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Eine vernünftige Scheidung

Eine Allianz von Rot-Grün und der SVP will, dass in der Schweiz die Banken aufgetrennt werden. Was das für die Institute bedeutet – und warum es für die UBS vermutlich sogar das bessere Modell wäre.

Das Investmentbanking passe nicht zum Rest des Bankengeschäfts, lautet der Vorwurf: Händler-Raum der UBS in Opfikon. (3. Oktober 2012)
Das Investmentbanking passe nicht zum Rest des Bankengeschäfts, lautet der Vorwurf: Händler-Raum der UBS in Opfikon. (3. Oktober 2012)
Martin Rütschi, Keystone
Gemächlicher geht es beim Kundengespräch in der Vermögensverwaltung zu und her: Beratung in einer UBS-Filiale. (Archivbild)
Gemächlicher geht es beim Kundengespräch in der Vermögensverwaltung zu und her: Beratung in einer UBS-Filiale. (Archivbild)
Keystone
Die grösste Schweizer Bank betreibt einen Teil des Investmentbankings in den USA: UBS-Sitz in New York. (4. Januar 2012)
Die grösste Schweizer Bank betreibt einen Teil des Investmentbankings in den USA: UBS-Sitz in New York. (4. Januar 2012)
Keystone
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Kurz vor seinem Tod hatte Nicolas Hayek einen denkwürdigen Auftritt: Zusammen mit Christoph Blocher und Christian Levrat trat er vor die Öffentlichkeit und forderte, dass auch in der Schweiz das Trennbankensystem eingeführt werde. Im Trubel der letzten Jahre ist diese Idee wieder untergegangen. Jetzt hat sie eine Allianz von Rot-Grün und SVP im Nationalrat wieder ins Gespräch gebracht.

Das Trennbankensystem ist keine exotische Idee von wirtschaftsunkundigen Politikern. Sehr prominente Banker sprechen sich ebenfalls dafür aus. Dazu gehören Paul Volcker, der ehemalige Präsident der US-Notenbank. Er geniesst dank seinem erfolgreichen Kampf gegen die Inflation höchstes Ansehen. Auch bedeutende Banker stimmen in den Chor der Trennbanken-Befürworter ein. Dazu gehören John Reed, der ehemalige CEO von Citicorp, und sein Nachfolger Sandy Weill, der später die Citigroup geformt hat. Reed und Weill haben sich dabei vom Saulus zum Paulus gewandelt. Sie gehörten einst zu den Architekten der Megabanken. Worum geht es?

Riskantes Investmentbanking

Die Geschäftsbanken machen das, was man sich gemeinhin unter einer Bank vorstellt. Sie sammeln Spargelder ein und geben Privaten und Unternehmen Kredite, sei es für Immobilien oder Investitionen. Die volkswirtschaftliche Bedeutung dieser Banken ist unbestritten und lässt sich am besten mit einem Stromhersteller vergleichen. Dann gibt es das Private Banking, die Vermögensverwaltung für Private, und das Asset-Management, die Vermögensverwaltung für Unternehmen. Auch darüber gibt es wenig Kontroversen. Sehr umstritten hingegen ist das Investmentbanking. Darunter versteht man drei Dinge: die Beratung der Unternehmen, etwa bei Fusionen und Übernahmen, die Produktion von komplexen Finanzinstrumenten und den Eigenhandel. Vor allem die letzten beiden sind spätestens seit der Finanzkrise verpönt. Der Nutzen der komplexen Finanzinstrumente wird infrage gestellt – Warren Buffett hat sich bekanntlich als «finanzielle Massenvernichtungswaffe» bezeichnet. Der Eigenhandel gilt als volkswirtschaftlich sinnloses Spekulieren auf Kosten des Steuerzahlers.

Dieser Eigenhandel war es vor allem, der die «Too big to fail»-Debatte ausgelöst hat. Er hat dazu geführt, dass die Investmentbanker zunächst riesige Gewinne in die eigene Tasche fliessen liessen und danach ebenso riesige Verluste den Steuerzahler berappen liessen. Das hat selbstredend grosse Empörung verursacht. Das volkswirtschaftlich wichtige Stromnetz – die Geschäftsbanken – müsse wieder vom Kasino – dem Investmentbanking – getrennt werden, lautet daher die Forderung von Volcker & Co. Diese Forderung wird nun auch von SP, Grünen und SVP erhoben.

Die Trennung war eine Erfolgsgeschichte

Historisch gesehen hat es dies schon einmal gegeben. In den USA wurde wegen des Glass-Steagall-Acts die Trennung der Investmentbanken vom übrigen Geschäft schon 1933 zum Gesetz erhoben. Erst 1999 wurde dieses Gesetz von Präsident Bill Clinton wieder aufgelöst. Mehr als 60 Jahre lang hat damit die grösste Volkswirtschaft der Welt bewiesen, dass Trennbanken und Marktwirtschaft durchaus kompatibel sind. Fairerweise muss allerdings hinzugefügt werden, dass die Trennung in den 1990er-Jahren schon sehr durchlöchert war und Präsident Clinton einen Zustand legalisierte, der de facto schon bestanden hatte.

Angenommen, es käme in der Schweiz ebenfalls zu einem Trennbankensystem. Was wären die Folgen für UBS und CS, die beiden Hauptbetroffenen?

Die UBS ist heute die grösste Vermögensverwaltungsbank der Welt. Mit dem Investmentbanking hat sie vor der Krise Verluste in der Höhe von über 50 Milliarden Franken eingefahren und musste von Staat und Nationalbank gerettet werden. Auch der Fall Adoboli geht auf die Kappe des Investmentbanking. Ein junger Händler verlor dabei mehr als zwei Milliarden Franken. All dies hat zu einem Umdenken geführt. Die UBS hat das Investment deutlich zurückgefahren und die Vermögensverwaltung zu ihrem Kerngeschäft erklärt. Das Investmenbanking solle bloss noch dienende Funktion haben, beteuert CEO Sergio Ermotti.

Die Kritik von Knight Vinke

Nicht alle sind jedoch überzeugt, dass die UBS auch tut, was sie sagt. Die Investorengruppe Knight Vinke wirft Ermotti vor, den grössten Teil des Investmentbanking ganz einfach in eine Bad Bank ausgelagert zu haben und die Aktionäre damit hinters Licht zu führen. Knight Vinke will daher unter den Aktionären Verbündete suchen und Druck aufbauen, damit sich die UBS tatsächlich in eine reine Vermögensverwaltungsbank verwandelt. Sie hält dies auch für das mit Abstand rentabelste Geschäftsmodell für die Grossbank.

Auch die CS hat ihr Investmentbanking in den letzten Jahren deutlich reduziert. Früher war der Kapitalbedarf zwischen Investment- und Private Banking etwa 60 zu 40 zugunsten des Investmentbanking, jetzt ist das Verhältnis ausgeglichen. Für die CS wäre jedoch ein Rückzug auf das reine Vermögensverwaltungsgeschäft weniger attraktiv als für die UBS. Sie wäre die klare Nummer zwei.

Fazit: Grundsätzlich ist auch in der Schweiz ein Trennbankensystem möglich. Für die UBS wäre ein Rückzug auf das Vermögensverwaltungsgeschäft möglicherweise sogar das bessere Geschäftsmodell. Die Auswirkungen auf die Arbeitsplätze dürften sich in Grenzen halten, die beiden Grossbanken betreiben ihr Investmentbanking vor allem in London und New York. Bei der Einführung eines Trennbankensystems würden die beiden somit zwar kleiner, aber wieder sehr viel schweizerischer werden.

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