vor.

«Eventälpler» arbeiten unentgeltlich

Doch nur etwa jeder fünfte Betrieb wende diese Richtlöhne an, sagt Giorgio Hösli gegenüber der «Rundschau». Er betreibt die Online-Stellenbörse Zalp, auf der Alpbetreiber ihre Jobs ausschreiben können. Etwa 20 Prozent von ihnen geben an, einen Richtlohn zu bezahlen. Was jedoch ebenfalls auffällt: Auch bei den Stellengesuchen – also den Inseraten von Bewerbern, die eine Stelle auf der Alp suchen – machen nur wenige Angaben zu ihren Lohnvorstellungen. Die Hälfte lässt das Feld leer, einige fordern lediglich Kost und Logis oder geben an, sie seien «verhandlungsbereit». Bloss 9 der52 Inserenten verlangen den Richtlohn.

Sind die Bewerber an der Lohnmisere also selber schuld, weil sie es gar nicht anders wollen? Ganz so einfach sei es nicht, sagt Hösli auf Anfrage. Man müsse unterscheiden zwischen den «Profiälplern», die sich mit der Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen, und den «Eventälplern», die für einen Sommer ausbrechen und mal raus in die Natur wollen. Gerade Zweiteren gehe es nicht ums Geld, sondern um das Erlebnis, «darum arbeiten sie für tiefe Löhne oder sogar unentgeltlich».

Wie gross ihr Anteil am gesamten Personalmarkt ist, lässt sich laut Hösli nur schwer abschätzen. «Sicher ist aber, dass sie die Löhne drücken, auch für alle anderen.» Gleichzeitig glaubt Hösli, dass die Zahl der Profiälpler eher sinkt. «Sie müssen einen Job finden, der es ihnen erlaubt, während des Sommers auszusetzen. Und das wird immer schwieriger.»

«Wer gut ausgebildet ist, wird gut bezahlt»

Die vielen freiwilligen Helfer ohne Erfahrung hätten sicher Druck auf die Löhne ausgeübt, sagt auch Erich von Siebenthal (BE), SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbandes SAV. Doch die Alpwirtschaft sei in der Vergangenheit auf sie angewiesen gewesen. «Viele Bauern konnten keine höheren Gehälter zahlen, weil ihre Wertschöpfung zu tief war. Der Alpbetrieb ist teuer, der Verdienst durch die hergestellten Produkte jedoch tief.» Darum habe der Bund im Rahmen der Agrarpolitik 2014–2017 den Sömmerungsbeitrag für Alpbetriebe erhöht. «Ich rechne damit, dass dieses Geld auch den Angestellten zugutekommen und die Löhne in Zukunft steigen werden», sagt von Siebenthal.

Von flächendeckend zu tiefen Löhnen könne ohnehin keine Rede sein, sagt SAV-Geschäftsführer Jörg Beck. «Gut ausgebildetes Personal ist gesucht und wird darum auch angemessen bezahlt.» Ein Bauer aus dem Kanton St. Gallen, der eine Schafalp mit rund 1000 Tieren betreibt, stimmt ihm zu. «Professionelle Älpler mit Erfahrung dürfen einen anständigen Lohn erwarten.» Und was die «Eventälpler» angehe: «Wer zum ersten Mal einen Fuss auf eine Alp setzt, kann nicht denselben Lohn verlangen wie einer, der schon jahrelang dabei ist. Er soll sich erst einmal beweisen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch