Ein kleiner Sieg der Frauen

Der Ständerat hat eine Art Frauenquote in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen gutgeheissen. Aber nicht jede Idee, die jetzt diskutiert wird, ist gut.

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Es ist nun wirklich keine Revolution, die sich da in Bern abzeichnet, doch es ist ein kleiner, aber feiner Sieg der Frauen nach dem Frauenstreik: Der Ständerat hat einen Richtwert für eine Art Frauenquote in Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen von börsenkotierten Unternehmen von 20 respektive 30 Prozent gutgeheissen. Wer das nicht einhält, soll es künftig begründen und Massnahmen zur Verbesserung vorschlagen. Sanktionen sind nicht vorgesehen.

Das ist ein Eingriff in die Organisationsfreiheit der betroffenen Unternehmen und verträgt sich eigentlich nicht mit unserer freiheitlichen Wirtschaftsordnung. Trotzdem ist es klug, dass die Politikerinnen und Politiker diesen Schritt tun. Der Frauenstreik war ein gewaltiges Zeichen, dass die Politik reagieren muss. Wohl noch kein Thema hat so viele Menschen in der Schweiz auf die Strassen gebracht wie die Gleichstellung. Und wenn so viele Frauen sagen, dass die Gleichstellung in der Schweiz noch nicht erreicht ist, dann ist dem so – auch wenn mancher Mann anderer Ansicht ist.

Negativbeispiele gibt es in Italien und Frankreich

Das heisst natürlich nicht, dass jede Massnahme zur Gleichstellung zu unterstützen ist. Im Zuge des Frauenstreiks kommen plötzlich Forderungen der linken Parteien aufs Tapet, die schlicht kontraproduktiv und darum abzulehnen sind. So kündigte gestern die SP Schweiz eine Frauen-Volks­initiative an. Was genau die Genossen wollen, ist noch nicht definiert. Das will man jetzt herausfinden.

Diskutiert wird ein Recht auf Teilzeit, das heisst, Väter und Mütter sollen neu einen Rechtsanspruch auf Reduktion ihres Arbeitspensums bekommen, damit sie Beruf und Familie besser vereinbaren können. Das tönt sympathisch, lässt sich aber nur durchsetzen, wenn man den Kündigungsschutz ausbaut. Wohin das führt, kann man in Frankreich oder Italien sehen – nämlich dazu, dass kein Unternehmen mehr junge Leute anstellt. Fazit: Die Gleichstellung braucht manchmal Support vom Staat, und viele Herren müssen über ihren Schatten springen. Aber die Massnahmen müssen gut durchdacht sein, sonst richten sie mehr Schaden an, als sie nützen.

Erstellt: 19.06.2019, 22:00 Uhr

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