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«Es gibt Alternativen zu Zürich»

Zu kurze Pisten, verschärfte Lärmschutzauflagen und ein fehlgeleiteter Richtplan: Der Swiss-Chef warnt, dass Zürich zum Provinzflughafen verkommen könnte.

Soll sich mit den vielen Restriktionen selbst schaden: Flughafen Zürich.
Soll sich mit den vielen Restriktionen selbst schaden: Flughafen Zürich.
Keystone

Die verschärften Lärmschutzauflagen bereiten dem Swiss-Chef Harry Hohmeister schon länger Kopfzerbrechen. Jetzt drohen gemäss der «SonntagsZeitung» auch noch Kapazitäts­engpässe beim Zürcher Flug­hafen: Der neue Richtplan, der die langfristige Gestaltung des Flughafens festlegt und bis Ende Monat zur Vernehmlassung aufliegt, zementiert laut Hohmeister den Status Quo, statt Ausbaumöglichkeiten zu eröffnen.

In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» bestätigt der Swiss-Chef, dass Zürich zu einem Provinzflughafen verkommen könne: «Die Gefahr besteht, dass der Flugverkehr nach ­München oder Wien abwandert», warnt Hohmeister. Das bedrohe das ­Drehkreuz Zürich: «Die Gefahr, besteht, dass Verkehr abwandert. Es gibt Alternativen zu Zürich.»

Pisten, die zu kurz sind

Den Standort für die Flugzeuge, welche die Swiss kürzlich für eine Milliarde Franken geordert hat, sieht Hohmeister aber nicht gefährdet. Er glaubt, dass dieser Ausbau noch in der bestehenden Infrastruktur eingebettet werden kann. Längerfristig müsse der Flughafen aber ausgebaut werden. So fände Hohmeister es sinnvoll, das ganze Pistensystem in Kloten zu überdenken: «Wir haben Pisten, die sich unnötigerweise kreuzen oder zu kurz sind für die heutigen Bedürfnisse». Eine Wirtschaft, die wachsen will, ziehe auch ein gesteigertes Mobilitätsbedürfnis nach sich - dagegen habe wohl auch keiner etwas einzuwenden.

Die Engpässe bekommen Kunden der Swiss schon regelmässig zu spüren: Gemäss der Zeitung «Sonntag» seien bisher 625 Passagiere Opfer der Nachtflugsperre geworden, die seit Ende Juli in Kraft getreten ist. Anstatt um 24 Uhr wird der Betrieb neu bereits um 23 Uhr eingestellt. 307 Passagiere haben so ihren Anschlussflug verpasst und mussten in Hotels untergebracht werden. Weitere 318 Passagiere mussten mit Ersatzbussen oder Ersatzflugzeugen weitertransportiert werden.

Flughafen-Chef Thomas Kern sieht das Problem ein: «Bereits heute haben wir in den Spitzenzeiten keine verfügbaren Slots mehr», klagt er. Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse lehnt den Richtplan rundheraus ab. «Er wirkt wie eine Plafonierung», sagt Präsident Gerold Bührer. Der Thurgauer Regierungsrat ­Jakob Stark (SVP), der gegen mehr Fluglärm kämpft, kontert den Swiss-Chef: «Wenn die Swiss eine Milliarde Franken in neue Flugzeuge investiert, gehe ich davon aus, dass sie mit den Rahmenbedingungen gut leben kann.» Die Angst vor Engpässen teilt Stark nicht.

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