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«Ein Reglement muss präzise sein»

SNB-Chef Philipp Hildebrand will nach seinem Fauxpas ein schärferes Reglement. Seit seiner Direktoriumsmitgliedschaft im Jahr 2003 ist das der dritte Anlauf. Expertin Monika Roth erklärt, wie es gehen könnte.

Bernhard Fischer
Die Affäre Hildebrand: Am 9. Januar 2012 trat Philipp Hildebrand mit sofortiger Wirkung zurück. Die Geschichte nahm ihren Anfang mit Dollar-Käufen im März und im August 2011.
Die Affäre Hildebrand: Am 9. Januar 2012 trat Philipp Hildebrand mit sofortiger Wirkung zurück. Die Geschichte nahm ihren Anfang mit Dollar-Käufen im März und im August 2011.
Peter Klaunzer, Keystone
Als ihr Ehemann einen Tag später, am 16. August 2011, von der Transaktion Kenntnis nahm, meldete er das Geschäft umgehend dem Leiter Recht und Dienste der SNB. Dieser sah keinen Handlungsbedarf.
Als ihr Ehemann einen Tag später, am 16. August 2011, von der Transaktion Kenntnis nahm, meldete er das Geschäft umgehend dem Leiter Recht und Dienste der SNB. Dieser sah keinen Handlungsbedarf.
Keystone
Hildebrand stellte ausserdem bei der Bank Sarasin klar, dass Devisengeschäfte künftig nur durchgeführt werden könnten, wenn der Auftrag von ihm komme oder er einen solchen Auftrag bestätige.
Hildebrand stellte ausserdem bei der Bank Sarasin klar, dass Devisengeschäfte künftig nur durchgeführt werden könnten, wenn der Auftrag von ihm komme oder er einen solchen Auftrag bestätige.
Keystone
Am 14. Oktober verkauften Hildebrands 516'000 Dollar zum Kurs von 0.92 Franken und erhalten dafür 475'000 Franken. Damit kauften sie eine Ferienwohnung.
Am 14. Oktober verkauften Hildebrands 516'000 Dollar zum Kurs von 0.92 Franken und erhalten dafür 475'000 Franken. Damit kauften sie eine Ferienwohnung.
Keystone
Was für die einen eine lohnenswerte Investition darstellte, stösst einem anderen sauer auf: Ein IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin soll sich die Informationen zu den Transaktionen der Hildebrands laut Anklage (die heute vor dem Zürcher Bezirksgericht verhandelt wird) angeeignet ...
Was für die einen eine lohnenswerte Investition darstellte, stösst einem anderen sauer auf: Ein IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin soll sich die Informationen zu den Transaktionen der Hildebrands laut Anklage (die heute vor dem Zürcher Bezirksgericht verhandelt wird) angeeignet ...
Keystone
... u. a. mit Parteikollege Christoph Blocher. Dieser wiederum nahm Kontakt mit der damaligen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf.
... u. a. mit Parteikollege Christoph Blocher. Dieser wiederum nahm Kontakt mit der damaligen Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey auf.
Keystone
Der Bundesrat konfrontierte den SNB-Präsidenten mit den Vorwürfen. Dieser legt seine finanziellen Verhältnisse offen. Am 23. Dezember gab die SNB bekannt, Gerüchte über eine unzulässige persönliche Bereicherung von Hildebrand hätten sich als haltlos erwiesen.
Der Bundesrat konfrontierte den SNB-Präsidenten mit den Vorwürfen. Dieser legt seine finanziellen Verhältnisse offen. Am 23. Dezember gab die SNB bekannt, Gerüchte über eine unzulässige persönliche Bereicherung von Hildebrand hätten sich als haltlos erwiesen.
Keystone
Sie begründete diese mit ihrer beruflichen Tätigkeit: Kashya Hildebrand führte eine eigene Galerie in Zürich und tätigt nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent ihrer Transaktionen in Dollar.
Sie begründete diese mit ihrer beruflichen Tätigkeit: Kashya Hildebrand führte eine eigene Galerie in Zürich und tätigt nach eigenen Angaben 70 bis 80 Prozent ihrer Transaktionen in Dollar.
Keystone
Die «Weltwoche» widersprach dieser Darstellung am 4. Januar aber und äusserte massive Vorwürfe: Nicht seine Ehefrau, sondern Philipp Hildebrand selbst habe die umstrittene Dollar-Transaktion getätigt.
Die «Weltwoche» widersprach dieser Darstellung am 4. Januar aber und äusserte massive Vorwürfe: Nicht seine Ehefrau, sondern Philipp Hildebrand selbst habe die umstrittene Dollar-Transaktion getätigt.
PD
Nach Hildebrands Medienkonferenz am 5. Januar schien «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel zurückzukrebsen: Er publizierte einen zweideutigen Kommentar auf der Webseite der Zeitschrift. Köppel zog offenbar in Erwägung, dass die Aussagen seines Informanten falsch gewesen sein könnten.
Nach Hildebrands Medienkonferenz am 5. Januar schien «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel zurückzukrebsen: Er publizierte einen zweideutigen Kommentar auf der Webseite der Zeitschrift. Köppel zog offenbar in Erwägung, dass die Aussagen seines Informanten falsch gewesen sein könnten.
Keystone
Am 6. Januar 2012 war klar: Die «Weltwoche» war in Erklärungsnot. Die Zeitschrift sprach nämlich nie persönlich mit dem Informanten ihres Hildebrand-Artikels. Lesen Sie dazu: Die «Weltwoche» im Erklärungsnotstand.
Am 6. Januar 2012 war klar: Die «Weltwoche» war in Erklärungsnot. Die Zeitschrift sprach nämlich nie persönlich mit dem Informanten ihres Hildebrand-Artikels. Lesen Sie dazu: Die «Weltwoche» im Erklärungsnotstand.
Keystone
Am 9. Januar 2012 trat Philipp Hildebrand mit sofortiger Wirkung zurück.
Am 9. Januar 2012 trat Philipp Hildebrand mit sofortiger Wirkung zurück.
Keystone
Die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete nach dem Rücktritt Hildebrands ein Strafverfahren gegen einen ehemaligen IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin sowie gegen den Thurgauer Anwalt Hermann Lei und den Zürcher Kantonsrat Claudio Schmid wegen der Weitergabe vertraulicher Bankdaten des ehemaligen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand.
Die Zürcher Staatsanwaltschaft eröffnete nach dem Rücktritt Hildebrands ein Strafverfahren gegen einen ehemaligen IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin sowie gegen den Thurgauer Anwalt Hermann Lei und den Zürcher Kantonsrat Claudio Schmid wegen der Weitergabe vertraulicher Bankdaten des ehemaligen Nationalbankpräsidenten Philipp Hildebrand.
Keystone
Am 19. März 2012 eröffnet die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich wegen des Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses ein Strafverfahren gegen Nationalrat Christoph Blocher.
Am 19. März 2012 eröffnet die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich wegen des Verdachts auf Verletzung des Bankgeheimnisses ein Strafverfahren gegen Nationalrat Christoph Blocher.
Reuters
Blocher hielt das Strafverfahren für unzulässig, weil er als Parlamentarier Immunität geniesse. Die Vorwürfe stünden im Zusammenhang mit seiner Nationalratsfunktion. Am 11. Juni 2012 entscheidet das Parlament jedoch, dass Christoph Blocher sich dem Strafverfahren stellen muss. Im Dezember 2015 wurde es eingestellt. Strafverfahren gegen Christoph Blocher eingestellt. Blocher hat laut Staatsanwaltschaft das Bankgeheimnis nicht verletzt.
Blocher hielt das Strafverfahren für unzulässig, weil er als Parlamentarier Immunität geniesse. Die Vorwürfe stünden im Zusammenhang mit seiner Nationalratsfunktion. Am 11. Juni 2012 entscheidet das Parlament jedoch, dass Christoph Blocher sich dem Strafverfahren stellen muss. Im Dezember 2015 wurde es eingestellt. Strafverfahren gegen Christoph Blocher eingestellt. Blocher hat laut Staatsanwaltschaft das Bankgeheimnis nicht verletzt.
Keystone
Das Verfahren in Sachen Bankgeheimnisverletzung im Nachgang der Affäre Hildebrand stockt. Die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hat die Einvernahmen von Christoph Blocher, Hermann Lei, Claudio Schmid oder Sarasin-Informatiker T. einstweilen gestoppt.Dies, weil die Staatsanwälte immer noch nicht wissen, ob sie die Daten in den bei Nationalrat Christoph Blocher beschlagnahmten Computern einsehen dürfen; Blocher hatte nach der Hausdurchsuchung einen Antrag auf Versiegelung gestellt. (7. August 2012) Im Bild: Der Schatten von Philipp Hildebrand.
Das Verfahren in Sachen Bankgeheimnisverletzung im Nachgang der Affäre Hildebrand stockt. Die Zürcher Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte hat die Einvernahmen von Christoph Blocher, Hermann Lei, Claudio Schmid oder Sarasin-Informatiker T. einstweilen gestoppt.Dies, weil die Staatsanwälte immer noch nicht wissen, ob sie die Daten in den bei Nationalrat Christoph Blocher beschlagnahmten Computern einsehen dürfen; Blocher hatte nach der Hausdurchsuchung einen Antrag auf Versiegelung gestellt. (7. August 2012) Im Bild: Der Schatten von Philipp Hildebrand.
Reuters
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Was halten Sie vom SNB-Kodex? Der Kodex ist keine juristische Meisterleistung und enthält vielerlei Lücken im Hinblick auf compliancerelevante Fragestellungen. Das Reglement der Nationalbank erfüllt weder europäische noch schweizerische Standards beim Eigenhandel. Ich weiss nicht, auf welche Standards sich Herr Hildebrand bei seiner Pressekonferenz berufen wollte. Es ist doch erstaunlich: Bei der Nationalbank geht es im Grunde täglich um Währungsfragen, und trotzdem sind solche Devisen-Deals zulässig. Ein Coop-Mitarbeiter darf hingegen nicht einmal an einem Wettbewerb von Coop teilnehmen.

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