Der Sunrise-Chef glaubt an einen Sieg

Olaf Swantee erklärt, wie er die umstrittene UPC-Übernahme über die Bühne bringen will und was der Milliarden-Deal bringt.

Sunrise-Chef Olaf Swantee verteidigt die Kaufabsicht von UPC. Foto: Samuel Schalch

Sunrise-Chef Olaf Swantee verteidigt die Kaufabsicht von UPC. Foto: Samuel Schalch

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Damit Sie eine Mehrheit für die geplante Kapitalerhöhung zum Kauf von UPC auf der Generalversammlung zusammenbekommen, müssen Sie möglichst viele Kleinaktionäre dazu bewegen, abzustimmen. Wie wollen Sie das erreichen?
Sicher nicht nur durch ein leckeres Buffet. Wir wollen mit Informationen überzeugen. Dazu führen wir derzeit viele Gespräche mit Investoren. Ein Fokus liegt auf den wichtigen Stimmrechtsberatern. Denn viele Fondsinvestoren folgen deren Empfehlungen.

Der wichtigste Berater ist ISS. Sollte dieser den Deal ablehnen, wird es dann eng?
Dann wird es eng, ja. Es gibt zwei wichtige internationale Berater, ISS und Glass Lewis, sowie zwei in der Schweiz, Ethos und zRating. Die werden in den kommenden Tagen ihre Abstimmungsempfehlung abgeben.

Meine Priorität ist Sunrise. Ich mache mir keine Gedanken über meine eigene Situation, sollte der Deal nicht durchkommen.Olaf Swantee, CEO von Sunrise

Laut Reuters wollen aber 30 Prozent der Aktionäre den Deal ablehnen. Bei der letzten Generalversammlung waren 62 Prozent vertreten, damit haben die Gegner gute Chancen auf Erfolg. Wie viele Ja-Stimmen haben Sie auf sicher?
Das ist eine sensible Angabe, dazu kann ich nichts Konkretes sagen. Ich kann sagen, dass wir mit allen institutionellen Investoren gesprochen haben. Ich kenne keinen, der gegen den Deal ist, ausser die paar wenigen, die sich öffentlich geäussert haben.

Sollte der Deal platzen: Sind Sie und Sunrise-Präsident Peter Kurer dann noch tragbar?
Ob Peter Kurer oder ich danach noch da sein werden, ist für mich heute nicht das Thema. Was ich sagen kann, ist, dass wir uns sehr stark mit dem Projekt auseinandergesetzt haben und es sicherlich negative Auswirkungen haben wird, wenn der Deal nicht durchkommt. Sicher ist, dass der Verwaltungsrat und das Management ziemlich durchgerüttelt würden.

Haben Sie bei einem Nein denn noch Lust weiterzumachen?
Meine Priorität ist Sunrise. Ich mache mir keine Gedanken über meine eigene Situation, sollte der Deal nicht durchkommen. Sunrise ist ein spannendes Geschäft, es gibt mehr als nur diesen Deal, und ich habe ein enges Verhältnis zu meinen Mitarbeitern. Ich kann Ihnen heute nicht sagen, was ich tun werde. Eine Ablehnung wird aber sicher Auswirkungen auf das Management und den Verwaltungsrat haben. Doch ich bin sehr zuversichtlich, dass wir gewinnen werden.

Woher nehmen Sie den Optimismus?
Das Geschäft ist heute attraktiver als bei der Bekanntgabe der Übernahme. So hat sich der Umsatzrückgang und der Verlust von TV- und Breitbandnetz-Kunden bei UPC verlangsamt. Sicher, es bleibt ein Rückgang, aber er ist weniger stark als erwartet. Zum Zweiten konnten wir das Synergiepotenzial auf 280 Millionen Franken erhöhen, davon 80 Prozent kontrollierbare Kosteneinsparungen.

Also auch Personalabbau?
Das ist nur ein Teil.

Wie viele Jobs fallen weg?
Es gibt Doppelbesetzungen vor allem auf Management- und Administrationsebene. Wir werden aber eine viel grössere Kundenbasis haben. Deshalb werden die Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitsplätze in den Shops und Callcenters und aufgrund des kleineren Filialnetzes von UPC sehr moderat sein.

Und wo sparen Sie dann Geld?
Der grösste Block ist, dass UPC und Sunrise der Swisscom nicht mehr jedes Jahr 150 Millionen Franken für die Nutzung der Netze zahlen müssen. Sunrise greift auf das Festnetz der Swisscom zurück, UPC nutzt das Mobilnetz.

Wie schnell kommen Sie von der Swisscom weg?
Der Umstieg der UPC-Kunden auf das Mobilnetz von Sunrise geht schnell, damit sparen wir 30 Millionen im Jahr ein. 120 Millionen zahlt Sunrise für die Nutzung des Swisscom-Festnetzes, hier wird der Umstieg etwas komplizierter. Denn die Kunden brauchen eine neue Box, es muss ein Techniker vorbeischauen, die Kunden müssen mitmachen. ­Daher erwarten wir, dass wir nur 25 Prozent dieser Festnetzkosten werden einsparen können.

Die Wettbewerbskommission hat die Übernahme auch ­deshalb genehmigt, weil die alten Kabelnetze durch die neuen 5G-Mobilnetze obsolet würden.
Das ist eine absurde These. Auch Freenet behauptet das ständig. 5G ist nur in der Lage, langsame Festnetzverbindungen wie ADSL und VDSL zu ersetzen. Unsere Netzpläne sehen vor, dass wir 90 Prozent der Haushalte mit schnellen 1-Gigabyte-Kabelverbindungen abdecken können, 10 Prozent im ländlichen Raum erreichen wir via 5G, um langsame Festnetzleitungen zu ersetzen. 5G wird aber noch lange nicht das leistungsfähige Kabelnetz ersetzen können.

Ziel der Integration ist, die Kundenbasis zu stabilisieren. Dafür brauchen wir bessere Angebote und auch gute Preise. Olaf Swantee, CEO von Sunrise

Wäre eine Mehrheit an der Generalversammlung nicht leichter zu erreichen, wenn Ihnen Liberty Global beim Preis entgegenkäme?
Liberty hat ganz klar kommuniziert, dass sie nicht bereit sind, den Preis neu zu verhandeln. Zudem war der Preis zuletzt bei den Aktionären nie ein Thema. Wenn wir dieses Projekt mit anderen Deals im Ausland vergleichen, ist der Preis sehr gut.

Gibt es noch andere Interessenten für UPC?
Wenn der Deal nicht durchgeht, könnte ich mir vorstellen, dass es in Zukunft andere Interessenten gibt.

Wer käme noch infrage?
Mit Salt gibt es in der Schweiz noch einen weiteren potenziellen Käufer. Als wir den Preis damals verhandelt hatten, wussten wir, dass Salt kein Wettbewerber ist. Denn Salt hatte noch zu ­viele Hausaufgaben zu machen. Aber irgendwann einmal sind sie sicher in einer guten Position.

Was hat eigentlich der Kunde von der Übernahme?
UPC-TV- und -Internet-Kunden bekommen sehr attraktive Mobilfunkangebote. Und umgekehrt. Die UPC-Kunden bekommen zudem besseren Service. Heute können sie nur in einen der 10 UPC-Shops gehen, wenn sie ein Problem mit der TV-Box haben. Nach der Übernahmehelfen wir ihnen auch in den 95 Sunrise-Shops.

Sinken auch die Preise?
Ziel der Integration ist, die Kundenbasis zu stabilisieren. Dafür brauchen wir bessere Angebote und auch gute Preise.

Die Fondsgesellschaft Axxion hat beantragt, Sunrise-Präsident Kurer an der Generalversammlung abzuwählen. Kommt der Antrag auf die Agenda?
Ja, dieses Traktandum finden Sie in der öffentlichen GV-Agenda.

Erstellt: 07.10.2019, 10:33 Uhr

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Der Dealmaker

Seit Anfang Mai 2016 ist Olaf Swantee Chef von Sunrise. Der 53-Jährige machte das Unternehmen zur Nummer zwei im Schweizer Telecommarkt. Zuvor leitete der niederländisch-schweizerische Doppelbürger den britischen Mobilfunkanbieter EE. Swantee ist mit einer Schwedin verheiratet und Vater von drei Kindern. (Red)

Milliardenschwere Übernahme auf der Kippe

Sunrise will UPC für 6,3 Milliarden Franken vom US-Konzern Liberty Global kaufen. So soll ein ebenbürtiger Wettbewerber für die Swisscom entstehen, der TV, Internet, Telefon und Mobilfunk aus einer Hand anbieten kann. Um den Kaufpreis zu stemmen, will Sunrise das Kapital um 2,8 Milliarden Franken erhöhen. Der Rest soll über Schulden finanziert werden. Zunächst wollte Sunrise eine Kapitalerhöhung um 4,1 Mil­­liarden beantragen, senkte den Betrag aber nach Kritik von Aktionären ab. Der grösste Einzelaktionär von Sunrise mit 24,5 Prozent der Anteile ist die deutsche Freenet. Das Unternehmen lehnt die Übernahme weiterhin ab. So bemängelt Freenet die Verwässerung durch die Kapitalerhöhung und zweifelt auch am strategischen Sinn. Am 23. Oktober müssen die Aktionäre entscheiden. Sie stimmen nicht über den Kauf an sich ab, müssen aber die dazu nötige Kapitalerhöhung genehmigen. Erforderlich ist eine einfache Mehrheit. (ali)

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