Es geht nur um Schutz der US-Industrie

Im Streit mit Huawei dienen Sicherheitsfragen dem Präsidenten als Vorwand. Der weltgrössten Wirtschaftsnation wird bewusst, dass sie bei 5G den Anschluss verpasst hat.

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Noch so ein plötzlicher Richtungswechsel von Donald Trump. «Wenn wir einen Deal machen sollten, kann ich mir vorstellen, dass Huawei in irgendeiner Form und in irgendeinem Teil eines Handelsabkommens einbezogen sein wird», sagte der US-Präsident Ende letzter Woche.

Ach, tatsächlich? Huawei, mit dem US-Unternehmen keine Geschäfte mehr machen dürfen, weil der Präsident es auf eine schwarze Liste setzte – und dafür ausserordentliche exekutive Vollmachten anwendete? Huawei, vor dem der US-Aussenminister und US-Botschafter Verbündete in aller Welt warnten, bis einige Länder die Chinesen aus ihrem 5G-Netz verbannten? Diese massive Bedrohung soll ausgerechnet durch «irgendeinen Teil eines Handelsabkommens» gebannt werden?

Die Trump-Aussage zeigt, dass es in dem seit Monaten eskalierenden Streit um Huawei eben doch nicht um Sicherheits­fragen geht, sondern um den Versuch der USA, ihre Industrie vor einem Konkurrenten zu schützen. Denn US-Unternehmen haben bei der Entwicklung der neuen Technologie für Mobilfunk geschlafen.

Kaum Konkurrenz für Huawei

Viel zu spät ist ihnen bewusst geworden, dass 5G mit superschnellen Funkleitungen und der Vernetzung von Milliarden von Geräten unser Leben grundsätzlich verändern wird. Selbstfahrende Autos, intelligente Fabriken, ferngesteuerte Kühlschränke und Dutzende Anwendungen, von denen wir heute noch nicht mal träumen – es geht um Geschäftsfelder, in denen Hunderte Milliarden Dollar zu verdienen sind.

Aber kein einziger US-Konzern bietet eine 5G-Infrastruktur an. Huawei konkurrenzieren können nur noch Ericsson aus Schweden und Nokia aus Finnland. ZTE, ebenfalls aus China, und Samsung aus Südkorea spielen eine geringere Rolle. Und Huawei liegt um Längen vor den Konkurrenten. Seine Geräte sind besser und günstiger, es hat mehr in die 5G-Entwicklung gesteckt als alle andern, grosszügig unterstützt vom chinesischen Staat.

Können wir uns wirklich sicher sein, dass unsere Computer vor Spionen aus den USA sicher sind?

Seit Jahren dominieren Ingenieure von Huawei und anderen chinesischen Konzernen die internationalen Konferenzen, bei denen die 5G-Standards festgelegt werden. Mehr als 1500 jener Patente, die für die Betreibung der neuen Netze von zentraler Bedeutung sind, hält Huawei. Insgesamt lassen chinesische Konzerne bei der Zahl der Patente die europäischen und amerikanischen Wettbewerber weit hinter sich.

Die USA haben Huawei schon seit Jahren als bedrohlichen Konkurrenten im Visier. NSA-Dokumente, die Whistleblower Edward Snowden öffentlich machte, belegen, dass der Geheimdienst 2010 in die Computernetzwerke von Huawei einzudringen versuchte. Ziel war es, die Geräte der Chinesen, die weltweit installiert werden, zu nutzen, um dort Informationen zu sammeln – Huawei-Geräte sollten eine NSA-«Hintertür» haben.

Vor solchen «Hintertüren» in der Soft- und Hardware von Huawei warnen nun die USA. Die NSA ihrerseits wollte sie bei Apple, Microsoft und anderen US-Technologiekonzernen einrichten lassen. Angeblich gelang das nicht. Aber können wir uns wirklich sicher sein, dass unsere Windows-Computer vor Spionen aus den USA sicher sind?

Erstellt: 26.05.2019, 19:05 Uhr

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