Elon Musks grösster Albtraum

Er tüftelt an selbstfahrenden Autos und will zum Mars fliegen. Seine Mitarbeiter schlafen derweil im Auto, um noch einen Parkplatz zu ergattern.

Überfüllter Parkplatz beim Elektroautohersteller: Tesla-Parkplatz.

Überfüllter Parkplatz beim Elektroautohersteller: Tesla-Parkplatz. Bild: Instagram/Teslaparkinglot

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Flüge zum Mars, eine superschnelle Magnetschwebebahn, selbstfahrende Autos: Die Pläne von Elon Musk sind futuristisch. Aber der Tesla-Gründer muss sich auch mit alltäglichen Problemen herumschlagen. Etwa mit Parkplätzen.

Berichten zufolge ist die Parksituation sowohl bei der Tesla-Fabrik im kalifornischen Fremont als auch beim Hauptsitz in Palo Alto «desaströs». Gibt es bei der Fabrik für 6000 Mitarbeiter nur rund 4500 Parkplätze, sind auch beim Hauptsitz nicht genügend Stellplätze vorhanden. Entsprechend sind die Zustände vor den Bürogebäuden.

«Grösster Albtraum»

Fotos zeigen Autos auf Kantsteinen, Stossstange an Stossstange aufgereiht, unter Absperrungen gequetscht oder quer auf Grünanlagen parkiert. Sogar zwischen den Parkreihen stehen Autos und blockieren die anderen Fahrzeuge. Ein entnervter Mitarbeiter betreibt mittlerweile einen Instagram-Account, auf dem er die schlimmsten Parksituationen postet, die andere ihm zuschicken.

«Im Fall einer Zombie-Apokalypse sind wir alle am Ende. Ausser Sie denken, dass es auch eine Todesfalle ist, via Auto zu fliehen», schreibt der Betreiber zu einem Bild des Parkplatzes beim Hauptsitz. Ein anderes Bild zeigt, wie ein in der Not falsch parkiertes Auto abgeschleppt wird:

#tbt the good ol' dayz

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Bei Spacex, dem Raumfahrtunternehmen Musks, sind die Zustände offenbar ähnlich. Musk nannte das Thema Parkieren bei einem Telefonat mit Analysten zuletzt gar seinen «grössten Albtraum». Ähnliche Worte findet die Feuerwehr in Palo Alto. Bei medizinischen Notfällen im Hause Tesla seien Rettungskräfte mehrfach nicht zum Gebäude gekommen, weil Fahrzeuge den Eingang blockiert hätten.

Mitarbeiter schlafen in ihren Autos

Die Parkplatznot sei derart gross, dass einige Mitarbeiter früher zur Arbeit kämen und in ihrem Auto schliefen, um noch einen Parkplatz zu ergattern, schreibt das «Wall Street Journal». Er verlasse sein Haus um 3.25 Uhr früh, um eine Stunde vor dem Beginn seiner Schicht um 5.25 Uhr beim Büro zu sein, sagt ein Fabrikmitarbeiter. Andere Menschen warteten in ihrem Auto, bis jemand seinen Platz verlasse, um nachzurücken.

Es habe gar Absprachen unter den Mitarbeitern gegeben. «Angestellte gingen exklusive Beziehungen ein, und die Bezahlung erfolgte in Form von Bargeld, Zigaretten oder Hilfe bei der Autoreparatur am Wochenende», berichtet die ehemalige Mitarbeiterin Marissa Peretz dem «Wall Street Journal». Alles für einen Parkplatz vor dem Büro.

Parkplatzmanager gesucht

Tesla selbst hat eigene Shuttlebusse mit Wifi eingesetzt, um die Parkanlagen zu entlasten. Ausserdem ermuntert das Unternehmen Mitarbeiter, Velos oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Das scheint aber nicht zu genügen: Musk will das Problem nun mit einem Parkplatzmanager angehen. Ein entsprechendes Jobprofil ist derzeit ausgeschrieben. Dieser soll sich um die «Entwicklung, Verwaltung, Optimierung, strategische Ausrichtung und Überwachung der Parkplätze» kümmern. Ausserdem soll er neue Ansätze finden, um den Ansturm auf die Parkplätze zu reduzieren.

Mitarbeiter haben bereits darüber philosophiert, ob Tesla die Parkplatznot nicht extra herbeigeführt habe. Schliesslich arbeitete der Konzern an selbstfahrenden Autos, die künftig auch das Parkplatzproblem lösen sollen. Theoretisch sollen diese Autos künftig selbstständig wegfahren und sich einen Parkplatz suchen können. «Die Situation schafft Motivation, autonomes Fahren so schnell wie möglich Realität werden zu lassen», sagt ein Tesla-Mitarbeiter mit einem Augenzwinkern.

Parkplatz als wirtschaftlicher Indikator

Parkplätze werden im Silicon Valley auch als Indikator dafür gesehen, wie gut es einem Unternehmen geht. Parkplätze und Bürogebäude standen etwa nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 leer, ausgestorbene Parkplätze bei Yahoo sollen Probleme beim kriselnden Konzern signalisieren.

Bei Tesla ist nun das Gegenteil passiert: Die Anzahl der Angestellten ist in den letzten zwei Jahren um rund 75 Prozent auf mehr als 17'000 Personen gewachsen. Im Hauptquartier rechnete Tesla zunächst mit 350 Mitarbeitern. Platz gebe es allerdings für 650 Personen. Wie viele Menschen tatsächlich im Gebäude arbeiten, ist nicht bekannt. Nur, dass die Anzahl Parkplätze auf 600 limitiert ist. Den Fotos nach zu schliessen, dürfte diese Zahl bei weitem gesprengt worden sein. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.03.2018, 17:07 Uhr

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