Ende des Hyperwachstums bei Apple

Apple hat die iPhone-Verkäufe im Weihnachtsgeschäft kaum noch steigern können. Das magere Wachstum von 0,4 Prozent zeigt: Auch Apple wächst nicht in den Himmel.

Apple erwirtschaftet einen Viertel seines Umsatzes in China: Eine Frau in Peking mit einem iPhone. (28. Januar 2015)

Apple erwirtschaftet einen Viertel seines Umsatzes in China: Eine Frau in Peking mit einem iPhone. (28. Januar 2015) Bild: Keystone

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Die Verkaufs- und Gewinnzahlen des Winterquartals wurden mit grösster Spannung erwartet. Apple gilt als Gradmesser für andere Hightech-Firmen und ist aktuell von besonderem Interesse, weil der Konzern einen Viertel des Umsatzes in China erwirtschaftet und somit zeigt, wie stark die dortige Wirtschaftsschwäche in den USA zurückschlägt.

Apple ist immer mehr eine iPhone-Unternehmung, dem iPhone verdankt der Konzern zwei Drittel des Umsatzes und seine satten Gewinnmargen. Dank dem Grossbildschirm-Gerät kam es letztes Jahr zu einem Boom, der nun aber deutlich wurde. Der Verkauf erreicht im vergangenen Quartal das geringste Wachstum seit Einführung des iPhones im Jahr 2007.

Apple geht die Puste aus: Umsatzrückgang beim US-Technologieriesen. (Video: Reuters)

Abgesetzt wurden 74,7 Millionen Geräte, fast zwei Millionen weniger als Analysten erwartet hatten. Apple erzielte insgesamt einen Quartalsumsatz von 75,9 Milliarden Dollar. Das sind nur noch 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr und damit der geringste Zuwachs in vier Jahren. Immerhin stieg der Gewinn um fast zwei Prozent auf 18,4 Milliarden Dollar. Apple bleibe enorm profitabel. Mit einer Marge von fast 40 Prozent sticht der Konzern alle Mitwerber deutlich aus. Nur Samsung kann einigermassen mithalten.

Hart gelandet

Doch von Apple sind sich die Anleger nur Superlative gewohnt, wie Konzernchef Tim Cook am Dienstagabend einräumte und zugleich relativierte. «Wir leben nicht in 90 Tage-Quartalen, und wir investieren nicht in 90 Tage-Quartalen. Ich bin total überzeugt, dass wir alles richtig machen und wir nach wie vor über enorme Werte verfügen.»

Vorderhand aber sind die Prognosen nicht so rosig wie gewohnt. Cook berichtete, dass Apple im laufenden Quartal nur mit 50 bis 53 Milliarden an Umsatz rechnet, klar weniger als die 56 Milliarden, die von Analysten budgetiert worden waren. Treffen die Erwartungen von Apple zu, so ist derzeit der grösste Rückschlag seit dem Sommer 2002 im Gang.

China ist Dreh- und Angelpunkt

Die zentrale Herausforderung für Tim Cook: Wie kann er das Wachstum in China aufrechterhalten, ohne das iPhone zu einem billigeren, weniger profitablen Massenprodukt zu machen? Die Antwort ist nicht einfach, aber sehr entscheidend dafür, ob Apple die Grenzen seines Geschäftsmodelles erreicht hat.

Noch im vergangenen Neujahr verkaufte Apple in China mehr iPhones als in den USA. Hier erzielte der Konzern im abgelaufenen Geschäftsjahr auch bereits einen Viertel des gesamten Umsatzes und konnte den Marktanteil im Smartphone-Markt von fünf auf elf Prozent anheben. Marktführer sind die lokalen Xiaomi- und Huawei-Geräte. Während Apple im Rest der Welt im vergangenen Jahr um noch 16 Prozent zulegte, hoben die Verkäufe in China um 84 Prozent ab.

Das iPhone ist in China noch ein grösseres Symbol der Arrivierten als in anderen Ländern, vergleichbar mit teuren Prada-Handtaschen oder Rolex-Uhren. Der hohe Preis macht es zum Kultobjekt der Neureichen und Statusfixierten. Der Startpreis für das iPhone 6 liegt bei umgerechnet 800 Dollar, was bei einem Jahres-Einkommen für die Gutverdienenden von 16’000 bis 30’000 Dollar spürbar zu Buche schlägt. Für Angestellte auf dem Land aber, die pro Monat mit weniger als 200 Dollar auskommen müssen, ist das iPhone untragbar. Sie kaufen gebrauchte Geräte ohne Smartphone-Funktionen für weniger als 15 Dollar.

Sättigung erreicht

Doch nun steckt China mitten in einem massiven Abschwung, der sich seit Monaten auch bei Apple bemerkbar macht. Der Konzern musste seit Herbst mehrmals Aufträge an Zulieferfirmen in Asien und an die Foxconn-Fertigungswerke kürzen. Die Aktionäre reagierten nervös auf diese Meldungen und stuften den Börsenwert des Unternehmens seit dem vergangenen Sommer von 736 Milliarden auf noch 552 Milliarden Dollar zurück.

Dieser Verlust spiegelt die Sorge um den Absatzmarkt und wirft die Frage auf, ob Apple den dortigen Luxusgütermarkt bereits ausgeschöpft hat. Cowen-Analyst Timothy Arcuri ist davon überzeugt: «Apple hat in China den Marktanteil weitgehend erreicht, den es zu holen gibt», sagt er dem «Wall Street Journal».

Buhlen um die Gunst

Dabei hatte Apple alles getan, um sich die Gunst der chinesischen Machthaber zu sichern. So unterzog sich der Konzern einer Selbstzensur, um amtlich chinesische Befindlichkeiten nicht zu verletzen. Anwendungen mit einem Bezug zum Dalai Lama oder zu politischen Aktvisiten wurden unterbunden, die Apple News-Applikation gesperrt.

Dafür eröffnete Tim Cook ein Konto bei Sina Weibo, der chinesischen Version von Twitter. Im Gegenzug konnte er 2014 einen wichtigen Kooperationsvertrag mit China Mobile abschliessen und den Zutritt zum grössten mobilen Netzwerk des Landes sichern. Andere US-Techkonzerne dagegen straucheln. Amazon hat Mühe, sich gegen lokale Konkurrenten wie Alibaba und Baidu durchzusetzen. Qualcomm und Microsoft sind Zielscheiben von Antikartell-Ermittlungen. Und die Webseiten von Twitter, Facebook und Google sind in China nicht direkt anwählbar. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2016, 23:41 Uhr

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