Etihad und Ermotti verkaufen Schweizer Airline

Grosse Pläne hatte Etihad mit Darwin Airline. Warum die Scheichs nun aussteigen.

Bald wieder Freunde? Flieger von Swiss und von Etihad Regional.

Bald wieder Freunde? Flieger von Swiss und von Etihad Regional. Bild: Steffen Schmidt/Keystone

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Sie hatten in der Schweiz viel vor, im November 2013 stieg Etihad Airways bei der kleinen Darwin Airline ein. Die Scheichs wollten sie zu ihrer Speerspitze in Europa machen. Die Tessiner Regionalfluggesellschaft, an der auch UBS-Chef Sergio Ermotti beteiligt ist, sollte fortan Fluggäste aus kleineren Märkten des Kontinents auf Flüge der Golfairline und deren Partner lenken. Die Golfairline sprach von «völlig neuen Wegen bei der Weiterentwicklung» des Streckennetzes.

Aus Darwin wurde in der Folge Etihad Regional. Die Golfairline half mit Geldspritzen, das Streckennetz europaweit auszubauen. Es war ein fataler Entscheid. Swiss reagierte in Panik und setzte den Tessinern mit ihrer arabischen Aktionärin Konkurrenzangebote vor die Nase. Im Preiskrieg verloren beide viel Geld, Darwin aber hatte den viel kürzeren Atem. Hinzu kamen langwierige Diskussionen mit den Schweizer Behörden über die Art und den Umfang der Zusammenarbeit zwischen Etihad und Etihad Regional. Das Streckennetz wurde darum wieder eingedampft und die Fluglinie auf eine Nischenanbieterin mit Vermietung von Flugzeugen und Crews (Wet-Lease-Geschäft) geschrumpft.

Grosses Klumpenrisiko

Dadurch wurden die Verluste gestoppt. Etihad Regional schreibt wieder schwarze Zahlen. Doch die Situation ist für die Tessiner schwierig. Die Abhängigkeit von Aufträgen der unter staatlicher Verwaltung stehenden Noch-Schwester Alitalia ist für sie ein grosses Klumpenrisiko. Auch für Etihad macht das keinen Sinn mehr.

Darum steigt die Golfairline jetzt wieder aus. Etihad Airways hat ihre Beteiligung von 33,3 Prozent an Darwin Airline/Etihad Regional verkauft, wie heute bekannt gegeben wurde. Auch die restlichen Tessiner Aktionäre um Ermotti haben ihre Anteile abgestossen. Neuer Besitzer der Fluggesellschaft ist die Münchner 4 K Invest, welche die neue 100-Prozent-Beteiligung über ein Luxemburger Gesellschaft hält.

Adria statt Persischer Golf

4 K Invest ist keine Unbekannte in der Luftfahrt. Sie hatte vor einem Jahr die Adria Airways gekauft. Die slowenische Nationalairline wird denn auch gewisse administrative und betriebliche Aufgaben von Darwin übernehmen und die Flüge vermarkten. «Darwin ist eine hervorragende Fluggesellschaft mit erfahrenem Management und Personal. Die Ausweitung unseres Netzes und die damit einhergehende Optimierung von Kostenstrukturen ist eine Win-win-Situation für beide Unternehmen», kommentiert Adria-Airways-Chef Arno Schuster.

Darwin, die heute 225 Menschen beschäftigt, wird aber als eigenes Unternehmen mit Basen in Lugano und Genf bestehen bleiben und auch das Schweizer Luftverkehrsbetreiberzeugnis behalten. Der neue Chef aber kommt von den Slowenen. Und auch im Aussenauftritt bekommen die Tessiner erneut einen fremden Namen. Aus Etihad Regional wird Adria Airways Switzerland.

Nicht mehr Feind von Swiss

Einen grossen Vorteil könnte der Besitzerwechsel haben. Adria Airways ist wie Swiss und Lufthansa Mitglied im Bündnis Star Alliance. Sie bedient zudem derzeit gewisse Strecken für die Schweizer Fluggesellschaft. Für Darwin könnten sich daraus neue Perspektiven eröffnen – etwa Aufträge von Swiss für kleinere Strecken. Oder mittelfristig sogar auch die Aufnahme in das Luftfahrtbündnis.

Erstellt: 20.07.2017, 09:58 Uhr

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