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Ein Automann gegen den Privatverkehr

VW-Manager Thomas Sedran setzt sich für ökologische Alternativen zum herkömmlichen Autoverkehr ein.

«Weder betriebswirtschaftlich noch ökologisch dürfte das private und oft nur von einer Person genutzte Auto eigentlich das Mittel der Wahl sein», sagt Thomas Sedran. Foto: Keystone
«Weder betriebswirtschaftlich noch ökologisch dürfte das private und oft nur von einer Person genutzte Auto eigentlich das Mittel der Wahl sein», sagt Thomas Sedran. Foto: Keystone

Thomas Sedran ist ein Automann. Einer dieser dröhnenden Typen, die breitbeinig vor dem Publikum stehen und das neue Gerät mit den vielen PS anzupreisen wissen. Der beim privaten Plausch die Schönheit dieses und jenes Modells lobt und, natürlich, auch gern mal richtig Gas gibt. Der Kerl hat Benzin im Blut, hätte man früher gesagt. Aber der 56-Jährige ist kein Ingenieur wie viele andere Automanager, sondern Betriebswirt. Er hat als Unternehmensberater begonnen und von daher gelernt, darauf zu reagieren, was gerade angesagt ist.

Vielleicht weiss er deshalb besser als Kollegen, was die Stunde geschlagen hat. Dass die alte 4-Räder-Herrlichkeit zu Ende geht und sich ganz neue Fragen stellen. Die Klimakrise schaffte es ins Bewusstsein der breiten Bevölkerung, und plötzlich verliert auch das Auto seinen Nimbus.

In dieser neuen Zeit ist Sedran wild entschlossen, will er vorn dabei sein. Er sagt Sätze wie: «Weder betriebswirtschaftlich noch ökologisch dürfte das private und oft nur von einer Person genutzte Auto eigentlich das Mittel der Wahl sein.» Automenschen waren es bisher gewohnt, Städte aus dem Auto heraus zu sehen: Wie kommt man vielspurig rein, wo stören Velofahrer, wo kann man parkieren? Nicht so der VW-Mann. Der zitiert den US-Soziologen und Städteforscher Fred Kent: «Wenn man Städte für Autos und Verkehr plant, bekommt man Autos und Verkehr. Wenn man für Menschen und Orte plant, bekommt man Menschen und Orte.»

Dieselskandal schüttelte VW durch

In diesem Sinne, sagt Sedran, wolle er den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Er fordert «ein neues Denken und radikal neue Lösungen. Mobilität und Transport müssen effizienter, sauberer, komfortabler werden. Wir müssen das urbane Leben lebenswerter machen.» Statt über Autos spricht Sedran erst mal über den öffentlichen Verkehr. Er fordert einen «intelligenten Mix» aus U-Bahn, S-Bahn, Bussen, aus neuen Mobilitätsangeboten und – jetzt erst – privaten Autos.

Sein Lieblingsthema ist Ride-Pooling: Dabei teilen sich Menschen mit ähnlichen Zielen die Fahrt in einem Kleinbus, etwa zwischen ÖV und Taxi. Es ist natürlich kein Zufall, dass Sedran der Nutzfahrzeugvorstand von VW ist, also unter seiner Verantwortung die Autos gebaut werden, die man für Ride-Pooling braucht: Multivan, Caddy, Transporter. Und dass die VW-Tochterfirma Moia genau diesen Service anbietet – bisher nur in Hamburg und Hannover. In Hamburg fahren die Moia-Shuttles vollelektrisch, und auch das passt zur neuen VW-Strategie. Das Unternehmen, das durch den Dieselskandal durchgeschüttelt wurde, wo die alten Chefs rausflogen, Seilschaften zerschlagen wurden und vieles neu organisiert ist, setzt so bedingungslos wie kein anderer deutscher Autobauer auf die E-Mobilität. Erdacht hat das schon vor längerer Zeit: Thomas Sedran, weiland Konzernstratege.

Dass er nun für die Nutzfahrzeuge zuständig ist, passt auch: Denn zu der von ihm erdachten Strategie 2025 gehört das autonome Fahren. In den Personenwagen, sagt er, wird es noch lange dauern, ehe man sich als Fahrer wirklich vom Verkehr abwenden kann. In den Nutzfahrzeugen, für die er zuständig ist, komme es sehr viel früher.

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