Ein Abgang mit Folgen

Starmanager Rajiv Jain gab im März seinen Abschied bei der Bank Vontobel bekannt. Nun zeigen sich Auswirkungen auf die Geschäftszahlen des Instituts.

Mit ihm gingen Milliarden: Vontobels Ex-Anlagechef Rajiv Jain.

Mit ihm gingen Milliarden: Vontobels Ex-Anlagechef Rajiv Jain.

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Wohl selten liess sich der Abschied eines einzelnen Mitarbeiters so klar in den Geschäftszahlen einer Firma ablesen wie heute bei der Bank Vontobel. In den Halbjahreszahlen zeigt sich, dass der Abgang des Anlagechefs Rajiv Jain deutliche Folgen hatte. Um fast 12 Milliarden Franken sind die verwalteten Vermögen in der ehemaligen Abteilung Jains zurückgegangen. Sie belaufen sich derzeit noch auf rund 37 Milliarden Franken. Weil sie aber in anderen Sparten gestiegen sind, fällt die Gesamtbilanz der Bank Vontobel besser aus. Die Bank betreut insgesamt Kundenvermögen von rund 179 Milliarden Franken. Vor sechs Monaten waren es noch 4 Prozent mehr gewesen.

Im März gab Anlagechef Rajiv Jain seinen Abgang nach 22 Jahren bei der Bank bekannt. Die Märkte reagierten damals deutlich. Die Vontobel-Aktie gab zeitweise um 10 Prozent nach. Jain war nicht irgendein Mitarbeiter der Bank. Er leitete die Quality Growth Boutique in New York. Sie investiert das Geld von professionellen Anlegern. Rund 48 Milliarden Dollar wurden in der Abteilung des Starbankers verwaltet. Und dies sehr erfolgreich. Entsprechend hoch war das Salär Jains. Es gibt keine offiziellen Zahlen, doch könnte sein Lohn bei 20 bis 30 Millionen Franken gelegen haben. Damit war er der mit Abstand bestbezahlte Mitarbeiter der Bank Vontobel. Er verdiente sogar mehr als Vontobel-Chef Zeno Staub.

Abfluss gestoppt

Staub erwartet, dass der Abfluss der Kundengelder nun vorbei sei. Die Investoren hätten rasch reagiert und ihr Investment bei der Bank Vontobel überprüft. Innerhalb von zwei Monaten nach der Ankündigung von Jains Abgang seien 75 Prozent der Gelder weg gewesen. Das Team sei aber noch da, und es mache einen guten Job, so Staub. Es könne sich nun dem normalen Markt stellen. Die Chancen dafür stünden gut. Denn kaum ein anderer Anbieter habe so viele Kenntnisse in den Schwellenländern wie Vontobel.

Der Abgang Jains macht sich für die Bank sogar ein Stück weit bezahlt. Die Bank spart nämlich Geld. Der Grund dafür sind der wegfallende Lohn und ausbleibende künftige Bonuszahlungen für Jain. Und dies, obwohl die verbleibenden Mitarbeiter von Jains Team in der sogenannten Quality Growth Boutique besser entlöhnt werden. 5 Millionen Franken netto waren es im ersten Halbjahr, die in der Kasse des Unternehmens blieben. Jain hat bereits wieder einen Job. Er ist seit Juni für den US-Vermögensverwalter GQG tätig.

Erst 2017 neue Ziele

Trotz dem Weggang des Starbankers kann die Bank auf ein gutes Halbjahr zurückblicken. Der Gewinn beträgt aktuell 106 Millionen Franken, damit legte die Bank in den ersten sechs Monaten um 8 Prozent zu. Abgesehen von Jains früherer Sparte, sind alle anderen Geschäftsbereiche der Bank gewachsen. Im Schnitt um rund 7 Prozent. Damit hat die Bank alle ihre Vorgaben für das Jahr 2017 bereits heute erfüllt. Das gilt etwa für die Eigenkapitalrendite, das Kosten-Ertrags-Verhältnis oder die Kapitalquote der Bank.

Auch das Geschäft mit den Privatkunden wuchs. Es bleibt aber im Branchenvergleich eher klein. Im Vermögensverwaltungsgeschäft betreut die Bank rund 43 Milliarden Franken. Eine Übernahme einer anderen Bank könnte hier Abhilfe schaffen. Dafür gibt es aber derzeit offenbar keine Anzeichen. Laut Staub könne die Bank aber leicht zusätzliches Kapital aufnehmen, um eine Akquisition zu stemmen – wenn sich denn eine Gelegenheit bietet.

Erstellt: 26.07.2016, 13:26 Uhr

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