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Es drohen neue Schocks

Ein Erdbeben von solcher Wucht hat die Wallstreet seit den Dreissigerjahren nicht mehr erlebt. Weiter Turbulenzen sind so gut wie sicher.

Mit Merrill Lynch und Lehman Brothers sind innerhalb einer Nacht gleich zwei traditionsreiche Namen im Investmentbanking von der Bildfläche verschwunden.

Die vor über einem Jahr ausgebrochene Finanzkrise hat damit eine neue Dimension erreicht: Nach den dramatischen Geschehnissen von gestern wird die globale Finanzordnung, wie sie bis 2007 herrschte, nie mehr wiederkehren. Zu gross sind die tektonischen Verschiebungen in der Bankenwelt, zu zerstörerisch die frei werdenden Kräfte. Dagegen kann auch ein amerikanischer Finanzminister mit der Staatskasse der weltgrössten Volkswirtschaft nichts ausrichten.

Diese Einsicht ist bei Henry Paulson noch rechtzeitig gereift. Es war in der Tat höchste Zeit, dass er eine klare Linie gezogen hat. Sein demonstratives Abseitsstehen bei Lehman hat die zweite nächtliche Umwälzung an der Wallstreet erst ermöglicht: die hastig eingefädelte Übernahme der ebenfalls angeschlagenen Merrill Lynch durch die Bank of America. Auch dieser Schritt trägt zum überfälligen Kapazitätsabbau im Investmentbanking bei.

Dennoch birgt der Untergang von Lehman erhebliche Risiken. Für manch eine Bank, die bisher glaubte, sie sei zu wichtig, um fallen gelassen zu werden, wird es jetzt (noch) schwieriger und teurer, neue Kredite zu bekommen. Davon abgesehen, war Lehman ein bedeutender Akteur im Kreditderivate-Geschäft, dessen Volumen unvorstellbare 60'000 Milliarden Dollar übersteigt. Neue Turbulenzen in diesem Markt sind programmiert – und schon relativ geringe Kursverluste dort können bei einzelnen Banken neue Milliardenlöcher in die Bilanz reissen.

Die davon ausgehenden Schockwellen werden auch in Europa und der Schweiz zu spüren sein. An wen die Anleger dabei sogleich denken, offenbarte der gestrige Taucher der UBS-Aktie um über 14 Prozent. Deutlicher lässt sich kaum veranschaulichen, wie gering das Vertrauen der Anleger ins Management der Grossbank nach wie vor ist. Machen wir uns auf weitere böse Überraschungen gefasst.

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