Facebook hat das erste Mal an Wert verloren

Apple knackt eine historische Marke, Amazon verzeichnet spektakuläres Wachstum, Facebook taucht ab: Die Top 100 der Best Global Brands haben es in sich.

Interbrand kürt einmal pro Jahr die 100 Marken mit dem grössten Wert. (Bild: Tamedia)

Interbrand kürt einmal pro Jahr die 100 Marken mit dem grössten Wert. (Bild: Tamedia)

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Apple ist zum zweiten Mal in Folge zur wertvollsten Marke der Welt gekürt worden. Mit einem Markenwert von 214,48 Milliarden US-Dollar ist der Technologieriese die erste Marke in der 19-jährigen Geschichte des Rankings von Interbrand, die die 200-Milliarden-US-Dollar-Grenze knackt. Die Schweiz ist mit den beiden Marken Nescafé (mit 13,05 Milliarden Dollar auf Platz 37) sowie Nestlé (Platz 62 mit 8,94 Milliarden Dollar) ebenfalls in den Top 100 vertreten.

Amazon konnte seinen Markenwert um 56 Prozent steigern, von 65 Milliarden Dollar auf 100 Milliarden Dollar. Damit verzeichnet Amazon das grösste Wachstum seit Facebook im Jahr 2014. Somit steigt der Onlinehändler auf der von der Markenberatung Interbrand erstellten Liste von Platz fünf auf Platz drei.

Mit Mut zu «Forbes»

Das spektakuläre Wachstum dieser Marke ist laut den Markenexperten auf eine erfolgreiche «Neudefinition der Gesetze des Handels» zurückzuführen. Amazon sei zudem führend in Bezug auf das Benutzer- und Verbrauchererlebnis sowie Innovation und Reaktionsfähigkeit. Zentral sei dabei aber eines: Mut. «Amazon steht mit seinem Erfolg beispielhaft für das diesjährige Thema der Best Global Brands: Activating Brave», so Simon Thun, Chief Executive Officer von Interbrand Central & Eastern Europe. «Nachhaltiger Erfolg erfordert den Mut, nicht nur mit der allgemeinen Entwicklung zu gehen, sondern in neue Richtungen voranzuschreiten.»

Nicht nur die Marke, auch der Chef von Amazon ist einiges wert. Jeff Bezos hat den Spitzenplatz auf der jährlichen «Forbes»-Liste belegt, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Das Magazin beziffert sein Vermögen auf 160 Milliarden Dollar. Microsoft-Gründer Bill Gates, der 24 Jahre lang die Liste angeführt hatte, belegt mit einem Vermögen von 97 Milliarden Dollar Platz zwei.

Die Marken mit dem stärksten Wachstum

Zuletzt sorgte Amazon mit der Anhebung des Mindestlohns für Schlagzeilen. US-Mitarbeiter arbeiten neu für 15 Dollar pro Stunde. Amazon machte keine Angaben zur bisherigen Höhe des firmeninternen Mindestlohns. Vom höheren Mindestlohn sollen nicht nur die 250’000 fest angestellten Beschäftigten profitieren, sondern auch die rund 100’000 Zeitarbeiter, die für das Weihnachtsgeschäft dazukommen, wie Amazon am Dienstag mitteilte. Der Onlinehändler wurde in der Vergangenheit oft für seine Arbeitsbedingungen kritisiert.

Zu den Top 5 der Marken mit dem grössten Wachstum gehören neben Amazon Netflix, Gucci, Louis Vuitton und Salesforce.com. Netflix ist die zweitstärkste Wachstumsmarke und klettert mit einem Plus von 45 Prozent ganze 12 Plätze nach oben auf Rang 66 (Markenwert: 8,11 Milliarden US-Dollar). Den dritten Platz in der Gruppe der Aufsteiger belegt Gucci. Die Luxusmarke verzeichnet einen Wertzuwachs von 30 Prozent, macht damit ebenso 12 Plätze gut und schiebt sich auf Rang 39 vor (Markenwert: 12,94 Milliarden US-Dollar). Erst 2017 neu eingestiegen, hat Salesforce.com dieses Jahr bereits 23 Prozent gewonnen und belegt mit einem Markenwert von 6,43 Milliarden US-Dollar Rang 75. Zu den grössten Verlierern gehören GE (–26%), H&M (–18%), Harley-Davidson (–9%), Hewlett Packard Enterprise (–9%) und IBM (–8%).

Facebook erstmals im Minus

Nach fünf Jahren als Top Growing Brand muss Facebook 2018 erstmals ein Minus hinnehmen: insgesamt 6 Prozent. Die US-Firma ist damit von Rang acht auf den neunten Platz gerutscht. Der Internetriese musste im vergangenen Jahr einige Verluste einstecken. Im Zusammenhang mit der Verbreitung von Falschmeldungen vor den US-Präsidentschaftswahlen sowie der Sicherheit von Nutzerdaten wird der Konzern zunehmend heftig kritisiert. Letzten Freitag wurde Facebook Opfer einer gross angelegten Hackerattacke, wie CEO Mark Zuckerberg mitteilte. Vom Angriff waren bis zu 50 Millionen Nutzerkonten betroffen, davon rund 5 Millionen in Europa. Die irische Datenschutzbehörde hat am Mittwoch mitgeteilt, dass Ermittlungen gegen Facebook eingeleitet wurden.

In die Top 100 der wertvollsten Marken haben es dieses Jahr zudem zwei neue Marken geschafft: Spotify steigt mit einem Markenwert von 5,18 Milliarden US-Dollar auf Platz 92 ein. Und auch Subaru schafft mit einem Markenwert von 4,21 Milliarden US-Dollar knapp den Sprung unter die Top 100 (Rang 100). Einige der in den letzten Jahren von der Liste verschwundenen Marken haben es zudem zurückgeschafft: Chanel, 2009 zum letzten Mal im Ranking, ist mit einem Markenwert von 20,01 Milliarden US-Dollar auf Platz 23 zurückgekehrt. Und auch Hennessy (Rang 98), ebenfalls 2009 zum letzten Mal dabei, und Nintendo (Rang 99), 2014 zum letzten Mal dabei, können sich über einen Wiedereinstieg freuen.

Technologie und Luxus stechen heraus

Mehr als die Hälfte der Marken stammen aus insgesamt nur vier Branchen: Automobil (16 Marken), Technologie (13 Marken), Finanzdienstleistungen (12 Marken), Luxus (9 Marken) und Konsumgüter (9 Marken). Gemessen am Wert, lässt jedoch der Technologiesektor alle anderen Branchen weit hinter sich. Zusammengerechnet sind die Technologiemarken 731,56 Milliarden Dollar wert und haben damit einen riesigen Vorsprung auf den zweitstärksten Sektor Automobil mit einem Gesamtwert von 275,07 Milliarden Dollar.

Der Luxussektor löst mit 42 Prozent in diesem Jahr den Detailhandel als prozentual am stärksten wachsenden Sektor ab. Der Einzelhandel bleibt jedoch weiterhin stark mit einem Wachstum von 36 Prozent. Grosses Wachstum verzeichnen auch die Elektronikbranche (20 Prozent), der Sportartikelsektor (13 Prozent) sowie die Finanzdienstleistungsbranche (10 Prozent). Insgesamt ist der Wert aller 100 gelisteten Marken gegenüber dem Vorjahr um 7,7 Prozent auf einen neuen Rekordwert von 2,02 Billionen US-Dollar gewachsen. (sep/Mit Material der SDA)

Erstellt: 05.10.2018, 14:48 Uhr

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