EY führte eine Untersuchung ohne Anhörung

Ernst & Young versprach eine gründliche Untersuchung der Vorwürfe wegen sexueller Belästigung. Die Hauptbetroffene wurde nicht angehört.

Partner wurde freigestellt: Geschäftssitz von Ernst & Young in Zürich.

Partner wurde freigestellt: Geschäftssitz von Ernst & Young in Zürich. Bild: Keystone

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Nachdem Marcel Stalder letzte Woche von seiner Funktion als Chef von Ernst & Young (EY) Schweiz zurückgetreten war, wurde gestern seine Nachfolge geregelt. Die neue Person wird die Aufgabe haben, nach den turbulenten Monaten wieder Ruhe ins Wirtschaftsprüferunternehmen zu bringen.

Hintergrund für Stalders Rücktritt waren Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung, die sich gegen einen EY-Partner richteten. Dieser war ein enger Vertrauter von Stalder. Eine Mitarbeiterin hatte den betreffenden Partner 2016 der sexuellen Belästigung und anschliessenden Mobbings bezichtigt.

Es gab eine Untersuchung, am Ende verliess die Mitarbeiterin die Firma mit einer Abfindung von zehn Monatslöhnen und einer Geheimhaltungsvereinbarung. Der Partner erhielt einen Verweis, wurde aber kurz darauf von Stalder befördert. Nachdem diese Zeitung im Dezember neue Details zum Fall publiziert hatte, wurde der Partner freigestellt.

Gestern wurde auch die externe Untersuchung zum Vorfall für beendet erklärt. Laut der Medienstelle von EY Schweiz habe sie ergeben, dass kein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliege. Das Verhalten des Partners sei aber unangemessen gewesen. EY Schweiz und der Partner hätten sich darauf geeinigt, dass er die Firma verlasse.

Fall von sexueller Belästigung nicht strafrechtlich relevant

Die «thorough and independent investigation of the matter», die Europa-Chefin July Teigland im Dezember versprochen hatte, wurde von der Zürcher Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin geführt. Man habe alle vorliegenden Information ausgewertet und mit allen relevanten Personen Interviews geführt, schreibt die Mediensprecherin von EY Schweiz. Mit Ausnahme der ehemaligen Mitarbeiterin, die die Mitarbeit abgelehnt habe.

Die betroffene Mitarbeiterin wurde kurz vor Weihnachten von EY kontaktiert und eingeladen, die Sache zu besprechen. Man wolle die Untersuchung so schnell wie möglich beenden, heisst es in einem Schreiben, in das diese Zeitung Einblick hatte, am besten bis Ende 2018. Das war nicht möglich, weil die Mitarbeiterin bis Mitte Januar in Übersee weilte. Sie bot aber mehrmals schriftliche Stellungnahmen an. Ihr wurde darauf mitgeteilt, ihre Mitarbeit sei nicht zwingend, da man nur untersuche, ob aufgrund ihrer Beschwerden die richtigen Massnahmen ergriffen worden seien.

Gestern teilte July Teigland in einem internen Schreiben mit, die Untersuchung sei abgeschlossen, der Fall von sexueller Belästigung strafrechtlich nicht relevant. Dieser Befund ist insofern banal, als Strafrechtliches gar nie zur Diskussion stand. Es ging vielmehr um ein Verhalten, das den internen Richtlinien von Ernst & Young widersprach. (Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.01.2019, 12:21 Uhr

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