Es trifft die grösste Airline Afrikas

Das Boeing-Unglück schwächt mit Ethiopian eine stark wachsende Airline mit gutem Rating. Der tödliche Absturz ist allerdings nicht der erste.

Ethiopian wurde auch schon «die Perle der afrikanischen Luftfahrt» genannt. Foto: Reuters

Ethiopian wurde auch schon «die Perle der afrikanischen Luftfahrt» genannt. Foto: Reuters

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Der Absturz der Boeing 737 Max 8 trifft mit Ethiopian Airlines ein Unternehmen, das alles dran setzt, in der ersten Liga der Luftfahrtgesellschaften mitzuspielen. Die Firma ist Teil der Star Alliance und geniesst bei Experten und auch bei Passagieren einen recht guten Ruf, einige Zeitungen titelten schon: «Die Perle der afrikanischen Luftfahrt.»

Skytrax, eine britische Beratungsgesellschaft, die sich auf die Bewertung von Flughäfen und Fluggesellschaften spezialisiert hat, benotet Ethiopian mit vier Sternen. Allerdings erfasst dieses Rating eher organisatorische und Comfort-Aspekte.

Erstaunliche Gewinne bei grosser Konkurrenz

Etwas verhaltener beurteilt Jan-Arwed Richter die Fluglinie. Richter, Gründer des Hamburger Flugunfallbüros Jacdec, sagt, dass Ethiopian Airlines aufgrund des jüngsten Absturzes in dem vierstufigen Rating des Büros von B auf C abgerutscht sei. In den vergangenen 30 Jahren habe es immerhin sieben Totalverluste von Maschinen sowie mehr als 20 schwerwiegendere Vorkommnisse gegeben.

Eines der schlimmsten Unglücke fand im Jahr 2010 statt, als eine Boeing 737-800 abstürzte. Wie jetzt in Äthiopien ereignete sich jenes Unglück kurz nach dem Start: Die Maschine war um halb drei Uhr nachts bei stürmischem Wetter am Beiruter Flughafen in Richtung der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba abgehoben. Wenige Minuten später schon stürzte sie brennend ins Meer. 90 Menschen starben. Ein Flughafensprecher nannte zunächst einen Blitzeinschlag als mögliche Ursache. In dem später vorgestellten Abschlussreport hiess es dann aber, dass die Piloten wohl fatale Fehler gemacht hatten und zudem bei den schwierigen Wetterverhältnissen zwischendurch die räumliche Orientierung verloren.

Ethiopian ist mit 11 Millionen Passagieren und 14'000 Mitarbeitern die grösste Fluggesellschaft Afrikas – und sie arbeitet profitabel.

Im November 1996 wiederum stürzte eine Boeing 767-260 der Fluglinie ab, allerdings ohne Verschulden des Unternehmens. Unterwegs von Addis Abeba nach Nairobi wurde die Maschine entführt – nach langem Irrflug ging der Treibstoff aus. Bei der Notlandung auf dem Wasser unweit der Komoren-Inseln brach die Maschine auseinander. Von den 175 Menschen an Bord überlebten 50. Acht Jahre zuvor, im September 1988, waren bei einem Absturz einer Boeing 737-260 der Gesellschaft 35 Menschen gestorben.

Ethiopian ist mit elf Millionen Passagieren und knapp 14'000 Mitarbeitern nicht nur die grösste Fluggesellschaft Afrikas, sie arbeitet auch profitabel. Im August 2018 berichtete Unternehmenschef Tewolde Gebremariam, dass die Fluglinie im Geschäftsjahr 2017 einen Gewinn von umgerechnet 245 Millionen Dollar gemacht habe. Und das bei starkem Wachstum: Die Umsätze aus dem laufenden Geschäft hatten im gleichen Zeitraum um mehr als 43 Prozent zugelegt. Das ist einigermassen erstaunlich, da die Konkurrenz etablierter ausländischer Gesellschaften gross ist.

Bilder: Schweres Flugzeugunglück in Äthiopien

Die soliden Geschäftszahlen ermöglichen es Ethopian Airlines auch, viele neue Maschinen anzuschaffen. Allein im letzten Geschäftsjahr kamen 14 Flugzeuge hinzu. Insgesamt hat Ethiopian 108 Flugzeuge, davon 100 Passagiermaschinen, das durchschnittliche Alter der Ethiopian-Flotte liegt bei 5,6 Jahren. Zum Vergleich: Die Maschinen der Lufthansa sind im Schnitt 11,8 Jahre alt.

Doch dieser Wert sagt nicht viel über die Sicherheit, sondern eher etwas über das Wachstumstempo einer Linie aus. Denn gut gewartet können Flugzeuge Jahrzehnte fliegen.

Erstellt: 12.03.2019, 14:22 Uhr

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