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Experten erwarten noch mehr Bank-Pleiten

In Zeiten weltweiter Unsicherheit auf den Finanzmärkten scheint es nur eine Gewissheit zu geben: Im nächsten Jahr werden in den USA noch reihenweise Banken pleitegehen.

Experten zufolge ist die grösste Frage nur, wie viele Banken Insolvenz anmelden müssen und wie sie vor einem Zusammenbruch gerettet werden können. Institute könnten geschlossen, vom Einlagensicherungsfonds abgewickelt, verkauft, oder verstaatlicht werden.

Das in Washington beschlossene 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket der Regierung wird einige Finanzinstitute vor dem Zusammenbruch bewahren. «Es wird helfen, aber es wird nicht die grosse Rettung sein», sagt Finanzanalyst Jaret Seiberg vom Vermögensverwalter Stanford Group. Viele Banken hielten Baufinanzierungen und gebündelte Kreditpakete, die auch vom Rettungspaket der Regierung nicht abgekauft würden. Seiberg rechnet daher im kommenden Jahr mit der Pleite von mehr als 100 Banken.

Die Krise für den US-Finanzsektor ist die Schlimmste seit den frühen 1990er Jahren als nach Problemen der Bausparkassen binnen drei Jahren rund 800 Geldinstitute pleitegingen. Den Steuerzahler kosteten die damaligen Rettungsaktionen inflationsbereinigt rund 205 Milliarden Dollar. In der gegenwärtigen Krise könnten es weniger Banken sein. Die Institute sind jedoch inzwischen wesentlich grösser, denn derzeit gibt es rund 8000 Banken weniger als noch 1988.

«Ich weiss nicht, wieso die Dinge dieses Mal sehr anders sein sollten», sagt Wirtschaftsprofessor Joseph Mason, der in der Krise der 90er Jahre für das US-Finanzministerium arbeitete. «Wir hatten gerade eine grosse Party, wo sich die Leute und die Unternehmen zu viel Geld geliehen haben. Es war eine Blase.» Der Weg zurück werde schmerzhaft sein, sagt Mason.

Einlagen des FDIC auf Fünfjahrestief

Die schiere Grösse der heutigen Finanzinstitute könnte auch den Einlagensicherungsfonds (FDIC) überfordern. Im Zuge des Rettungspakets aus Washington wurde die Obergrenze für versicherte Guthaben pro Konto von 100'000 auf 250'000 Dollar angehoben, was den Druck auf den FDIC weiter steigert. Mason geht davon aus, dass Banken mit Einlagen von insgesamt etwa 1,1 Billionen Dollar (800 Milliarden Euro) pleitegehen werden. Wenn der FDIC dann die noch verbliebenen guten Werte verkaufe, würde der staatliche Fonds immer noch auf einem Minus von 140 bis 200 Milliarden Dollar sitzenbleiben, meint Mason.

Der Fonds des FDIC ist momentan allerdings auf einem Fünfjahrestief angelangt und nur noch 45 Milliarden Dollar schwer. In den ersten neun Monaten wurden von ihm 13 Finanzinstitute aufgefangen - und damit bereits mehr als im Zeitraum der fünf vorherigen Jahre. Ende Juni ging der FDIC davon aus, dass 117 von insgesamt 8500 Finanzinstituten gefährdet sind. Spektakuläre Sorgenkinder wie die inzwischen pleitegegangene Sparkasse Washington Mutual (WaMu) und die Bank Wachovia standen allerdings gar nicht auf der Liste. WaMu wurde eilig an JPMorgan Chase verkauft, damit muss der FDIC nicht für die Einlagen von rund 300 Milliarden Dollar haften. Wachovias Bankgeschäfte will die Citigroup übernehmen.

Nach der rauschenden Kredit-Party herrscht also Katerstimmung. Notverkäufe und staatliche Garantien wie beim Versicherungskonzern AIG werden die Finanzmärkte noch eine Weile beschäftigen. Doch die soliden Geldhäuser und die Finanzgiganten wie JPMorgan, Citigroup und die Bank of America werden die Marktbereinigung für Zukäufe nutzen und weiter wachsen.

AP/bru

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