Ein Disneyland für Gourmets

Rund 250 Kilometer von der Schweizer Grenze entfernt, entsteht ein Themenpark für italienisches Slow Food. Auch in der Schweiz wird der Trend immer wichtiger.

Paradies für Feinschmecker: Fischhändler präsentieren ihre Ware an der Fico Eataly World.

Paradies für Feinschmecker: Fischhändler präsentieren ihre Ware an der Fico Eataly World. Bild: Vincenzo Pinto/AFP

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Bei Bologna, knapp drei Autostunden von der Schweizer Grenze entfernt, entsteht ein Paradies für Foodies: Fico. Das steht für Fabbrica Italiana Contadina, heisst auf Italienisch aber auch «Feige» oder «cool». Im Gourmet-Themenpark, der am Mittwoch eröffnet wird, geht es um die italienische Esskultur mit all ihren Facetten. Hier grasen Ziegen und Kühe, wachsen Oliven- und Aprikosenbäume. Neben 40 Restaurants stehen Ställe und Felder mit 200 Tieren und 2000 Pflanzenarten. 40 Minifabriken zeigen den gesamten Prozess der Lebensmittelherstellung. Es gibt eine Mühle, Käsereien, eine Panettonefabrik, Glace-Manufaktur und Miniatur-Trüffeljagd. Das Motto: «Vom Feld auf den Teller».

Hinter dem Park stehen die italienische Fine-Food-Kette Eataly und der italienische Detailhändler Coop, der allerdings nichts mit dem Schweizer Coop zu tun hat. Er habe sich für das Grossprojekt in Bologna an Disneyland orientiert, sagte Eataly-Gründer Oscar Farinetti. Bis 2020 wolle man mit dem Fico sechs Millionen Besucher anziehen, sagte Tiziana Primori, CEO des Parks, der italienischen Zeitung «Repubblica». Der Eintritt sei gratis, man rechne aber damit, dass jeder Besucher im Schnitt zwischen 20 und 22 Euro ausgebe.

Slow Food und Convenience

Eataly verpflichtet sich mit dem Freizeitpark und seinen Gourmet-Supermärkten der Slow-Food-Bewegung. Diese gründete der Piemontese Carlo Petrini bereits im Jahr 1987. Sein Motto für Nahrungsmittel: «Gut, sauber und fair». Slow Food steht für ihn für regionales, saisonales, bewusstes und genussvolles Essen.

Auch in der Schweiz hat Slow Food Hochkonjunktur. Am vergangenen Wochenende fand in Zürich der Slow Food Market statt. Coop hat seit 2007 eine Zusammenarbeit mit der Schweizer Bewegung und verkauft unter dem Label mit einem kleinen roten Schneckenlogo 50 Produkte, darunter Slow-Food-Emmentaler oder Slow-Food-Lammragout. Gleichzeitig setzen Detailhändler immer mehr auch auf Convenience-Formate.

«Essen muss man langsam geniessen »

«Jeder Trend hat einen Gegentrend», erklärt Christine Schäfer, Expertin für Foodtrends am Gottlieb-Duttweiler-Institut. «Als Reaktion auf unser schnelles Leben entsteht eine Slow-Food-Bewegung. Müssen wir während der Arbeit aus Zeitdruck oft auf Convenience-Food zurückgreifen, nehmen wir uns in der Freizeit mehr Zeit fürs Kochen. Das gemeinsame Essen und der Genuss mit allen Sinnen stehen dann im Zentrum», so Schäfer.

Dieser Gegentrend dürfte dann auch erklären, warum Eataly mit Slow Food am meisten Erfolg im Land des Fast Food hat: den USA. Das Geschäft im New Yorker Flatiron-Hochhaus wird laut Eataly-Gründer Farinetti pro Tag von 30'000 Menschen besucht. Auch für Farinetti sind Wachstum und Slow Food kein Widerspruch: «Im Leben gibt es zwei Rhythmen: Das Essen muss man langsam geniessen. Aber beim Rest, vor allem bei der Arbeit, muss man schnell sein. Deshalb muss Eataly wachsen», sagte der Gründer zuletzt der «SonntagsZeitung».

«Verrücktes Interesse nach italienischem Essen »

Die Kette möchte auch in der Schweiz Fuss fassen, allerdings wohl erst im Jahr 2020. «Wir sind Nachbarn, und die Schweizer sind glückliche Kunden», so Farinetti zur «SonntagsZeitung». Neben dem Shop in New York und diversen Ablegern in Italien betreibt die Kette mittlerweile auch Läden in Chicago, L.A. und Boston, in São Paulo, Istanbul, Dubai oder Japan. Bis Ende 2017 rechnet Eataly mit einem Umsatz von 500 Millionen Euro. «Derzeit gibt es auf der ganzen Welt ein absolut verrücktes Interesse an italienischem Essen, an Pasta, Pizza, unserer einfachen Küche», sagt Farinetti der Nachrichtenagentur AFP.

Ob Eataly in der Schweiz Erfolg haben würde, bleibt abzuwarten. Pizza, Pasta & Co. sind immerhin seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Schweizer Küche. Kunden finden schon heute eine grosse Auswahl an Produkten. Ausserdem drängen inländische Konkurrenten vor: Zuletzt lancierte Coop mit einer ersten Sapori-d’Italia-Filiale in Aarau ein neues Feinschmeckerformat.

Zelebrieren des Essens im Trend

Food-Forscherin Christine Schäfer sieht für Eataly Platz auf dem Schweizer Markt: «Solche Formate sind nichts nur für die Nische. Sie sind ein Ausdruck des wachsenden Bedürfnisses nach bewusster Ernährung.» Darum sei die Nachfrage gross genug für mehrere Anbieter.

Gerade bei jungen, urbanen Konsumenten liegt gemäss Schäfer das Zelebrieren des Essens immer mehr im Trend. Sie kaufen bewusst ein, besuchen lokale Märkte und nehmen sich Zeit fürs Kochen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.11.2017, 15:34 Uhr

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