Eisteefirma nennt sich Blockchain Corp. – Aktie geht durch die Decke

Der Krypto-Wahnsinn verhilft Unternehmen zu ungeahnten Höhen an der Börse.

Will vom Blockchain-Hype profitieren: Long Island Iced Tea.

Will vom Blockchain-Hype profitieren: Long Island Iced Tea. Bild: Long Island Iced Tea

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Die US-amerikanische Getränkefirma Long Island Iced Tea verkauft eigentlich, was der Name schon verrät: kalten Tee. Und das in allen möglichen Varianten: Mango, Himbeere, Guave, Honig. Jetzt ist das Unternehmen auf den Geschmack einer eher firmenfremden Sorte gekommen: Blockchain. Kürzlich benannte es sich in Long Blockchain Corporation um und reservierte die Domäne www.longblockchain.com.

Für die zuletzt unprofitable Firma lohnt sich diese Veränderung offenbar: Kurz nach der Umbenennung schoss die Aktie des Unternehmens an der US-Technologiebörse Nasdaq vorbörslich um 500 Prozent in die Höhe. Das Papier pendelte sich bei einem Plus von rund 275 Prozent im Vergleich zum Vortag ein.

In diesem Moment wurde der Name geändert und die Aktie schiesst in die Höhe:

BH- und Safthersteller setzen auf Blockchain

Der neue Name ist nicht nur Zier. Das Unternehmen will tatsächlich in den Krypto-Bereich vorstossen. Man wolle Partnerschaften schmieden und in andere Blockchain-Firmen investieren, heisst es in einer Mitteilung.

Die Long Island Iced Tea Company ist nicht die erste Firma, die vom Rummel um Blockchain profitieren will. In letzter Zeit sind besonders in den USA kleinere Firmen, die vormals Säfte, Sport-BHs oder sogar Sofas produzierten, auf den Hype aufgesprungen. Ihre Aktien kletterten allesamt. Der US-Börsenaufsichtsbehörde ist das suspekt: Sie hat mittlerweile eine Cyber-Unit eingerichtet, um gegen potenzielle Missbräuche im Bereich der Kryptowährungen vorzugehen.

Die BH-Firma, neu unter dem Namen Crypto Co., etwa wurde bis auf weiteres von der Börse suspendiert. In drei Monaten war die Aktie des Unternehmens um rund 17’000 Prozent gestiegen. Das, nachdem das Crypto Co. bekannt gab, einen Krypto-Handelsplatz eröffnen zu wollen.

«Befinden uns in einer Blase»

Einige vergleichen den Wahnsinn um die Blockchain-Technologie mit der Dotcom-Blase, die um die Jahrtausendwende platzte. Damals stiegen die Aktien von Unternehmen, die ein .com zu ihrem Namen hinzufügten ins Unermessliche.

«Es ist sehr ähnlich zu der Situation Ende der 1990er-Jahre», sagt Scott Nations, Autor des Buches «Eine Geschichte der USA in fünf Crashes» zu Bloomberg. «Firmen, die nichts mit dem Internet zu tun hatten, verschickten Medienmitteilungen mit der Nachricht, dass sie neu zu einer Internetfirma würden.» Die Reaktion an den Märkten sei ähnlich gewesen wie heute. Nations: «Diese Art von Firma, die ihren Wert in einem Tag verzehnfacht, nur weil sie sagt, dass sie jetzt eine Blockchain-Firma sei: Mir bestätigt das nur, dass wir uns in einer Blase befinden.»

Erstellt: 22.12.2017, 11:36 Uhr

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