Ein Abgang mit Ansage

Adrian Künzi hat als Chef der Raiffeisen-Tochter Notenstein La Roche nie die Ziele des Eigentümers erreicht. Jetzt muss er gehen.

Muss nach sechs Jahren seinen Stuhl räumen: Adrian Künzi, CEO der Privatbank Notenstein La Roche. Bild: Christian Beutler/Keystone

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Trockener kann man einen Chefwechsel nicht ankündigen: «Bei Notenstein La Roche kommt es zu Veränderungen in der Geschäftsleitung», teilte die Privatbank am Donnerstagmorgen mit. «Nach sechs Jahren verlässt CEO Dr. Adrian Künzi das Unternehmen.» Nachfolger wird die bisherige Nummer zwei, Patrick Fürer. Dieser war erst im Juni von Morgan Stanley Switzerland zu Notenstein La Roche gestossen. Schon am 23. Oktober soll Fürer die Leitung der Bank übernehmen.

An der Personalie Adrian Künzi überrascht weniger der Rauswurf an sich, sondern dass sich der 44-jährige so lange an der Spitze der Privatbank gehalten hat. Denn seit Jahren läuft Notenstein den eigenen Zielvorgaben hinterher – trotz millionenschwerer Zukäufe wie dem Geschäft der Basler Privatbank La Roche im Jahr 2015. Beim Wachstum der Kundengelder kommt die Bank nicht vom Fleck, zuletzt sorgte der interne Umbauplan für Unmut, sodass altgediente Banker wie der langjährige Finanzchef Basil Heeb das Haus verliessen. Wie es in Finanzkreisen heisst, soll auch diese Abgangswelle von Top-Leuten ein Grund für Künzis Rauswurf sein.

Raiffeisen erklärt Timing für Wechsel

Notenstein-Eigentümerin Raiffeisen erklärt den Zeitpunkt des Chefwechsels damit, dass wichtige Projekte abgeschlossen seien. «Die Migration der Banken-IT auf Avaloq ist abgeschlossen, das Restrukturierungsprogramm Papillon ist umgesetzt, zudem wurde das Produktangebot erneuert», erklärt Raiffeisen-Sprecherin Cécile Bachmann. Nun soll ein neuer Chef für neuen Schwung sorgen.

Infografik: Notenstein tritt auf der Stelle Grafik vergrössern

Der ist bitter nötig. 2012 hatte Raiffeisen die Notenstein übernommen. Und bis heute hat die Privatbank-Tochter die Erwartungen nicht erfüllt. Notenstein war aus den Trümmern der Bank Wegelin entstanden, die im Zuge des US-Steuerstreits unterging. Jene Geschäftsteile, die keinen US-Bezug haben, wurden in einer Blitzaktion in die neu gegründete Notenstein eingebracht und an die Raiffeisen-Gruppe verkauft. Der damalige Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz sprach bei der Vorstellung der Transaktion von einem «Juwel», rund 570 Millionen Franken gab er dafür aus.

Vincenz wollte mit dem Einstieg ins Private Banking die Abhängigkeit der Raiffeisen-Gruppe vom Zinsergebnis lösen. Bis zu zehn Prozent zum Gruppengewinn sollte Künzi mit seiner Notenstein beisteuern. Doch auch fünf Jahre nach dem Zukauf ist die Privatbank davon weit entfernt: Im ersten Halbjahr steuerte Notenstein weniger als sechs Prozent zum Gruppengewinn von 434 Millionen Franken bei. Noch weiter ist Notenstein vom selbst ausgegebenen Ziel entfernt, mittelfristig 40 Milliarden Franken Kundengelder zu verwalten. Zuletzt waren es nicht einmal halb so viel: 19,4 Milliarden Franken.

Chronische Wachstumsschwäche

Notenstein kommt beim organischen Wachstum einfach nicht voran. So schafft es die Privatbank nicht, Vorteile aus der Zusammenarbeit mit Raiffeisen zu ziehen. Auf dem Papier sollte Notenstein durch die Raiffeisen-Banken einen stetigen Fluss an potenten Neukunden haben. Doch in den Zahlen ist davon nichts zu sehen. Aus Finanzkreisen heisst es, Fürer habe das Problem erkannt, «das Potenzial mit Raiffeisen zu heben, steht ganz oben auf der Agenda».

Laut Raiffeisen seien Fürers CEO-Erfahrung und seine «strategischen Fähigkeiten» die entscheidenden Kriterien für seine Beförderung zum Notenstein-Chef gewesen. Dass er Raiffeisen-Chef Patrik Gisel bereits kennt, sei ein zusätzlicher Vorteil.

Der 52-Jährige scheint das Vertrauen Gisels zu haben. Beide kennen sich, denn Fürer war zwischen 2007 und 2008 Mitglied der Geschäftsleitung von Raiffeisen Schweiz und in dieser Funktion für die IT-Systeme verantwortlich. Danach wechselte der HSG-Absolvent zum Schweizer Ableger der US-Bank Morgan Stanley, den er zuletzt leitete. Einen Grossteil des Private Banking hatte Morgan Stanley allerdings 2014 an die Bank Safra Sarasin verkauft.

Wegbegleiter beschreiben den neuen Notenstein-Chef als jemanden, der Probleme schonungslos anspreche und entscheidungsstark sei. «Er kann aber auch zuhören und sich überzeugen lassen, wenn jemand bessere Argumente hat», sagt ein Bankmanager, der mit ihm zusammengearbeitet hat.

Raiffeisen dementiert Verkaufsabsichten

Bereitet nun Raiffeisen mit dem Chefwechsel bei Notenstein einen Verkauf vor, über den immer wieder spekuliert worden ist? Raiffeisen-Sprecherin Bachmann betonte, dass es «keine Verkaufspläne »gäbe.

Dennoch fällt auf, dass Gisel mittlerweile dabei ist, im Beteiligungsnetz aufzuräumen, das er von seinem Amtsvorgänger Pierin Vincenz geerbt hatte: Mitte September verkaufte Raiffeisen sein Aktienpaket am Versicherer Helvetia, wo pikanterweise Vincenz als Verwaltungsratspräsident amtet. Zuvor hatte Gisel die kriselnde Asset-Management-Tochter Vescore an Vontobel verkauft. Und auch die Beteiligung am Anbieter von strukturierten Produkten, Leonteq, will Gisel weiter abbauen.

Einem Verkauf von Notenstein hatte Gisel aber bisher stets eine Absage erteilt. Was eine Meinungsänderung aber nicht ausschliesst. Denn noch im vergangenen November hatte sich Gisel in der «Bilanz» klar hinter seinen Notenstein-Chef gestellt: «Die personelle Besetzung der CEO-Position durch Adrian Künzi steht nicht zur Diskussion.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.10.2017, 15:05 Uhr

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