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Elektroflieger – easy wird es nicht

Die Billigairline Easyjet will Elektroflugzeuge kommerziell nutzen. Doch bis die Technologie abhebt, wird noch einige Zeit vergehen.

Sauber und leise, aber noch eine Vision: Easyjets Elektroflieger. Visualisierung: Bill Gosbee
Sauber und leise, aber noch eine Vision: Easyjets Elektroflieger. Visualisierung: Bill Gosbee

Billiger, leiser, effizienter – im Wettstreit um Fluggäste und Erträge bemühen sich Airlines in erster Linie um Verbesserungen in diesen Bereichen. Im Zentrum stehen Sprit sparende Massnahmen, etwa durch Gewichtsreduktion oder technische Neuerungen an Triebwerken, Rumpf oder Tragflächen. Die Billigairline Easyjet will nun einen Schritt weiter gehen: Sie kündigte die Entwicklung eines Elektropassagierflugzeugs für die Kurzstrecke an. Als technischer Partner arbeitet sie mit dem amerikanischen Start-up Wright Electric zusammen, das bereits einen funktionstüchtigen elektrischen Flieger mit zwei Sitzen entwickelt hat.

Der Zeitplan ist ambitioniert: In rund zehn Jahren soll die Passagiermaschine entstehen. Sie könnte mit einer Reichweite von rund 540 Kilometern etwa ein Fünftel der Easyjet-Strecken abdecken – zum Beispiel ab der Schweiz die Strecke Genf–Paris. Die Kapazitäten des geplanten Fliegers: 120 bis 220 Sitze.

Der Heilige Gral der Luftfahrt

Easyjet-Chefin Carolyn McCall ist sich sicher, dass die Elektrotechnik in der Aviatik abhebt. «Erstmals können wir uns eine Zukunft ohne Flugbenzin vorstellen. Die Frage ist nicht, ob, sondern wann elektrische Flugzeuge die Kurzstrecken übernehmen.» An einem Medientag in London präsentierte die Airline bereits eine Visualisierung des künftigen Fliegers – inklusive Easyjet-Bemalung. Um lange Ladezeiten und damit Standzeiten der Flugzeuge zu verhindern, sollen die Batterien ausserhalb des Flugzeugs aufgeladen und unmittelbar vor dem Flug eingesetzt werden.

Elektroflieger sind derzeit so etwas wie der Heilige Gral der Luftfahrt. Zahlreiche Unternehmen und Forscher tüfteln an Lösungen, doch wirklich weit ist noch niemand. Forscher der Universität Stuttgart haben bereits mit einem batteriebetriebenen Flugzeug mit zwei Sitzen die Alpen überquert. Dennoch sei das rein elektrisch betriebene Flugzeug von einem heute nicht absehbaren Entwicklungssprung in der Batterietechnologie abhängig, sagt der für den Bereich verantwortliche Professor Andreas Strohmayer. Der Fokus liege bislang auf hybrid­elektrischen Antriebsformen, sprich einer Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor.

Airbus setzt auf Hybridantriebe

Das sieht man offenbar auch bei Boeing so. Der US-Flugzeugbauer unterstützt über seinen Investmentarm Horizon X das Start-up Zunum Aero. Dabei spannt Boeing mit der Airline Jetblue zusammen. Zunum baut an einem eher kleinen Hybridelektrojet. In den Flügeln sollen sich Lithium-Ionen-Batterien befinden. Zusätzlich werden die Flieger aber auch zwei Propeller am Heck haben. Laut Boeing befindet sich Zunums Jet noch in einem ganz frühen Stadium. Das Start-up selbst ist optimistischer. Firmenchef Ashish Kumar erklärte der ­«Seattle Times», das erste Flugzeug könne schon innerhalb der nächsten zwei Jahre abheben.

Auch Airbus arbeitete an einem Elektroflieger, ist aber nun auf Hybrid umgeschwenkt. Das Projekt E-Fan war 2011 ins Leben gerufen worden. Ursprünglich wollte Airbus 100 Stück des kleinen Zweisitzers bauen, um Erkenntnisse für den Bau eines grossen elektrischen Regionalflugzeugs zu gewinnen – wie es nun Wright Electric zu planen scheint. Doch Airbus sah im Projekt offenbar wenig Zukunftsträchtiges. Diesen März gab das Unternehmen bekannt, das E-Fan-Projekt wieder einzustellen, zugunsten eines «ambitionierteren Hybridmodells», wie Airbus seinen Mitarbeitern schrieb. Mehr ist bisher nicht bekannt.

Experten bezweifeln, dass E-Flieger bald abheben werden, mangels leistungsfähiger, leichter Batterien. «Tatsächlich sehe ich in den nächsten 20 Jahren für diese Anwendungen die geeignete Batterietechnologie noch nicht», sagt etwa Dirk Uwe Sauer, Professor für Speichersystemtechnik an der RWTH Aachen und dem Helmholtz-Institut Münster. Bei Easyjet und Wright Electric ist man sich der Herausforderungen bewusst. Man tüftle derzeit noch an der besten Batteriezusammensetzung, räumt Geschäftsführer Jeffrey Engler ein. Ein finanzielles Risiko geht Easyjet nicht ein: Die Partnerschaft sei derzeit noch nicht mit finanziellen Verpflichtungen verbunden. Primär gehe es darum, Know-how auszutauschen.

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