Eine einzige Zahl zeigt, wo Raiffeisens Problem liegt

Die Vincenz-Ära beschert der Bank einen Gewinneinbruch. Dabei fangen die Probleme jetzt erst an.

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle hat mit den Nachwehen der Vincenz-Ära zu kämpfen: Der Jahresgewinn ist 2018 um 41 Prozent auf 541 Millionen Franken gesunken.

Raiffeisen-Präsident Guy Lachappelle hat mit den Nachwehen der Vincenz-Ära zu kämpfen: Der Jahresgewinn ist 2018 um 41 Prozent auf 541 Millionen Franken gesunken. Bild: Walter Bieri/Keystone

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Die Briten nennen es «Kitchen sinking»: Eine neue Unternehmensführung nimmt alle Schwierigkeiten zusammen und packt sie bei Antritt in ihr Zahlenwerk. Nach diesem Muster verfährt auch die neue Führung bei der Raiffeisen-Gruppe um Verwaltungsratspräsident Guy Lachappelle und Firmenchef Heinz Huber.

Aufgrund der bereits im Januar angekündigten Wertkorrekturen auf die wilden Zukäufe der Vincenz-Ära sinkt der Jahresgewinn um 41 Prozent auf noch 541 Millionen Franken.

Immerhin: Mit der Aufarbeitung der Ära Vincenz kommt die Raiffeisen ordentlich voran. Die Schlüsselpersonen sind ausgetauscht, der interne Reformprozess, der die Machtverhältnisse besser zugunsten der Basisbanken gegenüber der Zentrale austarieren soll, ist aufgegleist.

Abhängigkeit vom Zinsgeschäft

Doch mit Blick auf das Bankgeschäft stehen Lachappelle und Huber erst ganz am Anfang. Ihr strategisches Problem lässt sich an einer einzigen Zahl ablesen: 70 Prozent.

So hoch ist der Anteil der Zinseinnahmen an den Gesamterträgen. Selbst die Postfinance hat mit 52 Prozent einen tieferen Wert, der aber immer noch als zu hoch gilt.

Vincenz wollte mit den Zukäufen von Fondsgesellschaften, der Privatbank Notenstein sowie der Beteiligung an Leonteq diese Abhängigkeit vom Zinsgeschäft senken. Das ging krachend daneben.

Die Chronik zum Raiffeisen-Skandal

So kam die Affäre Vincenz ins Rollen. (Video: Tamedia, SDA)

Nun müssen Lachappelle und Huber zeigen, dass sie bessere und vor allem weniger riskante Wege wissen, diese gefährliche Abhängigkeit zu reduzieren. Hierzu war von den Herren bis dato aber recht wenig zu hören.

Raiffeisens Hypotheken-Hunger

So kann es aber nicht weiter gehen: Raiffeisen fährt im Kerngeschäft der Hypothekenvergabe einen immer heisseren Reifen, und holt dabei immer weniger heraus: Die Ausleihungen wuchsen um 4 Prozent, der Marktanteil stieg weiter. Dennoch blieb – unter Ausblendung von Abschreibungen – nur ein Miniplus beim Zinsgeschäft von 1,7 Prozent übrig.

Der Schweizerischen Nationalbank ist Raiffeisens Hypo-Hunger schon lange ein Dorn im Auge. Sollten Lachappelle und Huber hier nicht bald gegensteuern, droht der Bank hier neuer, grosser Ärger. Wie heftig ein plötzlicher Anstieg der Zinsen mit anschliessendem Preiscrash am Immobilienmarkt die Bank in der derzeitigen Verfassung treffen würde, mag man sich gar nicht erst vorstellen.

Erstellt: 01.03.2019, 08:02 Uhr

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