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Ein goldener Sommer für die UBS

Die UBS muss in den USA erneut eine Vergleichzsahlung über hunderte Millionen Franken leisten. Doch das interessiert die Märkte nicht: Was zählt, sind die heutigen Quartalszahlen – und dort stimmt die Rechnung, zumindest im Moment.

Schreibt 690 Millionen Franken Reingewinn – vor Steuern und um Sondereffekte bereinigt sind es fast dreimal mehr: UBS.
Schreibt 690 Millionen Franken Reingewinn – vor Steuern und um Sondereffekte bereinigt sind es fast dreimal mehr: UBS.
Reuters

200 Milliarden Dollar stehen für die Federal Housing Finance Agency (FHFA) auf dem Spiel. Die Summe ist das Total der verbrieften Hypothekenpapiere, welche die staatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac während des US-Immobilienbooms von 18 Grossbanken kauften. Unter diesen Banken sind auch die Credit Suisse und die UBS. Gegen die Institute laufen Klagen: Weil sie Falschangaben zur Qualität der Hypotheken machten, erlitten Fannie Mae und Freddie Mac während der Finanzkrise unerwartet hohe Verluste. Der Sachverhalt gilt als unbestritten. Nach der amerikanischen Citigroup vermochte sich die FHFA nun mit der UBS als zweiter der achtzehn Banken zu einigen.

Demnach erhalten die staatlichen Hypothekenfinanzierer von der UBS eine Entschädigung von bis zu 700 Millionen Franken. Dies geht aus einer heute veröffentlichten Mitteilung der Bank hervor. Die Zahl bezieht sich auf «Kosten für Rechtsfälle und sonstige Rückstellungen» im Zusammenhang mit dem Rechtsstreit über die Hypothekenpapiere, sogenannte Residential Mortgage-Backed Securities (RMBS). Wie hoch die Zahlung der UBS an die US-Institutionen genau ausfallen wird, gibt die Bank nicht bekannt. Auch von der FHFA ist keine Nennung eines Betrags zu erwarten, weil mit den restlichen sechzehn Instituten noch verhandelt wird.

Weitere Rückstellungen gebildet

Ein im April dieses Jahres abgewiesener Einspruch der UBS hatte die Klagen, die im September 2011 eingereicht worden waren, bis zuletzt aufgehalten. Seitens der Schweizer Bank geht es um ein Total von 6,4 Milliarden Dollar an RMBS-Papieren, die man als Emissionsbank bzw. als «Sponsor» der Wertschriften zusammengestellt und an Fannie Mae und Freddie Mac weitergereicht hatte. Einer Aufstellung des «Wall Street Journal» zufolge gehen die betreffenden Summen für einige der übrigen belasteten Banken in die Dutzenden von Milliarden Dollar. Auch die Credit Suisse steht möglicherweise in Verhandlungen mit der FHFA. Die Behörde war nach der Finanzkrise ins Leben gerufen worden, um Ordnung ins Haus der total vierzehn bundes- und gliedstaatlichen Hypothekenfinanzierer zu bringen.

Gemäss dem letzten Geschäftsbericht der UBS hat die Bank seit Beginn der Gerichtsverhandlungen 962 Millionen an Rückstellungen für RMBS-bezogene Forderungen gebildet. Dieses Quartal wurde diese Summe nochmals um einen unbekannten Betrag erhöht. Neben der FHFA wird die UBS demnach noch einige anderen Parteien für die Verluste aus den hypothekenbesicherten Papieren entschädigen müssen. Wie aus den Gerichtsakten zum Fall hervorgeht, hatte die Bank in ihren Prospekten zu den RMBS-Produkten «materiell unvollständige und falsche Angaben gemacht», beispielsweise zum Belehnungsgrad der Immobilien in den gebündelten Hypotheken.

Dividendenzahlungen im Fokus

Mit der FHFA-Akte besiegelt die UBS eine weitere Episode ihrer problematischen Vergangenheit. Aus Sicht von Investoren und Märkten ist dies allerdings sekundär. Die vorläufigen Zahlen, welche die Bank heute vorab veröffentlicht hat, sprechen eine klare Sprache: Die UBS setzt ihren positiven Trend fort und ist mit ihrem Umbau auf Kurs. Um den Gerichtsausgleich bereinigt, hat die UBS im zweiten Quartal 2013 rund 1,9 Milliarden Franken vor Steuern verdient. Das ist nicht nur gleich viel wie im starken ersten Quartal, sondern auch eineinhalbmal so viel, wie Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Entsprechend legten die UBS-Papiere an der Börse bis am Mittag um über 3,5 Prozent zu, in ihrem Sog stiegen auch CS-Aktien um über 2 Prozent an.

Insbesondere bei den Neugeldzuflüssen vermochte die Grossbank die Schätzungen zu übertreffen. So zog die UBS-Vermögensverwaltung ausserhalb der USA im zweiten Quartal rund 10,1 Milliarden Franken an. Die 2,7 Milliarden Neugelder bei Wealth Management Americas liegen dagegen unter den Erwartungen. Auch die 2 Milliarden Franken Abflüsse im Asset Management sind eher schlechte Nachrichten. Positiv aus Investorensicht – und mit die wichtigsten der heute veröffentlichten Zahlen – sind allerdings die Fortschritte beim Kapitalaufbau. Von einem Wert von 10,1 Prozent per Ende März her kommend vermochte die UBS ihre Basel-III-Kernkapitalquote im Sommerquartal auf 11,2 Prozent zu steigern.

Banken im Sommerhoch

Das zählt, weil die UBS ab dem Jahr 2015 wieder Dividenden auszahlen will, sofern die Kapitalquote der Bank bis zum Anfang jenes Jahres die Schwelle von 13 Prozent überschritten hat. Laut dem Analysten Roger Degen von Julius Bär dürfen Aktionäre bald wieder mit Kapitalrückzahlungen durch die UBS rechnen. «Die UBS ist auf gutem Weg, ihr Kapitalziel zu erreichen», sagt er zu Redaktion Tamedia. Liess sich Konzernchef Sergio Ermotti im Frühling dieses Jahres noch dahingehend zitieren, es sei «zu früh, einen Sieg zu verkünden», so verliert dieser Satz mit dem heutigen Ergebnis ein Stück seiner Gültigkeit. Nicht wenige Beobachter sehen die UBS-Aktie, die aktuell bei 18.20 Franken steht, per Ende Jahr wieder über der Zwanzigfrankenmarke.

Fraglich ist allerdings, ob die Grossbank ihre Pace des ersten und zweiten Quartals im weiteren Jahresverlauf aufrechterhalten kann. Wie zahlreiche US-Grossbanken profitierte auch die UBS diesen Frühsommer vom Investmentbanking und der indirekten Unterstützung durch die US-Notenbank. Der Test, wie die Bank den Ausstieg des Fed aus seinem Quantitative-Easing-Programm verdaut, folgt in den kommenden Monaten. Auch der Schock des jähen Endes der Schwellenländer-Hausse wird sich erst gegen Ende Jahr in den Büchern niederschlagen. Steigen die Kunden der Vermögensverwaltung aus Emerging-Markets-Produkten aus, so verdient die Bank zwar Kommissionen, verliert auf die Länge aber an Anlagevolumen. Nach einem goldenen Sommer wartet auf die UBS bereits ein kühler Herbst.

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