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Ein Plan Phönix für die Alitalia

Reiche Unternehmer wollen eine neue Alitalia aus der Asche der alten steigen lassen und die Schulden dem Staat überlassen.

Der Name des Rettungsplans spricht für sich: Wie Phönix in der antiken ägyptischen Sage soll die marode Fluggesellschaft erneuert aus der eigenen Asche aufsteigen - ähnlich wie die Swiss nach dem Grounding der Swissair.

5000 Jobs weg

Um den Konkurs der Alitalia zu verhindern, kam gestern die italienische Regierung unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi aus der Sommerpause zurück und bog per Dekret das Insolvenzrecht so um, dass der Plan Phönix rasch umgesetzt werden kann. Er sieht vor, dass die praktisch bankrotte Fluggesellschaft aufgespalten wird in eine «bad company» und eine «good company». Die «bad company» wird unter staatliche Konkursverwaltung gestellt. Sie muss die Schulden sowie die defizitären Bodendienste und den Servicebereich übernehmen, aber auch voraussichtlich rund 5000 Angestellte, deren Arbeitsplätze gestrichen werden. Bereits heute Freitag wird der Verwaltungsrat der Alitalia voraussichtlich für die «bad company» die Insolvenz anmelden.

Zur Rettung des lukrativen Rests steht eine Gruppe von derzeit 16 namhaften Unternehmern bereit, die unter der Führung des Piaggio-Chefs und Milliardärs Roberto Colaninno eine neue «good company» gründen wollen. Diese übernimmt den Namen Alitalia, die 49,9 Prozent, die der Staat noch an der Firma hält, sowie die Flotte und die Flugrechte. Ausserdem wird sie de facto mit Italiens grösster privater Fluglinie Air One verschmolzen.

Berlusconis Günstlingsprinzip

Colaninnos Investorengruppe hat sich bereit erklärt, vorläufig eine Milliarde Euro einzuschiessen. Zum Retterkonsortium zählen unter anderen der Modekonzern Benetton, der Stahlkonzern Marcegaglia, Air-One-Gründer Carlo Toto sowie die Bank Intesa Sanpaolo. Ihr Engagement allerdings wird nicht nur aus hehrem Patriotismus gespeist, wie Berlusconi bei seinen Ankündigungen einer raschen Rettung der Alitalia als Motiv geltend machte.

Wie schon in seinen früheren Amtszeiten handelt der Unternehmer wieder nach dem Günstlingsprinzip. Air One etwa war am Kauf der Alitalia interessiert, die Regierung von Romano Prodi hatte aber einen Verkauf ins Ausland bevorzugt, was sich nach dem Abspringen von Air France-KLM zerschlug. Benetton, grösster Autobahnbetreiber in Italien, liess sich seinen Einsatz damit versüssen, dass das Parlament vor der Sommerpause dem Antrag der Regierung zustimmte, die Autobahngebühren massiv erhöhen zu dürfen.

Die Kosten tragen die Steuerzahler

Das Nachsehen haben andere. Etwa Tausende von Kleinaktionären, deren Anteile in die «bad company» ausgelagert werden und für die ein Spezialfonds eingerichtet werden soll. Die Schulden werden am Ende die Steuerzahler tragen müssen, doch noch ist keineswegs sicher, dass die EU-Kommission dem zustimmen wird. Zudem dürfte die Zahl der Entlassenen doppelt so hoch sein wie im Angebot von Air France-KLM, das bereits am drohenden Widerstand der Gewerkschaften scheiterte. Verkehrsminister Altero Matteoli hat versprochen, dass «niemand auf der Strasse stehen» werde. Laut Gerüchten sollen die Entlassenen bei der Post parkiert werden.

Das Überleben der Alitalia ist freilich auch mit dem Plan Phönix keineswegs gesichert. Ungeklärt sind etwa kartellrechtliche Fragen, die sich durch das Zusammengehen mit Air One ergeben. Als nationale Fluglinie allein kann auch sie nicht bestehen. Am Ende könnte Phönix Alitalia das Schicksal von Phönix Swiss blühen: nach einer Radikalkur ein Verkauf ins Ausland. Bereits gestern Nachmittag liess Air France erklären, sie wäre bereit, als Partnerin einzusteigen.

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