Dieser Flieger bespritzt Wolken in der Schweiz

Im aargauischen Birrfeld steht eine Maschine, die bei bestimmten Wetterlagen gen Himmel steigt. Ihr Auftrag: Hagel-Abwehr.

Die Versicherung will den Schaden durch Hagel begrenzen. Video: Tamedia.

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Die Baloise geht in die Luft. Und zwar dann, wenn die meisten anderen Insassen von Flugzeugen ganz froh sind, dass sie sich auf sicherem Boden befinden. Kündigt der Wetterdienst ein Unwetter mit möglichem Hagelschlag an, beginnt auf dem Flugplatz im aargauischen Birrfeld der Countdown. Innerhalb von spätestens zwei Stunden, so sieht es die Einsatzplanung vor, soll der Hagelflieger in der Luft sein.

Zu diesem Zweck hat die Baloise ein einmotoriges Kleinflugzeug gechartert. Das Engagement des Versicherers bildet Teil seiner Präventionsstrategie, nämlich Schadenereignisse nach Möglichkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Mithilfe des Fliegers soll verhindert werden, dass sich in Gewitterwolken grössere Hagelkörner bilden, die dann ihre berüchtigten Schadenschneisen durchs Land ziehen.

Allein in der Schweiz beläuft sich das jährliche Schadenvolumen aus Hagelschlag auf 200 bis 300 Millionen Franken. Bei der Baloise kommen die entsprechenden Aufwendungen laut ihrem Sprecher Roberto Brunazzi auf einen «tiefen zweistelligen Millionenbetrag» zu stehen.

Wolken werden «geimpft»

Nach Aussage von Brunazzi werden Hagelflieger «bereits seit vielen Jahren erfolgreich im süddeutschen Raum und in Österreich sowie in den USA und Kanada eingesetzt», teilweise auch von Versicherungen. Aufgrund dieser Erfahrungen und basierend auf Studien, erhofft sich der Basler Versicherer, mit dem Flieger die Hagelwahrscheinlichkeit um bis zu 50 Prozent zu reduzieren.

«Selbst wenn wir am Ende nur eine fünf- bis zehnprozentige Wirksamkeit hätten, lohnt sich der Einsatz angesichts der jährlichen Hagelschäden dennoch bei weitem», ist Brunazzi überzeugt. Neben den finanziellen Schäden, die sich verhindern lassen, gelte es auch den administrativen Zeitverlust für die Schadenbehebung in Rechnung zu stellen. Die Baloise veranschlagt die jährlichen Betriebskosten für den Flieger auf rund 200’000 Franken.

Doch wie bekämpft dieser den Hagel? Die Aufgabe des Piloten ist es, die Maschine unter die Hagelwolke zu steuern. Befindet er sich im Zentrum der dort herrschenden Aufwinde – die bis zu 100 Stundenkilometer erreichen –, muss er möglichst punktgenau ein Silberjodid-Gemisch freisetzen. Dies geschieht über eine spezielle Sprühvorrichtung, die am Flieger angebracht ist. Die Silberjodid-Teilchen werden dann mit dem Wind kilometerhoch in die Wolken geschleudert. Sie sind es, die den Hagelschlag verhindern.

Die kleinen Körner schmelzen schneller auf dem Weg zum Boden und werden dabei
zu Schneematsch oder Regen.

Experten sprechen dabei von der «Impfung» der Wolke. Mit den Billionen von versprühten Silberjodid-Teilchen bilden sich entsprechend viele zusätzliche Kondensationskeime. An diesen setzt sich das eisige Wasser in den Wolken fest – mit dem Ergebnis, dass sich viele kleine Hagelkörner statt weniger grosser bilden. Die kleinen Körner schmelzen schneller auf dem Weg zum Boden und werden dabei zu Schneematsch oder Regen.

Dreijährige Versuchsphase

Die «Wolkenimpfung» hinterlässt mit der Zeit geringe Spuren von Silber und Jod im Boden, wie Untersuchungen in Deutschland ergaben. Brunazzi bezeichnet das zu verwendende Silberjodid-Gemisch als «ökologisch unbedenklich». Der Flieger habe ein mehrstufiges Zulassungsverfahren durchlaufen und sei dabei auch vom Bundesamt für Umwelt sowie einer europäischen Zulassungsstelle geprüft worden.

In einer ersten Versuchsphase, die auf drei Jahre angelegt ist, beschränkt sich die Reichweite des Hagelfliegers auf die Deutschschweiz. «Sollten sich unsere Erwartungen erfüllen», so der Baloise-Sprecher, «können wir uns auch Flieger in der Romandie und im Tessin vorstellen.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.08.2018, 15:30 Uhr

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