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Facebook laufen die guten Köpfe davon

Die Instagram-Gründer sind nicht die ersten prominenten Abgänge beim sozialen Netzwerk. Das könnte mit einem Kulturproblem zu tun haben.

Facebook verliert Talente: Die Gründer der gekauften Firmen verlassen den Konzern – beispielsweise die Instagram-Entwickler Mike Krieger (vorne links im weissen Hemd) und Kevin Systrom (vorne rechts im dunklen Pullover), die ihren Abgang kürzlich bekannt gegeben haben.
Facebook verliert Talente: Die Gründer der gekauften Firmen verlassen den Konzern – beispielsweise die Instagram-Entwickler Mike Krieger (vorne links im weissen Hemd) und Kevin Systrom (vorne rechts im dunklen Pullover), die ihren Abgang kürzlich bekannt gegeben haben.
EPA Instagram, Keystone

Das schaffen wohl nicht viele Firmen. Mehr als 70 Übernahmenhat Facebook in der noch nicht einmal 15-jährigen Firmengeschichte abgeschlossen. Einige kosteten kaum etwas, andere gingen in die Milliarden.

Die teuersten Zukäufe waren der Nachrichtendienst Whatsapp für 19 Milliarden Dollar, die Virtual-Reality-Firma Oculus Rift VR für 2 Milliarden Dollar und die Photo-App Instagram für 1 Milliarde Dollar. Mit den Zukäufen erwarb sich das Unternehmen nicht nur die Produkte, sondern holte sich auch erfolgreiche Gründer an Bord.

Doch gelang es Firmenchef Mark Zuckerberg nicht, diese zu halten. Erst vor wenigen Monaten hatten die Köpfe hinter Whatsapp, Jan Koum und Brian Acton, nacheinander den Konzern verlassen. Koum störte sich daran, dass Facebook Werbung bei Whatsapp schalten will. Acton forderte wegen der Datenschutzaffäre um Cambridge Analytica, dass Nutzer ihre Facebook-Konten löschen sollten.

Auch Palmer Luckey, einer der Gründer von Oculus Rift, hat die Firma verlassen. Mit Brendan Iribe und John Carmack sind aber zwei andere wichtige Köpfe der VR-Firma geblieben. Mike Krieger und Kevin Systrom, die Gründer von Instagram, wurden durch den Verkauf zu Multimillionären. Nach sechs Jahren verabschieden sie sich nun aber vom Konzern.

Weniger Mut, mehr Ehrgeiz

Management-Guru Jeffrey Sonnenfeld sagt gegenüber dem US-Sender CNBC, er sehe einen kulturellen Wandel bei Facebook. «Das Gespür für Mut und Kreativität scheint durch etwas ersetzt zu werden, das viel mehr mit Ehrgeiz und Arroganz zu tun hat.» Laut Sonnenfeld, der an der Yale School of Management lehrt, gelingt es anderen Grosskonzernen wesentlich besser, talentierte Köpfe zu halten. Er verweist dabei auf Apple, Disney und Walmart.

Offenbar würden sich viele Gründer daran stören, wie Facebook auf die Datenschutzaffäre und die Enthüllungen zur Einmischung Russlands in die US-Wahlen reagierte, so Sonnenfeld. «Firmen machen ab und zu Fehler, doch die Bemühungen von Facebook, diese zu reparieren, sind enttäuschend», sagt er.

Jeder Zukauf muss etwas einbringen

Scott Galloway, Professor an der Stern School of Business in New York, glaubt hingegen, es sei nur eine Frage der Zeit, bis Firmengründer einen Konzern wieder verlassen. Sie könnten sich da nicht verwirklichen und müssten daher das Weite suchen.

Das US-Wirtschaftsmagazin «Forbes» sieht aber noch einen anderen Grund, wieso sich Gründer bei Facebook nicht wohlfühlen. Ausgelöst wird diese Entwicklung vom wirtschaftlichen Druck. Der erfolgsverwöhnte Facebook-Konzern meldet rückläufige Wachstumszahlen und sinkende Margen.

Da kann es sich das Unternehmen nicht mehr erlauben, wichtige Firmenteile vor sich hinwerkeln zu lassen, ohne die volle Kontrolle darüber zu haben. Über die Ausrichtung habe es auch Auseinandersetzungen zwischen Facebook-Chef Zuckerberg und den beiden Instagram-Gründern gegeben.

«Wir werden Facebook verlassen, um unsere Neugier und Kreativität neu zu entdecken», schreiben die Instagram-Gründer Kevin Systrom und Mike Krieger auf dem Firmenblog. Dies scheint bei Facebook nicht möglich zu sein.

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