EU-Datenschutz nützt Zuckerberg

Regulierungen durch Behörden können Facebook nichts anhaben. Nutzerzahlen und Gewinn steigen weiter.

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«Ein grosses Unternehmen mit vielen Ressourcen wie unseres kann neue Regulierungen leicht verkraften, doch diese belasten Start-up-Firmen», sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei seiner Anhörung vor dem US-Kongress über die kommerzielle und teils missbräuchliche Nutzung von Personendaten. Zwei Wochen später ist klar: Der Konzern hat den Sturm nicht nur überstanden, sondern geht mit mehr Nutzern und höheren Werbeeinnahmen daraus hervor. Ein Heer von ­Lobbyisten und Anwälten ist zudem im Einsatz, um die verschärften Datenschutzbestimmungen der EU zum Vorteil des eigenen Geschäftsmodells zurechtzubiegen.

Facebook wartete mit Rekordzahlen auf und machte jede Mutmassung über einen Rückschlag im hochprofitablen digitalen Werbegeschäft zunichte. Der Umsatz im letzten Quartal stieg um 49 Prozent auf 12 Milliarden Dollar und die Bruttogewinnmarge kletterte um satte 63 Prozent. Jeden Tag loggen sich nun weltweit 1,45 Milliarden Nutzer auf der Website ein. Insgesamt stieg die Zahl der User innert eines Jahres um weitere 13 Prozent auf 2,2 Milliarden an. Es gibt kein anderes Unternehmen, das je so viele Kunden auf sämtlichen Kontinenten gewonnen und sie zugleich zur scheinbar unerschöpflichen Geldquelle gemacht hat. Im Schnitt verdient Facebook an jedem Nutzer 20 Dollar pro Jahr, viermal mehr als im Jahr 2012. In Nordamerika sind es sogar 84 Dollar pro Jahr.

Zusammenspiel mit Google

Noch sind die Folgen des Skandals um russische Wahlkampfhacker und den Missbrauch der Personendaten von mehr als 120 Millionen Nutzern nicht ganz ausgestanden. Erst das laufende Quartal dürfte Klarheit schaffen. Doch Facebook hat auch dafür vorgesorgt. Wenn die strikteren EU-Datenschutzbestimmungen ab dem 25. Mai wirksam werden, könnten die Nutzerzahlen in Europa vorübergehend stagnieren, räumt Facebook ein. Doch mit einer Trendwende rechnen weder Zuckerberg noch die Werbewirtschaft. Das Geschäftsmodell sei deswegen nicht gefährdet, sondern dürfte den relativen Wert von Facebook im Werbemarkt noch erhöhen.

Die Netzwerke der beiden Giganten Facebook und Google sind heute so dicht gewoben, dass sie von keiner Werbeagentur und keinem globalen Unternehmen umgangen werden können. Sie kontrollieren zusammen die Hälfte des gesamten digitalen Werbemarkts der Welt und stellen für jeden neuen Konkurrenten ein kaum überwindbares Hindernis dar. Wie sicher sich Facebook glaubt, machte Finanzchef David Wehner deutlich. Die Aufgabe sei nicht, den Nutzern in Europa mehr Rechte zu geben, sondern sie «durch das Einwilligungsprozedere zu schleusen».

In vielen Ländern haben die Nutzer zudem keine echte Alternative mehr, da Facebook für 80 bis 95 Prozent der Kontakte der sozialen Medien verantwortlich ist. Deshalb wirken auch die neuen Nutzerbestimmungen, die Facebook nun nach dem Hackerskandal Schritt für Schritt einführt, wie eine Branchenregulierung. Kleinere Werbefirmen und Start-ups müssen sich ihr unterziehen, ob sie wollen oder nicht.

Lobbyarbeit in Irland

Wie wenig staatliche Vorschriften dem Duopol Facebook-Google anhaben, zeigen die EU-Richt­linien zum Gebrauch von Cookies aus dem Jahr 2011 und dem «Recht auf Vergessenwerden» von 2014. In beiden Fällen nahm die Nutzer die Warnhinweise kaum zur Kenntnis; und die Werbewirtschaft zog noch mehr Mittel aus den traditionellen Medien ab. Diese Erfahrung war auch dafür verantwortlich, dass Facebook und Google nach dem Entscheid des EU-Parlaments ihre Verhinderungstaktik aufgaben und sich darauf konzentrierten, die EU-Vorschriften nach ihren Bedürfnissen zu formen.

Die Lobbyisten und Anwälte der US-Internet­giganten trafen sich regelmässig mit den EU-Regulatoren und wandten sich im Besonderen der Datenschutzchefin Helen Dixon in Irland zu, wo Facebook und Google ihre Europa-Sitze ­haben. Den beiden Firmen wurden gemäss dem «Wall Street Journal» offenbar die gewünschten Anpassungen bei den neuen Zustimmungsrechten der Nutzer gewährt.

Erstellt: 26.04.2018, 21:04 Uhr

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