So startete der neue Schweizer TV-Sender

CNN Money Switzerland ist seit Mittwochabend auf Sendung. Was bringt der englischsprachige Kanal?

Die vier Aushängeschilder von CNN Money Switzerland: Die Moderatorinnen Ana Maria Montero, Martina Fuchs, Hannah Wise und Amanda Kayne (von links nach rechts):

Die vier Aushängeschilder von CNN Money Switzerland: Die Moderatorinnen Ana Maria Montero, Martina Fuchs, Hannah Wise und Amanda Kayne (von links nach rechts): Bild: ZVG

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Ein pompöser Jingle dröhnt aus dem Lautsprecher. Moderatorin Hannah Wise steht im Studio und begrüsst die Zuschauer: «Good evening, this is CNN Money Switzerland». Sie tritt sympathisch, eloquent und kompetent auf und erzählt den Zuschauern, was an der Schweizer Börse den Tag über für Gesprächsstoff gesorgt hat. Sie nennt etwa die hohe Busse für Qualcomm, die den Aktienkurs von Zulieferer AMS nach unten gezogen hat. Dann kommt Wise auf die guten Resultate von Novartis zu sprechen. Hier wird ein Mini-Gespräch eines Reporters mit dem designierten Konzernchef Vas Narasimhan eingespielt. Es ist ein starker Moment, dass hier gleich die wichtigste Person des Tages vor die Kamera gebracht werden konnte.

Die Schweiz hat seit Mittwochabend um 18 Uhr einen neuen Fernsehsender. Einen auf dem keine Landessprache gesprochen wird, sondern nur Englisch. Einen, der sich vor allem auf Wirtschafts- und Politikthemen fokussiert. Die Regie ist perfekt, das Ambiente professionell, die Berichterstattung solide. Von einer helvetischen DNA, welche die Macher stets betonen, ist in den ersten Stunden allerdings noch wenig zu spüren. Die Sendungen könnten genauso auf CNN, CNBC oder einem anderen englischsprachigen Nachrichtenakanal ausgestrahlt werden.

Unglücklich gewählter Gast

Als Startpunkt hat sich CNN Money Switzerland das WEF in Davos ausgesucht. Das hat den Vorteil, dass man illustre Gesprächsgäste quasi aus der Menge pflücken kann. Normalerweise wird aus Studios in Zürich, Genf und Gland gesendet. Als erster grosser WEF-Besucher wird vom neuen TV-Kanal dann aber keine Wirtschaftsgrösse angekündigt, sondern der CNN-Moderator Richard Quest. Der hat zwar Kultcharakter. Aber es wirkt immer merkwürdig und etwas ideenlos, wenn Journalisten ihresgleichen interviewen. Quests Analyse zum Weltwirtschaftsforum ist denn auch ziemlich erwartbar. Wer nicht zuschauen müsste, würde hier wohl wegzappen.

Schnitt. Es folgt ziemlich unverhofft ein eingespieltes, längeres Interview mit Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner. Die Fragen sind ein breites Potpourri von Trump über Steuerfragen bis hin zur Lage bei der Bank selbst. Danach folgt ebenso unverhofft gleich nochmals ein Interview, dieses Mal mit ABB-Chef Ulrich Spiesshofer. Hier hat man das Gefühl, dass es einfach darum ging, grosse Namen auf den Bildschirm zu bringen zu, um Quantität statt Qualität. Die Gespräche sind beliebig und wenig tiefschürfend.

Drei Stunden Hauptprogramm

Ab 19 Uhr übernimmt Moderatorin Amanda Kayne. Ihre Einleitung über den Tag am WEF wirkt arg protokollarisch. Davon bleibt wenig haften. Erneut wird eine Frage an den künftigen Novartis-Chef Narasimhan eingespielt. Warum nun nochmals, erschliesst sich dem Zuschauer nicht. Es wirkt wie ein Fremdkörper. Danach kommt Kayne wieder aufs Weltwirtschaftsforum zu sprechen. Es fallen sie Stichworte Merkel, Macron und Trump. Erst danach leitet sie auf einen längeren Themenblock über - was der Besuch des US-Präsidenten für die Beziehungen Schweiz - USA bedeuten könnte. Dazu werden einige WEF-Gäste befragt.

Höhepunkt ist das Interview mit Bundesrat Johann Schneider-Ammann, der hofft, in Davos «ein paar Sätze mit Trump wechseln zu können» und ihm sagen will, dass «die Schweiz für Freihandel steht». Und dann sagte der Schweizer Wirtschaftsminister auch noch, dass er Trump-Tochter Ivanka bewundert. Sie sei bei seinem Treffen sehr gut informiert und auch interessiert gewesen. In die Tiefe geht es dann erstmals im gut geführten Gespräch von Kayne mit Ex-Botschafter Thomas Borer und Ex-Professor Daniel Warner. Erstmals geht CNN Money Switzerland etwas in die Tiefe und kratzt nicht nur an der Oberfläche. Erstmals wird CNN Money Switzerland schweizerisch.

15 Frauen und 15 Männer versorgen ab jetzt das Land täglich mit Nachrichten, Sportberichten und Wetterprognosen. Kern des Programms von CNN Money Switzerland ist die Live-Sendung «The Swiss Pulse» von 18 Uhr bis 21 Uhr. Sie fokussiert sich in der ersten Stunde auf das Geschehen an den Finanzmärkten in der Schweiz und im Ausland, in der zweiten auf ein «aktuelles Thema auf, das wirtschaftliche, politische oder gesellschaftliche Auswirkungen auf die Schweiz hat» und in der dritten auf ein Interview mit einer «Persönlichkeit aus Wirtschaft und Politik, einer internationalen Organisation oder aus Sport und Kultur».

Danach werden vorbereitete Beiträge zu Lifestyle, Gesundheit, Bildung, Auto und internationales Geschehen in Genf ausgestrahlt, die Hauptsendung wiederholt und Sendungen von CNN International übernommen.16 Journalisten, drei Kameraleute, drei Techniker, zwei Grafiker und sechs Manager und Verwaltungsangstellte arbeiten für den Sender. CNN Money Switzerland soll aber mehr als einfach nur ein Fernsehkanal sein. «Wir betrachten uns als digitale Plattform und stützen uns nicht alleine auf TV-Zuschauerzahlen ab», sagt Firmenchef und Gründer Christophe Rasch. Die Inhalte werden auch über die eigene Webseite, Facebook, Twitter, Linkedin, Youtube, Instagram und Dailymotion in die Welt getragen. Gleich zum Start gab es dabei aber technische Probleme - die Übertragung im Netz klappte während ein paar Minuten nicht. Startprobleme halt.

Nicht nur TV-Sender

CNN Money Switzerlands Zielgruppe sind Entscheidungsträger. «Unsere Beiträge richten sich an Führungskräfte und Meinungsbildner aus Politik und Wirtschaft und wir gehen mit unseren Inhalten dorthin, wo unser Publikum im Laufe des Tages ist, nämlich auf digitalen Plattformen und sozialen Netzwerken», sagt Rasch. Das Bonmot aus der Branche, dass man auf jedem Sender die Einschaltquote killen kann wenn man etwas zur Wirtschaft zeigt, will er nicht gelten lassen. «In einer Schweizer Medienlandschaft im Umbruch füllen wir die Lücke eines nationalen englischsprachigen Multimedia-Wirtschaftskanals mit internationaler Reichweite», sagt der Patron. Er hat selbst früher unter anderem beim TSR gearbeitet und für den inzwischen in «Tages-Anzeiger»-Mutter Tamedia aufgegangenen Westschweizer Verlag Edipresse das Waadtländer und Freiburger Lokalfernsehen La Télé aufgebaut.

Geld scheint vorerst keine Rolle zu spielen. Rasch und das Management sind die Hauptinvestoren, daneben ist Industriellensohn Haque Sikder aus Bangladesh mit 20 Prozent beteiligt. «Bei diesem Projekt geht es nicht darum, so schnell wie möglich die Gewinnschwelle zu erreichen», sagt der Chef von CNN Money Switzerland. Man habe Zeit, die Plattform aufzubauen und weiterzuentwickeln. «Wenn wir gute Arbeit leisten, werden wir erfolgreich und profitabel sein.»

Verbesserungspotenzial

CNN Money Switzerland ist ganz gut gestartet. Die Sendungen sind seriös und technisch einwandfrei. Die Inhalte sind auf Branchenstandard. Um wirklich ein Publikum finden zu können, braucht es aber mehr. Zum Beispiel Charakter, zum Beispiel Überraschung, zum Beispiel Kohärenz, zum Beispiel Humor.

Erstellt: 24.01.2018, 20:50 Uhr

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