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Emmi verzichtet auf den «Gruyère made in USA»

Der Schweizer Milchverarbeiter wollte die Produktion von Gruyère-Käse in den USA um 1700 Tonnen ausweiten – und löste damit grosse Empörung aus. Nun lenkt Emmi ein.

Der Käse des Anstosses: In Kaltbach (LU) wird ein Laib Gruyere beschriftet.
Der Käse des Anstosses: In Kaltbach (LU) wird ein Laib Gruyere beschriftet.
Keystone

Der Milchverarbeiter Emmi nennt seinen in den USA produzierten Käse ab anfang Mai 2013 nicht mehr nach dem Schweizer Traditionsprodukt. Zudem will Emmi sich in den USA für den Schutz der Marke «Gruyère» engagieren.

Das teilte die Schweizerische Herkunftsbezeichnungsvereinigung der AOC-IGP heute Abend mit. Die Vereinigung zeigte sich sehr zufrieden mit dem Verzicht. Als die Nummer Eins der Schweizer Milchverarbeiter nehme Emmi seine Verantwortung wahr und zeige Respekt gegenüber einem einheimischen Qualitätsprodukt.

Uhrenindustrie als gutes Beispiel

Die Tatsache, dass Emmi in den USA zukünftig auf die Bezeichnung «Gruyère» verzichtet, stärke die Glaubwürdigkeit des AOC-Schutzes in den USA, welche solche Bezeichnungen nicht anerkennen. Emmi ist der grösste Produzent von nicht mit einer Herkunftsbezeichnung AOC geschütztem Greyerzer Käse.

Lösungsmöglichkeiten für den Schutz von Käse und anderen Produkten in den USA sieht die Vereinigung im Beispiel der Uhrenindustrie. Diese habe die Eintragung der beiden Marken «Swiss Watch International» und «Swiss Legend» in den USA verhindert.

Gegner der geografischen Angaben zur Herkunft eines Produktes kritisierten immer wieder, diese seien Ausfluss des alten Europas, schreibt die Vereinigung weiter. Die Anzahl der geschützten Produkte nehme aber laufend zu. Auch in den USA steige das Interesse, so würden nach und nach eigene Vereinigungen gegründet.

Scharfe Resolutionen verabschiedet

Der Entscheid von Emmi, in den USA die Produktion von Gruyère- Käse um bis zu 1700 Tonnen auszuweiten, war in der Schweiz weitherum auf Empörung gestossen. Die Kantonsparlamente von Freiburg und der Waadt verabschiedeten scharfe Resolutionen gegen das Unterfangen - einstimmig und über alle Parteigrenzen hinweg. Auch die Schweizer Produzenten protestierten heftig.

Der in den USA hergestellte Käse konkurrenziere den Schweizer Gruyère AOC und trage zu einer Verwässerung der Marke bei, hiess es bei der Sortenorganisation Gruyère.

Emmi-«Gruyère» für Gastronomie gedacht

Unter dem Namen Grand Cru Gruyère produzierte Emmi in den USA seit der Übernahme von Roth Käse Anfang 2009 drei Käsesorten. Mitte April wurde bekannt, dass das Unternehmen seine Produktion ausweiten will.

Die Käse wurden zwar als Gruyère verkauft, basierten jedoch auf pasteurisierter Milch aus den USA, die etwa halb so teuer wie in der Schweiz ist. Das Original hingegen ist ein Rohmilchkäse.

Damit wollte Emmi nach eigenen Angaben dem Original-Gruyère nicht schaden, vertreibt das Unternehmen doch selbst 80 Prozent des Gruyère AOC in den USA. Der Pseudo-Gruyère in den USA wäre für Gastrobetriebe gedacht gewesen.

Mit dem Verzicht von Emmi verschwindet die Sortenbezeichnung «Gruyère» bei der US-Konkurrenz oder im Handel keineswegs, teilte Emmi zu seinem Entscheid mit.

SDA/fko

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