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Facebook im Auge des Sturms

Aktien-Sturz nach Daten-Streit: Der Zorn gegen den Konzern wächst. Nun meldet die «New York Times» auch noch einen gewichtigen Manager-Abgang.

Facebook-Campus in Menlo Park, Kalifornien. Die Firma versucht derzeit, den Schaden zu begrenzen. Foto: Noah Berger (Reuters)
Facebook-Campus in Menlo Park, Kalifornien. Die Firma versucht derzeit, den Schaden zu begrenzen. Foto: Noah Berger (Reuters)

Lange Zeit waren es zumeist Politiker und Datenschützer aus Europa, die den amerikanischen Riesen der globalen Kommunikation misstrauten. Das Daten­leck bei Facebook aber, bei dem Trump-Berater die Psychogramme von mehr als 50 Millionen Kunden entwendeten, schreckt nun auch die USA auf. Politiker wollen Mark Zuckerberg zu seiner Verantwortung befragen. Bundesstaaten ermitteln, ob das Profitdenken den fahrlässigen Umgang mit Nutzerdaten fördert.

Die Firma wiegelte lange ab und hoffte, dass auch dieser Sturm vorbeiziehen würde. Noch am letzten Freitag drohte Facebook dem Londoner «Observer» und wollte einen Bericht über den Diebstahl der Kundenprofile unterbinden. Doch nun findet sich der Konzern wie nie zuvor in der Defensive und scheint sich weiter einigeln zu wollen.

Eine Überprüfung durch aussenstehende Wissenschaftler, Regulatoren und die Politik könnte so erschwert werden. Genau dies will die demokratische Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota verhindern. Sie gehört zu den wenigen Parlamentariern im Kongress, die technisch versiert sind und die Dominanz von Facebook, Google und Twitter nicht mehr einfach hinnehmen wollen. Mark Zuckerberg müsse vor der Justizkommission des Senats aussagen, fordert sie, den Missbrauch durch Wahlstrategen von Donald Trump erklären und offenlegen, was er «von der Manipulation der Wähler wusste».

Geplante Undurchsichtigkeit

Mark Warner und Adam Schiff – die führenden Demokraten, die der Einmischung des Kremls in die US-Wahlen auf die Spur kommen wollen – schlossen sich der Forderung an. Einer der wenigen Trump-Kritiker unter den Republikanern, Senator Jeff Flake, betrachtet Facebook klar als Täter und nicht als Opfer. «Dies ist angesichts der Datenmenge eine ernste Angelegenheit. Die Verletzung der Privatsphäre ist ausserordentlich.» Auch die EU lässt nicht locker. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte gestern eine Untersuchung an, und Justizkommissarin Vera Jourova will diese Woche bei einem Besuch mit Facebook und der Regierung über das Debakel sprechen.

Facebook versucht sich derweil weiterhin in Schadensbegrenzung. Sicherheitsdirektor Alex Stamos räumte jüngst zwar ein, dass die Enthüllungen durch die «New York Times», den «Guardian» und den «Observer» «wichtig und gewichtig» seien, es sei aber falsch zu behaupten, dass es sich um ein Datenleck handle. Die Kundenprofile seien vielmehr missbräuchlich, gegen den Willen von Facebook ausgewertet worden. Zahlreiche Datenschutzexperten im Silicon Valley und selbst Facebook-Investoren widersprechen dem. Das Unternehmen habe wohl seine Verantwortung vernachlässigt, sagte Roger McNamee, ein früherer Mentor von Zuckerberg und Facebook-Financier. «Big-Data-Unternehmen sind für Kunden und Regulatoren gleichermassen undurchsichtig. Deshalb können nur wenige Leute die Folgen von solchen Datenmissbräuchen abschätzen.»

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Update, Dienstag 07:00 Uhr – Facebook-Sicherheitschef verlässt Unternehmen im Streit

Facebook-Sicherheitschef Alex Stamos verlässt den Konzern nach dem Streit über den Umgang mit mutmasslichen russischen Desinformationskampagnen. Dies berichtete die «New York Times» in der Nacht unter Berufung auf frühere und gegenwärtige Mitarbeiter. Er habe sich innerhalb des Sozialen Netzwerks dafür starkgemacht, diese Vorgänge zu untersuchen und öffentlich zu machen. Damit sei er jedoch oft bei der Konzernspitze angeeckt, etwa bei Sheryl Sandberg, die zuständig für das operative Geschäft ist.

Nachdem im Dezember seine Aufgaben anderen Personen zugeteilt worden seien, habe Stamos beschlossen, Facebook zu verlassen. Das Management habe jedoch befürchtet, dass dies einen schlechten Eindruck machen könnte und ihn dazu bewegt, bis August zu bleiben. Facebook habe zunächst zu den Angaben nicht Stellung gekommen, berichtete die Zeitung weiter.

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Facebook wusste seit 2015 von den Missbräuchen, ohne sie publik gemacht oder die Betroffenen gewarnt zu haben. Nur rund 270'000 Nutzer hatten sich 2014 bereit erklärt, die App MyPersonality herunterzuladen und Fragen zu ihren persönlichen Präferenzen zu beantworten. Da diese aber insgesamt mit über 50 Millionen Freunden und Bekannten verbunden war, konnte daraus ein Psychogramm der US-Wählerschaft in einem nie gesehenen Ausmass erstellt werden.

Gestern ging es im Aktienhandel mit Facebook hektisch zu und her: Händler an der New Yorker Börse. (AFP/BRYAN R. SMITH)
Gestern ging es im Aktienhandel mit Facebook hektisch zu und her: Händler an der New Yorker Börse. (AFP/BRYAN R. SMITH)

Hinter der Aktion stand Cambridge Analytica, einer von dem ultrakonservativen Robert Mercer finanzierten und vom ­damaligen Trump-Einflüsterer Steve Bannon geführten Firma. Die Facebook-Informationen kamen der psychologischen Kriegsführung der Trump-Strategen zugute. Die ständigen Widersprüche und billigen Slogans des Kandidaten sollten diejenigen Wähler ­ansprechen, die Cambridge Analytica psychologisch als leicht beeinflussbar ausgemacht hatte. Nicht nur die US-Wahlen, auch die Brexit-Abstimmung war vom Facebook-Debakel betroffen, wie Nigel Farage einräumte, als er be­stätigte, dass seine «Leave.eu»-Kampagne von Cambridge Analytica unterstützt wurde.

35 Milliarden Dollar an Marktwert verloren

Facebook gab sich lange unwissend – dies ganz im Gegensatz zu ihrem aggressiven Slogan «Move Fast and Break Things». Die Zeit der Unschuld ist definitiv vorüber. Facebook steckt gemäss Juristen in einem tiefen Dilemma. Einerseits wird behauptet, Cambridge Analytica habe die Daten illegal entwendet, anderseits wird gegenüber den Nutzern der Tatbestand des Diebstahls oder eines Lecks bestritten. Würde Facebook den Raub offen zugeben, stellte sich sofort die Frage nach der Haftung und der unternehmerischen Verantwortung. Dies könnte weitreichende Folgen haben, wie die Reaktion der Börse gestern zeigte. Die Facebook-Aktie sackte um mehr als sieben Prozent ab und zog die anderen Techkonzerne mit in die Tiefe. Facebook verlor unter enormen Handelsumsätzen mehr als 35 Milliarden Dollar an Marktwert.

Und dann ging es rasch abwärts: Der Aktiensturz von Facebook kam im Handel am Montag.
Und dann ging es rasch abwärts: Der Aktiensturz von Facebook kam im Handel am Montag.

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