Ein perfekter Sturm

Will die deutsche Autoindustrie überleben, muss sie sich radikal wandeln.

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Die deutsche Autoindustrie, bis heute der Stolz vieler deutscher Bürger, Politiker und Unternehmer, ist in ein Tief geraten, das längst alle Merkmale eines perfekten Sturms trägt. Für Daimler und VW, Audi oder BMW ist er derart existenzbedrohend wie die Finanzkrise vor einem Jahrzehnt für die grossen Banken. Vieles haben die Autobauer selbst verschuldet. Über Jahre tricksten oder betrogen sie, um etwa die Abgasgrenzwerte bei Dieselfahrzeugen theoretisch einzuhalten und praktisch zu missachten. Die deutschen Behörden schauten nicht richtig hin, und wenn sie doch einmal etwas fanden, wischten sie es unter ihre Limousinen. Den Schaden hatte der einfache Bürger, dessen Auto nicht hielt, was es versprach, und dessen Gesundheit wegen der Abgase mehr litt als erlaubt.

Die neuesten Vorwürfe, die grossen fünf Hersteller hätten ein Kartell zulasten von Kunden und Zulieferern gebildet, überraschen schon keinen mehr. Bestätigen sie sich, werden zu den Tausenden von Klagen, den Milliardenbussen und -entschädigungen viele weitere dazukommen. Nicht nur der Lack der deutschen Nobelhersteller ist ab, der ganze Glanz des Exportwunders «Made in Germany» gerät in Verruf.

Als ob die Herausforderung, diesen Totalschaden zu beheben, nicht gross genug wäre, stehen die Autobauer auch noch vor dem tiefgreifendsten Wandel seit der Erfindung des Verbrennungsmotors. Um die Luft und das Klima zu schützen, muss der Privatverkehr das fossile Zeitalter hinter sich lassen und auf Elektroantrieb umstellen – und zwar viel schneller, als die Bosse in Wolfsburg, Stuttgart oder München bisher meinten. Doch auf diesem für die Zukunft entscheidenden Weg rumpeln die Meister der Luxuskarossen den Teslas dieser Welt noch weit hinterher.

Will die deutsche Autoindustrie überleben, muss sie sich radikal wandeln. Sie braucht dafür nicht nur Mut, sondern auch flächendeckend neues Personal. Bei VW, Daimler oder Audi sind heute noch praktisch dieselben Manager im Amt, die die Unternehmen überhaupt erst in die Krise geführt haben. Ist es den Konzernen mit dem Kulturbruch ernst, darf das nicht so bleiben.

Erstellt: 27.07.2017, 21:21 Uhr

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